FLÜSTERN

Flüstern
Damit unsere Gedanken nicht hören
Was unsere Empfindungen schwören
Damit unsere Gedanken nicht stören

Flüstern
Damit unser Verstand nicht laut auffängt
Was unser Geist leise empfängt
Damit der Kopf den Geist nicht bedrängt

Flüstern
Weil immer wenn die Schöpfung schweigt
Die Natur dann zum Enthüllen neigt
Irgendwas, was sich nicht gerne zeigt

Weil Geheimnisse nur leise singen
Wenn sie singen von schönsten Dingen
Die zärtlich nur ins Intimste eindringen,
Flüstern.

Che Chidi Chukwumerije (18.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SCHULDEMPFINDEN

Er ging täglich die Treppe auf und ab
Ein Nachbar sagte, er käme aus dem Grab
Weil er jemandem noch nicht vergab

Ach Quatsch!, er ist aus Fleisch und Blut
Sagte ich überzeugt, es geht ihm gut
Er ist nur Einzelgänger, doch ohne Wut

Ein paar Tage später im Treppenflur
Grüßten wir uns wie immer durch Nicken nur
Von Geisterhaftem an ihm keine Spur

Ich lächelte und gab ihm meine Hand
Er gab mir auch seine, doch es fand
Kein Kontakt statt. Ich traf die Wand!

„Also bist Du doch ein toter Geist!“
„Geist bin ich gewiß, wie Du es heißt,
doch sehr lebendig – wie Dein Auge beweist!

Und Geist bist Du auch, nur hast Du noch
die irdische Hülle, ich nicht, und doch
ringen wir beide unterm selben Joch!“

„Warum kommst immer zu diesen Treppen?“
„Ich möchte den treffen und mich entschuldigen,
den ich mal ermordete auf diesen Treppen.“

Che Chidi Chukwumerije (17.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SCHÜSSE AUF KARAMBA DIABY’S BÜRO IN HALLE

Schüsse auf die Demokratie
Grüße von der feigen Partei
aus dem Untergrund
Weit unter dem Grundgesetz
Es gibt einen Grund warum
die Gesellschaft einst befreit wurde
von der Herrschsucht der Selbstsucht.

Einschusslöcher in die freie Gesellschaft
Einwegdenken-Motto:
Wir rühren uns nicht vom blinden Fleck
Jenseits vom Grundgesetz,
dem Auffänger und der Schutzhülle
der durch Leid gewonnenen Idealen
einer neuen Menschheit.

Schüsse!
Wachruf an die Wächter der Idealen
Die Schützer des Hohen Traums
Die sich Erinnerer des gestrigen Alptraums
Die Unvergifteten
Die Begreifer des Wertes des Grundgesetzes
Die Torwärter einer menschlichen Zukunft.

Che Chidi Chukwumerije (16.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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ODEM

Als ich im Dunkeln
Dem Atmen meines Sohnes lauschte
Dachte ich an meinen Vater
Der nachts gerne wach lag
Vielleicht saß er auch so neben mir
Und lauschte
Und ich denke an meinen Sohn
Und frage mich, ob er eines Tages
Auch genau so sitzen wird
Dem Atmen seines Kindes in der Nacht
Lauschend und sich dabei wundernd
Ob sein Vater einst auch seinem Atmen
Lauschte in der Nacht.

Che Chidi Chukwumerije (15.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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DAS SCHWEIGEN DILEMMA

Weil sie laut sind schweigen?
Oder weil sie laut sind schreien?
Was soll der Mensch tun, um einzugehen
in den Zustand der gewissenhaft Freien?

Weil ich nicht alles weiß schweigen?
Oder weil ich zu viel weiß reden?
Um zu schützen oder um zu schaden?
Hades oder Eden.

Was soll der Mensch tun, um einzugehen
in den Zustand der von Schuld Freien?

Che Chidi Chukwumerije (14.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

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AUS GUTEM HAUSE

Du bist schwarz und sie ist weiß
Sie liebte Dich im streng Geheimen
Neugierig, glücklich, süchtig, heiß
Mit viel Lachen und viel Weinen

Du bist schwarz und sie ist weiß
Jetzt ist sie wohl verheiratet
Ihr ist‘s wichtig, daß er nie weiß
Du warst (bist?) in ihr tief beheimatet

Du bist schwarz und sie ist weiß
Hat jetzt hochpolitische Ambitionen
Es käme nicht gut an in ihrem Kreis
Alte Passionen sind neue Sensationen

Du bist schwarz und sie ist weiß
Erinnerungen sind alles, was Du noch hast
Nichts anderes bleibt zurück als Beweis
Wenn Vergangenheit nicht zur Zukunft passt.

Che Chidi Chukwumerije (13.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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REALITÄTSNAH

Stell dir vor, du würdest in einem Körper stecken,
der wächst, wenn du dich zum Wachsen entscheidest.
Großer wachsen, kleiner wachsen, feststecken;
du entscheidest, ob du Freude hast oder leidest.

Stell dir vor, du würdest in einer Welt leben,
Wo uns die Sonne unterschiedlich aufgeht oder nicht;
Auslöser wäre das Wollen, das wir von uns einzeln geben.
Jeder öffnet oder verschließt sich selber dem Licht.

Stell dir vor, du hättest die Macht, ewig zu leben
und diese Macht würde in Deinem Wollen leben.
Je freier dein Wollen, desto höher dein Streben.
Des Freien Wille hört nimmer auf, hell zu weben.

Stell dir vor, das alles wäre keine bloße Vorstellung;
Stell Dir vor, Du müsstest es Dir gar nicht vorstellen.
Ach! Dieser Körper betäubt nur unseres Geistes Einstellung –
Die hellen nennen wir die dunklen, die dunklen die hellen.

Che Chidi Chukwumerije (12.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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BEZIEHUNGSWEISE

„Ich wusste gar nicht
daß Du so prüde bist,“
sagte er ihr mit einem Lachen.
Sie verlor ihr Gesicht,
erlag seiner List,
ließ nach mit ihrem Wachen
und war plötzlich wach!

Öffnete sich eifrig,
floß mit fleißig,
frisch, saftig, fleischig.
Wollte das Gegenteil
beweisen, weil oh weil
– weil was? Schwach weil geil?
Oder geil weil schwach?

Nachdem er Schluss machte
und plötzlich wieder verschwand
aus ihrem unruhigen Liebesleben,
dachte und dachte und dachte
sie nach. Und bis heute fand
sie noch keine Ruhe im Leben.
Jetzt ist sie wirklich wach.

Che Chidi Chukwumerije (11.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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MOMENTE DER WAHREN LIEBE

Die Liebe
Die Morgendämmerung
Flüchtig flüchtig
Morgen ist immer jung
Macht süchtig süchtig
Nach Liebe

Die Liebe
Die Abenddämmerung
Genau so flüchtig
Entzieht sich der Annäherung
Traurig sehnsüchtig
Der Liebe

Zurück bleiben nur die Augenblicke
In denen wir gut waren und gütig
Gebefreudig oder liebevoll streng
Achtsam, respektvoll, demütig
Anteilnehmend am Andern Geschicke
Denn wir sind Menschen und warmblütig.

Che Chidi Chukwumerije (10.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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KOMMEN

Das lange Warten, darauf,
daß Du antwortest. Ich sah
einst einen Wissenschaftler
der starrte in ein Reagenzglas…
Ich warte darauf, daß Du antwortest
Geduldig beobachte ich mich
wie ich in Dir gäre,
gründlich gäre, als wäre ich eine
chemische Substanz, ein Geheimagent
ohne Beschleunigungsmittel
Langsam gäre ich in Dir weiter
Langsam muß es sein
Ich entbehre die Geschwindigkeit
Vermehre mich mit Langsamkeit in Dir,
eine Frage der Umwandlung in die Antwort
auf die Frage, darüber, wo ich hingehöre, fast wie eine Chimäre
und Dein tiefes Atmen in meinem Herzen
Ist alles, was ich noch höre.

Che Chidi Chukwumerije (9.1.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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