NACHTBOTE

Die tote Stille deutet darauf hin
Daß es irgendwann ist
Zwischen Mitternacht und Morgenstund
Irgendwo in der Mitte –

In der Stille wenden sich zu mir
Seelenklare Gedanken
Ruhige Vermutungen
Mit der Bitte
Sie ernst zu nehmen
Nicht wieder zu vergessen
Wenn mein Kopf das Kissen erneut berührt und
Ich morgenfrüh diese Stunde vergesse
In der ein Traum mich weckte
Für ein paar Minuten in der Nacht.

Baby schlummert, Mutter ruht
Nachbarn träumen, draußen ist’s still
Jetzt lege ich mich auch schlafen
Und die ganze Welt wird still.

– Che Chidi Chukwumerije.

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AM ANFANG EINGESCHLAFEN

Sind das 2 oder 3 Sterne,
So einsam, verloren,
Wie entfremdete Erinnerungen,
Neblig und verfroren im nächtlichen Zelt
Des Bewusstseins meiner Welt?
Einst gefunden, einst verloren
Zweimal entrückt und noch ungeboren
Winkend winkend wie ferne Grüße –
Und kein Versuch, keine Analyse
Entschlüßelt Dir, was Du verpasst hast,
Allein ahnst Du: Du hast irgendetwas verpasst.

Wie oft, wie ärgerlich,
Der wiederholte Mist, wiederholend sich
Wie kann das sein?
Alle Tränen, und die Becher, die sie füllen,
Ergäben keinen Wein
Der je betäuben oder je erfüllen
Oder irgendwie das gut machen könnte
Was der Mensch seinem Geiste ungünstig verpönte –
Doch funkeln sie, ferne Erinnerungen,
Anfang und Ende unterbrochener Dämmerungen –
Aber sind sie ein Gruß oder sind sie eine Klage?
Das ist die erahnte und doppelseitige Frage –
Oder warten sie nur auf den Moment
Wo ein Herz wieder taut, weil es drinnen brennt,
Der wahre Advent, eine Seele weint innerlich laut,
Und alles, was Du spürst, ist eine Gänsehaut
Denn daoben sieht man sie,
Erreicht sie nicht, denn wie
Erinnert man sich denn an ein Leben,
Das man versäumte, zu erleben?

– Che Chidi Chukwumerije.

ZWEITER SCHNEEVERSUCH

Ein bißchen Schnee
Wie aus Versehen ausgerutscht
Von himmlischer Hand
Und den langen luftigen Weg bis zur Erde
Herunter geirrt, schwebend
Winzige einzelne Schneeflösklein
In der Luft jedes für sich allein
Den eigenen Weg suchend, bahnend
Bis sie alle die Erde berühren
Und dort einander wiedertreffen
Zum ersten Mal
Seit dem sie ihre Heimat verließen
Und zum letzten Mal bevor sie verschmelzen…

Ein schöner leiser Vormittag
Besänftigt und geweicht vom
Zweiten Schneeversuch des Jahres Ende
Eingeweiht mit Weihrauchkörnchen
Die das Bild der vorbeifließenden Autos verlangsamen
Und deren Murmeln nach und nach dämpfen
Still muß es langsam werden
Denn die Heilige Nacht kehrt bald zurück.

In der Stadt und auf dem Lande
Im Berge und Dorf, im Büro und Zuhause
Im Auto und Zug und Flugzeug
Und im einsamen Boot bei der letzten Segelfahrt
In mir und in Dir
Im Wald und drüben im Park
Überall, wo es Mensch und Tier gibt
Heben alle die Augen kurz hoch
Und reden lautlos mit dem zweiten Schnee –
Ob er liegen bleiben wird,
Im Gegensatz zum Ersten, Vergessenen, Verschwundenen
Von Vorvorgestern…

Still sollte es ja langsam werden
Denn die Heilige Nacht ist bald mit uns.

– Che Chidi Chukwumerije

ERWACHSEN

Karg sind die Bäume
Karg geschoren meine erwachsenen Träume
Silhouetten in der Nacht
Stille Post, stille Fracht

Das Kind in mir redet, doch geschwind
Der vorbei flüsternde Dezemberwind
Nimmt die Hälfte seiner Worte mit
Überläßt dem Erwachsenen somit nur ein Bit

Erinnern tut er sich nicht mehr
An mehr als ein wenig Inhalt da und hier –
Nicht das Kind an sich ist jetzt erwachsen
Sondern dem Kinde wurde entwachsen

Das eine schwebt im Licht und entfernt sich immer mehr
Der andere, im Dunkel, grübelt, schwer, leer
Wie er die Weltprobleme lösen kann
Die er selber erschuf und ersann.

– Che Chidi Chukwumerije.

KINDER LASSEN UNS KINDER SEIN

Wenn man Kinder Kinder sein lässt und kindlich, fühlt sich auch unser inneres Kind dazu ermuntert, sich wieder auszuleben und das Leben mit zu erleben.

Es fühlt sich verstanden, gewollt, geliebt und vor allem geschützt; wagt sich aus seinem Versteck heraus, um selbst nach dem Wirken zu streben.

Es bereichert unsere Umgebung, verschönert unseren Alltag; und wo wir vorher nur genommen haben, fangen wir wieder an, etwas Wertvolles zurück zu geben.

Wer Kinder liebt und das Kindliche wirken lässt, der ist ein Kind der Schöpfung, und den liebt Gott, Vater alles rein Kindlichen, denn Er ist der Stock und wir die Reben.

– Che Chidi Chukwumerije.

ABSICHT

Wichtiger als die Tat ist die Absicht
Manch ein grobes Wort, das man spricht
Verbirgt die Tatsache, daß hinter einem Gesicht
Ein gutes Herz leben könnte, belebt vom Licht.

Auf die rasche Antwort, Mensch, verzicht‘…
Denn das Leben, es ist ein Gedicht
Lies jeden Menschen langsam und mit Vorsicht
Bis Dir seine Absicht langsam einbricht

Deine Haut sei dick, Deine Haut sei dicht
Ob etwas sich gut fühlt oder ob es sticht
Warte trotzdem mit Deinem Gericht
Denn wichtiger als die Tat ist die wahre Absicht

Schicht unter Schicht hinter Schicht neben Schicht
So sieht es aus hinter des Menschen Angesicht
Einfach und schlicht ist es wirklich nicht
Und verbirgt hier eine böse, hier eine gute, Absicht.

– Che Chidi Chukwumerije

AUSSERHALB

Ich habe schon drei gelesen,
Drei geöffnet, bin schon drei gewesen –
Drei Bücher, drei Schatztücher,
Drei Besucher –
Und habe getrieben, immer, Wucher
Denn alles mir Abverlangte
Erbeutete ich stets mehrfach zurück
Wenn ich beiße, nehme ich ein gutes Stück
Dessen, nach dem ich verlangte
Denn ich liebe über alles die Liebe
Und ich suche vor allem die Sehnsucht
Und ich fürchte keineswegs die Herzdiebe
Es versetzt mich nichts in die Flucht –
Alles kann ich verlieren
Ich werde es mehrfach zurück gewinnen.
Doch ich würde sofort erfrieren
Gäbe es Dich nicht mehr in mir hier drinnen.

Jeden Tag brauch ich Dich
Jeden Augenblick, denn Du bist anders –
Teil von mir, unentbehrlich,
Dich gibt es nirgend wo anders.

– Che Chidi Chukwumerije

DILEMMA

Egal wo man anfängt
Egal wie
Egal wo man seine Träume aufhängt
Schmerzen sie
Denn alles Unerfüllte jagt uns für immer,
Unausweichbar, ein geistiges Dilemma.

Politik und Wirtschaft
Arbeit und Wissenschaft
Liebe und Freundschaft
Schwäche und Feindseligkeit –
Wir suchen und suchen, aber nach was?
Der Gral ruft ewig ohne Unterlaß
Selbst die Kunst stillt es nimmer
Stets stört es uns, das geistige Dilemma.

Träger einer Dauersehnsucht
Nachts brennt sie heller –
Nur nachts kann Cinderella
Das finden, was sie sucht –
Ohne Sträuben, gib Dich hin
Fließe mit, egal wohin
Das ist Deines Lebens Sinn
Denn Du steckst schon drin.

– Che Chidi Chukwumerije

DES LEBENS GEDICHT

Alles, aber auch nur alles
Alles, was Du Dir nur vorstellen kannst –
Alles, aber wirklich alles
Alles, was Du weißt und denkst und ahnst
Und denkst, daß Du kannst,
Unscheinbares und Monumentales
Alles, was Dir je einfallen könnte,
In tausend Jahren noch einfallen wird,
Auf Deinen Wissensberg sich noch thrönte,
Mit neuen Erkenntnissen Dich krönte,
Alles, was Dir Weisheit beschert
Und Dich Neues immer wieder aufs Neue belehrt,
Alles, was Du Dir gönntest und mehr
Alles, was Du einst hattest und findest aber nimmermehr
Jede Grenze, jeder Gipfel, jeder Endpunkt
Jeder Traum, der schimmert und prunkt
Und näher rückt, ewig näher und näher,
Jede ewige Idee, die noch funkt,
Alles Streben und alles Erreichen
Und alles Ankommen und weiter hoffen –
Entrungenes aller ent-inkarnierten Leichen
Und deren Zeiten, einst; alle Möglichkeiten noch offen,
Alles kann und wird übertroffen.

Der Du heute bist
Wirst Du nimmer wieder werden
Auf dieser reisenden Erden –
Kurz ist die große Frist
Denn es gibt immer Höheres im Lebensgetriebe
Übertroffen wird alles, nur eines nicht
Und das ist die einfache wahre Liebe,
Des Lebens ewiges Gedicht.

– Che Chidi Chukwumerije.