Tagebuch eines Ausländers 1: FREMDSEIN GENIESSEN.

Ich weiß nicht genau, was mir hier gefällt. Ist es das Klima mit seinen 4 Gesichtern und tausend Mienen? Ist es die Natur, in die hinein ein Hauch Zauber inkarniert zu haben scheint? Oder sind es die Menschen, mit denen ich in ihrer eigenen Sprache mich nicht verständigen kann? Oder ist es einfach die Ferne von meinem Ursprung, die dargebotene Möglichkeit, mich im Isolarium, vom Bekannten unbeeinflußt, selbst zu erleben und klar zu sehen? Wahrzunehmen, wie das Fremde und ich aufeinander reagieren und nochmals reagieren. Ohne die Stütze gleicher Kultur, gleicher Sprache, gleicher Geschichte, gleicher Denkungsweise, gleicher – und als Gleiche gleich verstandener – Schwächen und Stärken. Sondern einfach nackt, ich, da, allein, in der Fremde, wo der einzige, der mir nicht fremd ist, ich selber bin. Das ist es wahrscheinlich. Oder warum sonst gefällt es mir so sehr, fremd zu sein?

– che chidi chukwumerije

6 thoughts on “Tagebuch eines Ausländers 1: FREMDSEIN GENIESSEN.

  1. Vermutlich bist du ein Mensch, der eine starke Seele hat und vielleicht nicht so schnell zu verunsichern ist. Ich mag es z.B. überhaupt nicht, fremd zu sein. Aber ich werde es immer hier bleiben. Manchmal, da gibt es Momente, da bin ich aber trotzdem froh, dass mehr als eine Kultur mich geprägt hat. Ich habe oft gemerkt, dass mir das einen Vorteil verschaffen kann.

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    1. Ich glaube, wir sind alle ein bißchen fremd, selbst in der Heimat. Nur haben wir von klein auf gelernt, uns in den Bereichen innerlich zu bewegen, wo die größte Gleichart mit den meisten Menschen unserer kulturellen Heimat herrscht. Mit dem Erwachsenwerden vergessen wir dann irgendwie, was wir nie geübt haben – anders sein.

      … bis wir als Erwachsene irgendwann uns auf einmal in der Fremde befinden, wo wir lernen müssen, Anderes in uns zum Leben wecken zu lassen – das, was eben dem fremden Continuum gleichartiger ist. So gewinnen wir nach und nach an Mehrseitigkeit. Goethe meinte einst, (ungefähr) daß der eine neue Seele bekommt, der eine neue Sprache lernt.

      Ich denke, Fremdsein ist immer eine Chance, zu wachsen. Langsam zu erleben, wie das dem Fremden Gleichartigen in Dir, aus Deinem Inneren, zum bewußten Teil von Deinem Ganzen wird.

      Aber ich weiß auch, was Du meinst: verwundbar, einsam – und manchmal leicht zu verunsichern – ist immer der Fremde. Deshalb braucht und hat man ja Freunde 🙂

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  2. Was ist das denn? Heimat.

    Der Ort, wo wir geboren sind?
    Oder der Ort, wo wir leben / lieben?
    Ich glaube, dass jeder dazu eine andere Meinung hat.

    Ich habe dich und deine Blogs heute per Zufall entdeckt und ich werde jetzt mal das Tagebuch eines Ausländers lesen. Besonders interessiert mich, wie es dir hier gefällt und was du berichtest, denn mein Mann kommt auch aus Igbo Land. Und ihr habt sicher ganz unterschiedeliche Erfahrungen gemacht. Oder doch ähnliche? Ich werde es hier vielleicht erfahren.

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