DIE WORTE KOMMEN WIEDER ZURÜCK

Wie Worte überleben
Wie sie Schweigen überdauern
Und wieder auftauchen
Wie U-Boote, wie sie lauern
Bis Herzen sie wieder brauchen
Um sich gegenseitig zu vergeben.

Wie Worte hartnäckig überleben
Geformt als Texte mit festen Bedeutungen
Halb-geformt als im Blut gefühlte Gedanken
Ungeformt als feine Kern-Empfindungen,
Wie altes Geld in und aus alten Banken
Ihr Reichtum irgendwann wieder - und weiter - geben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KOPFSCHUSS

Ein Kopfschuss wird heute manchen umbringen.
Anderen dringt die Kugel in die Niere ein,
es könnte aber auch die schreiende Lunge sein
oder das Rückenmark. Dem Herz wird‘s gelingen

ein letztes Gedicht über die Liebe und den Frieden
in den schmerzverzerrten Augen zu lesen -
Alles, was es auf Erden beinahe wäre gewesen -
dann verlässt es die Erde für alle Ewigkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIR BRAUCHEN FRIEDEN

Stell Dir vor,
Du gerietest jetzt in Kriegsgefangenschaft…
Ich meine jetzt! Jetzt!
Während Du unterwegs nach Hause bist -
Noch bevor Du ein letztes Mal
zum Handy greifen kannst
und Deiner Frau oder Deinem Mann
oder Deinen Kindern oder Eltern
oder Geschwistern oder Freunden sagen kannst…
bist Du weg. Weg. Weg!

Frieden. Leute, Frieden!
Je länger die Kriege andauern,
desto einfacher ist es, Gebiete weiter zu erobern,
Menschen weiter verschwinden zu lassen,
Waffen weiter zu verkaufen,
die Umwelt weiter zu zerstören,
Volkswirtschaften weiter zu verzerren,
die Armen noch ärmer zu machen,
Menschenrechte weiter zu schmälern,
Träume weiter zu töten.

Frieden, Leute, Frieden!
Wir brauchen mehr Streitschlichter
und weniger Kriegsanfeuerer.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE STUNDE DER SCHWACHEN

Gedanken wie Hintergrundgeräusche
die die aufkeimende Empfindung stören -
Ich kann sie weder hören noch hellhören

Aber ich kann sie sehen, hell, sehen
wie sie schweigt, Mutter meiner tiefsten Ideen,
jedes Mal, wenn ich sie enttäusche.

Und ich kann sie hören, sehen, spüren
wenn ein Tausend wirre Gedanken
mich nicht bringen können zum Schwanken.

Die Wunde der Starken ist die Stunde der Schwachen
und umgekehrt. Das System muss was machen
wenn Gegensätze sich berühren.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SAISONWENDE

Grün wie Hoffnung verwelkend
Ein Sommer des Lichtes
Jahrzehnte des Friedens
Sozialgerechtigkeit in der Gesellschaft
Feiern ihr Saisonende.

Der Herbst ist vieles: Er ist bunt,
Reif, er ist herb und kalt, schließlich
zieht er sich und uns alle aus.
Wer wenig hat, dem wird viel genommen.
Wer alles hat, dem wird alles gegeben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SUMMA SUMMARUM: SCHREIBEN

Am Leben bleiben durch Schreiben.
Das Empfundene zu denken reicht mir nicht.
Auch reden mag laut scheinen, schreiben stumm,
doch Schweigen umfasst das ganze Universum.
Summa Summarum:
Schreiben ist die Welt mir einverleiben,
ist mich der Welt hinterlassen – des Dichters Pflicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KEINE ZEIT SPÄTER

Keine Zeit später
diese Gedanken zu lesen
und nieder zu schreiben
was einst nie gewesen.

Keine Zeit später
mich zu suchen und finden
und Nicht-empfundenes
nachträglich zu empfinden.

Keine Zeit später
später Zeit zu haben
Vergangene Gegenwart aufzunehmen
als wären wir noch Knaben.

Ich habe heute keine Zeit
gestrig Versäumtes nachzuholen.
Morgen bringt neue Blumen.
Heut Verpasstes ist der Zeit gestohlen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

REIFEN VERKRAFTEN

Die Niederlagen werden die Türe sein
in Orte hinein, die den Siegen verschlossen sind -
Die schönsten 0rte, an denen Du, allein,
heranreifen darfst als inneres Kind.

Keine Niederlage ist eine zu viel;
Je tiefer wir fallen, desto höher steigen wir -
Entwicklung ist das wahre Ziel,
wenn wir ehrlich sind, und dazu neigen wir.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung