MITTE AUGUST

Wenn Stimmen und Lärm die Leinwand sind
Auf die Du Dein Schweigen malen musst
Ist die Stadt eine unendliche Leinwand
Genug Brust breit genug für Deine Lust
So lang gerieben Schweigen aber ist wund
Durch Begehren der Stadt und ihre Frust
Denn das Schweigen geht gegen den Trend
Gleichzeitig ignorierend und benutzend bewusst
Die Mischung aus geschwollenem Vollmond
Und der brennenden Stadt mitten im August.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VOLL MIT MOND

Vollmond über Torrelles de Llobregat
Der Abend wiegt schwer
und liegt leicht auf meiner Nacht,
wiegt schwer, weil der Mond,
ich beobachtete ihn, und schöpfte Verdacht,
der Mond, der Mond ist schwanger -
Und jeder, der heute Nacht Dichter spielt,
wird zu seinem treuen Handlanger.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ES WERDE PFLICHT

Es werde Pflicht
Licht zu werden
Denn es ist geworden
Dunkel auf Erden

So viele Atombomben
kann kein Planet überleben
Der einzige Planet
Auf dem es Leben gegeben

Am Anfang war das Wort
Ein Ehrenwort
In ihm fand unsre Sehnsucht
Einen Verankerungsort -

Ein Wort wie Zusammenschluss
Wie Du oder wie Wir
Ein Wort wie Menschlichkeit
Als Lebenselixier.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MITFLIEGENDE WURZELN

Das Flugzeug ist voller
Wurzeln, die bis zum Boden - fast -
reichen.
Die sitzen fest angeschnallt
sehnen sich nach der Landung.

Ihre Geschichten, ihre Schicksale,
wie Schleifen,
hängen außen vom Flugzeugrumpf herunter,
sichtbar nur dem Hellseher,
dem Fantasieregen und dem Dichter,
fliegen im Wind, mitgezerrt, flatternd hinten
wie hundert Schwänze.
Sie sind die Wurzeln der Reisenden
und sehnen sich ebenso nach dem Boden,
nach Erdung.

Sanft war die Landung.
Die Menschen setzen Fuß auf festen Boden.
Ihre Wurzeln bohren sich wieder in die Erde.
Nur ihre Träume und ihre Wünsche, diese
fliegen weiter.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BALEARES

Strand Barcelona
Ich stand mit Füßen im Wasser
mit Herzen aus Wasser
beobachtete das ruhelose Wasser

Seit Milliarden von Jahren im Takt
macht das Wasser genau das hier, was es macht -
kommen gehen kommen gehen und lacht

Ohne Höhepunkt kommen ohne Ankommen
Ohne Ende ein uraltes Abkommen
Erde und Meer lieben sich vollkommen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung