VERTRAUENSBRUCH

Die Blumen verabschieden sich
Du merkst es nur nicht, weil
Sie noch da sind – nach dem Abschied
Verweilt das Lächeln noch eine Weile

Das Polareis blieb, trauriges letztes Lächeln
Der Vergangenheit, noch lange nach
Dem es getötet wurde – die Natur
Wartet lang und geduldig mit ihrer Rache

Manche Ehen
Manche Träume
Manches Vertrauen
Manche Menschen
Sterben
Erst lange nach dem
Sie getötet wurden.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

ANGESTECKT

Ein rotes Tier
Spielt neuerdings im Wald
Es färbt ab

Wie ein Gedanke
Der von Kopf zu Kopf
Sich fortpflanzt
Bis ein ganzes Volk
Einst im Frühling seines Schmerzes
Jetzt den Sommer verdirbt
Zum roten Herbst wird

Ein gelbes Tier
Wartet welk am Rand
Farbe in Hand. Bald dran.
Danach folgt das Graue.
Gefolgt, gedeckt vom stillen weißen Tod.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

GOTT

Egal wie viel es ist, irgendwann geht es zur Neige. Gott allein ist unerschöpflich. Frage Dich also: Was ist Gott, das Unerschöpfliche? Die Unerschöpflichkeit selbst.

Wir leben mitten im Ergebnis des Ausdrucks seiner Unerschöpflichkeit und wir nennen das “Sein” oder “Leben”. Die Quelle dessen aber, aus dem wir teils dankbar, teils gedankenlos undankend und selbstverständlich schöpfend das haben und gestalten, was wir Sein oder Leben nennen, diese Quelle bleibt unserem Wissen verschlossen und zwingt uns immer wieder zur Frage: Was ist das, Gott, das Unerschöpfliche? Wer ist Gott, dessen Kraft angeblich unerschöpflich ist?

Und sie muß auch unerschöpflich sein, sonst gäbe es das Sein oder das Leben nicht oder nicht mehr. Nur das kann Leben sein, was weder Anfang noch Ende hat. Alles, was eines von beidem hat, verdient nicht den Namen Leben; und da das, was wir oft Leben nennen, einst ein Ende haben wird, kann es nicht das Leben sein, denn die Eigenschaft des Lebens ist, daß es lebt! Alles, was aufhören kann, zu leben, kann nie das Leben gewesen sein, da das Leben ja das Leben deshalb ist, weil es lebt und einfach lebt, also immer weiter lebt, so wie es auch immer lebte, weil es an sich Leben selbst ist. Und da es immer lebte und immer lebt, ohne davon abzukommen, muß es vollkommen sein. Diese Annahme seiner Vollkommenheit wird durch die Tatsache bekräftigt, daß das All – also alles – also alles Sein in seiner verblüffenden Vielfältigkeit – an vollkommenen Naturgesetzen kreist, hängt und zusammenhängt.

Alles, was einen Anfang hat, kann auch nicht das Leben sein, sondern DAS wiederum muß das Leben sein, aus dem das geboren wurde, dieses einst Angefangene, was wir vorher als Leben einstuften.

Was also ist das Leben? Wer ist Gott, dessen unerschöpfliche Kraft alles weitere Sein hält, und aus dessen Unerschöpflichkeit die Strahlen hervorgehen, aus denen alles das Gestalt nimmt, was wir irrtümlich Leben nennen?

Nur einer hat mich so weit gebracht, und führt mich noch weiter Richtung der Antwort: Die Gralsbotschaft “Im Lichte der Wahrheit” von Abd-ru-shin. Für alle die, die mich immer wieder fragen, warum ich manchmal nach Tirol fahre: Deshalb tue ich das, um in der Gralssiedlung auf dem Vomperberg in Tirol Kraft und Klarheit zu schöpfen. Denn wer den Ahnungsweg zu Gott finden und wissend gehen will, der muß über seine eigene Innere Stimme die Verbindung dazu suchen. Keiner hat mir diesbezüglich mehr geholfen als Abd-ru-shin in seiner Gralsbotschaft. Wer oder was ist Gott?

– Che Chidi Chukwumerije

DER HERBST REGT SICH

Herr Herbst
Wie ein Raubritter
Stehlt uns langsam das Sommergrün
Überlässt schleichend uns Laubglitzer
Wo bunte Strahlen kalt glühn
Auf Ästen nackt grau bitter
Und herb.

Morgendlicher Herbstregen
Wie ein graublaues Staubgitter
Herbst noch nicht ganz
Sommer nicht mehr, Urlaubzwitter
Zwischen Schlaf und Tanz
Das Gemüt gewöhnt sich, taub, zitternd
Wieder an Herrn Herbst.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

KLEINE KUNST

Der Ton macht die Musik
Die Absicht macht den Unterschied
Zwischen richtig und richtig
Falsch ist immer falsch, auch wenn richtig
Die große Kunst liegt in kleiner Kunst
Schönheit täglich der Schönheit wegen
Und Alles Gute unterstützen

Ich liebe die Rose
Die zornig in der Wüste den Himmel liebt
Ich bewundere die Obdachlose
Die in Frieden mit sich selbst wohnt
Und stolz bei sich ruht
Während die anderen unruhig an ihr vorbei hasten
Überbelastet mit Haben ohne Sein

Wie sehr gönne ich ihr ein Dach
Über ihrer Dornenkrone
Und ein Schloß um ihren Stolz.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

DIE ANGST VOR AUSEINANDERSETZUNGEN

Mutig ist der Krieger, der vor dem Krieg
Bereits seine sichere Niederlage sieht
Und dennoch ungetrübt in den Krieg zieht
Gefüllt von einem höheren Begriff von Sieg
Und Niederlage

Krieg des Niederen ist gegen den Anderen
Krieg des Höheren gegen sich selbst
Beweine nicht die Niederlage gegen den Anderen
Beweine die Niederlage gegen Dich selbst.
Der Tag ergibt sich der Nacht
Das ist das letzte, was er jeden Tag macht
Es ist keine Niederlage.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

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LEICHT SCHWIERIG

Es ist schwierig
In schwierigen Zeiten
Schwierig zu bleiben
Wenn schwierig Deine Art ist
Denn das macht alles nur noch schwieriger

Leichter wäre es
Leichter zu werden
Leichter werden
Fällt Dir aber schwierig

Also bleibst Du schwierig
Was Deinen Weg schwierig macht
Dich aber leicht
So leicht
Daß Du jeden Weg leicht gehen kannst
Auch die schwierigsten.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

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MEIN NEUER FREUND

Freundschaft
Ich machte unlängst eine neue
Bekanntschaft
Und genoß mehrmals täglich seine
Gesellschaft
Er teilte mit mir meine jede
Leidenschaft
Bewies aber auch die ungetrübte
Eigenschaft
Mich zu spiegeln durch seine zarte
Gegnerschaft
Mir gegenüber.

Und er sah so aus, wie ich
Und zeigte mir einen anderen mich
Denn ich hatte mich als Freund entdeckt
Und gewonnen und behütet wieder versteckt
Als wäre Zeit Ort und Ort Zeit
In den Zwischenmomenten meiner Alleinigkeit
Euch gegenüber.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

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GOTT IST

Sonntag
Der Drang, Gott zu kennen –
Was ermöglicht Bewusstsein?
Was ist das überhaupt? Bewusstsein.
Wach! Hell! Tag!
Wahrnehmen können und erkennen.

Jedes kleinste Tier…
Wie sieht das Innenleben
Seines Bewusstseins aus?
Gott, aus seiner Liebe heraus
Ermöglicht selbst dem kleinsten Tier
Die Freude, bewusst zu leben.

Was ist das? Gott.
Immer mehr ahnt der Mensch
Daß Es etwas weit mehr ist
Als der Mensch ahnen kann. Gott ist.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

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IMPERIUM

Raum zum Nehmen
Grenzen des grenzenlosen Nehmens
Ohne sich zu schämen

Nur der Eroberte
Nur der Gebrochene
Nur der Gedemütigte
Schämt sich
Schämt sich auch noch
Und schämt sich auch dafür
Heimatlos zu Hause

Heimatlos in der Heimatlosigkeit
Eines Anderen Imperium
Da, wo es keine Gnade gibt
Nur Nachdenken: Warum
Bin ich hier?
Nimmst Du mir meinen Freien Willen
Nimmst Du mir mein Leben.
Reichtum und Macht sind ein Imperium
Und wir sind der Widerstand.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der Deutschen Dichtung

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