AUS

Menschen ziehen ein und aus
Mein Herz ist mein Haus
Wir sagen auf Wiedersehen
Und meinen auf Nimmerwiedersehen.

– Che Chidi Chukwumerije.

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WICHTIGER SEIN

Ich schätze Dich, weil
Du ein Mensch bist, Teil
der Gattung unserer – doch ein Keil
schiebt sich zwischen uns und unser Heil
und das ist das Wichtiger-sein-wollen als die Anderen.

Mein herz klopft, und zwar
für zwei – mich und die Welt; es war
einmal die Kindlichkeit – doch ein paar
Eitelkeiten und schon ist das Wasser unklar –
Bald herrscht das Wichtiger-sein-wollen als die Anderen.

Versucht doch mal die Ichsucht
zu umarmen. Unmöglich; sie ist verflucht.
Kurze Arme nur für sich, beschwörend Zucht
und Ordnung mit einer Wucht, die riecht verrucht
und abstoßend: das Wichtiger-sein-wollen als die Anderen.

– Che Chidi Chukwumerije.

2019: Das Jahr der deutschen Dichtung.

ALTE WUNDEN

Mein Gehirn brennt
Die Flammen stammen aus Eltern getrennt
Immer wieder bin ich erneut jenes Kind
Schwach, verwirrt, blind

Herz mit Hoffnung erfüllt
Nicht begreifend warum so laut wird gebrüllt
So oft geweint, so wenig zusammen gelacht
Das Kind hat viel nachgedacht

Antworten nicht gefunden
Hin und her gerissen zwischen zwei Menschen verbunden
Von beiden wurde ihm genug Liebe gegeben
Für zwei Erdenleben

Eins hätte gereicht
Zwei Leben gleichzeitig bedeutet nur Leid
Das lebenslange Suchen nach Stimmigkeit
Ohne ein Verräter zu sein.

– Che Chidi Chukwumerije.

GUTEN MORGEN

Es gibt Tage
Und es liegt nicht am Wetter
Da grüßen die Leute schöner
Verbindlicher
Schauen Dir in die Augen
Durch deren halboffene Fenster
Überraschung ein Herz sagt kurz wirklich Hallo
Bevor sich die Wege trennen…
Und jeder geht in seinen guten Tag hinein

Hinaus in die Lichtleere
Doch glücklich als wäre
Jeder von uns selbst eine Sonne

Und der Grund für diese Wonne,
Dieses seltsame Fehlen von Sorgen?
Ein ehrlich gemeinter “Guten Morgen!”

Che Chidi Chukwumerije

—-

2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

INCOGNITO

Sag den Menschen nicht, wer Du bist
Sonst erfährst Du nie, wer sie sind
Sie sollen sich ruhig mit dem auseinander setzen
Was sie glauben zu sehen blind

Warte auf die Wahrheit, kommen wird sie
Kommen wird sie, wenn sie sich sicher wähnen
Häßlich, der Moment der Enthüllung der Mysterie
Du wirst Dich für sie schämen.

– Che Chidi Chukwumerije

DER NEID

Aufsteigend schleichend
Windend, verbrannt, Schlange
Augen Blick ausweichend
Hinterhältig lange

Wütend lächelnd schielend
Was setzte ihn in Gange?
Unwissend Schmerz wühlend –
Mein Herz, bange, bange!

Neidend umkreist sie Dich lauernd
Freundlichkeit auf der Wange
Dich bewundernd, sich selbst bedauernd
Der Neid wurde ihr zum Hange

Langsam allmählich wich die Freundschaft
Der Tisch bricht, das Maul klafft
Traurige, friedlose, lebenslange Haft –
Den Neider tötet sein eigener Neid in seinem Fange.

Che Chidi Chukwumerije.

FARBLEHREN

Ach, die Farben
Schwarz und weiß genannt
Gelb und rot und braun
Wessen Verstand wurde noch nicht verbrannt?

Die Farblehre pflanzt sich fort
Von Eltern auf Kind und Enkelkind
Generation um Generation
Sag mal, machen Farben blind?

Der Farbencodex, wer kennt ihn nicht?
Schweigsamste Geheimsprache derweilen
Unsichtbare Tinte stets fein verwoben
Zwischen Zeilen

Doch ich kenne andere Farben auch
Die das Bild vervollständigen
Die Farben der Liebe, die Farben des Hasses
Die Farben der Wahren und die der Anständigen.

– Che Chidi Chukwumerije

Mein Jahr der deutschen Dichtung
Ganz nebenbei, falls es jemanden interessiert oder einer sich fragt, was ich da so tue: Ich werde dieses Jahr täglich auf Deutsch dichten und auch posten in meinem Blog http://www.chechidi.me und auf Facebook und an anderen Stellen vielleicht auch. Wer will, darf gerne kommentieren, bewerten, sogar Wünsche äußern. Der Grund, warum ich das tue, ist ganz einfach. Es fließt gerade.
– Che

SCHMERZGRENZEN

Sie saß allein im Klassenzimmer
Weinte leise vor sich hin
Die Tür ging auf und schnell erschien
Ein Lächeln auf ihrem Kinn
Doch im Winkel eines Auges leuchtete eine Träne
Und die sah er
Er kam näher
“Weinst Du?” Sie schüttelte den Kopf: “Ne ne…”
Und forcierte das Lächeln noch mehr.

Und er nickte und lächelte zurück
Als würde er ihr glauben
Holte seine Sachen und ging fort
Dann wartete er draußen
Lauschte an der Tür und nach einer Weile
Hört er, leise, wieder
Ihres Herzens graue Lieder
Wie sie schluchzte, weinte, heulte
Sein Herz brach aber er konnte nicht zu ihr.

– Che Chidi Chukwumerije.

TEURER RAT IST GUT

Ich gebe Leuten Rat,
den ich mir meinerseits gewünscht hätte
Denn entweder schwieg damals jemand in meiner Nähe
Der das schon wusste, was ich jetzt weiß
Oder ich bin der erste, der diesen Weg geht
Aber das kann nicht sein

Meine Pflicht ist es, weiter zu geben
Und hoffe, daß die vor mir wandernden mir auch aus der Born ihrer Erfahrung geben werden.
Denn nur so reift die Menschheit von
Generation zu Generation –
Wissen wird weitergegeben, in Liebe.

– Che Chidi Chukwumerije

SCHUBLADEN

Du wirst in Schubladen gesteckt.
Spar Dir Deine Tränen, Traurigkeit, Empörung, Enttäuschung –
Werde erwachsen und ertrage den Druck.

Dann kommt für Dich die Wahl.
Es gibt zwei Wege, den Druck zu besiegen –
Du weichst ihm aus und tauchst vorne wieder auf,
Oder Du erwiderst ihn mit Deinem Gegendruck.

Beides funktioniert.
Finde für Dich nur heraus, was zu Deiner Art passt,
Aber nie aber nie sollst Du aufgeben.

Dann flüstert mir diese freche kleine Stimme zu:
Aber einen dritten Weg gibt es noch –
Du spielst das Schubladenspiel mit;
Drehst den Spieß um, wirst zum Verführer und Lenker, und übernimmst die Führung.

Hauptsache, Du weckst sie nie
Aus ihrem Traum.

– Che Chidi Chukwumerije