INNERER FRIEDEN, TIEFER ALS GEDANKEN

Schwerbeladen sank und hing der Kopf,
vollgestopft und beschäftigt mit des Tages Zoff,
ein brodelnder, köchelnder, zugedeckter Topf.

Die Seele, aus leichterem, feinerem Stoff,
ignorierte ihn, trank von alledem keinen Tropf,
weder von Gedanken schräg noch Gefühlen schroff.

Sondern sie suchte den Geist, zart - klopf klopf:
In der Empfindung wohnt alles, was ich mir erhoff -
Öffne Dein Inneres Ge-Wand. Dein Herz ist ein Knopf.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DANKBARKEIT DEN ÜBERSEHENEN

Ich liege im Hotelzimmer
und sehe alles außer der Lichtquelle
in dessen Lichtschimmer
ich alles sehe an Ort und Stelle -
Eine einfache Tischlampe an der Bettseite.

Manch einer verschafft uns Freizeit,
doch die teilen wir lieber mit anderen -
Manch einer macht uns bereit;
damit arbeiten wir aber lieber bei ‚Besseren‘ -
Der erste am Ende ist häufig der zweite.

Dankbar möchte ich denen sein,
die immer und selbstlos in Liebe geben…
und Dem ohne dessen Da-Sein
wir niemals hätten Bewusstsein und Leben
noch das Ahnen deren wahrer Tragweite.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TÄGLICH DICHTEN

Täglich dichten hat mir beigebracht,
egal wie schön der Tag war oder die Nacht,
mich zwingen zu können, Gestern zu beenden,
mich der Rätsel widmen von Heute ausgedacht,
den Empfindungen, die heute in mir trenden.

Gestern verlassen fällt mir täglich heute schwer,
bringt mir doch der Tag jeden Tag immer Mehr,
mehr von mir, und mehr von Weniger von mir,
häufig war ich zum Tagesende völlig leer
des Alten, und voll mit neuem Lebenselixier.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

AN MEINE SCHWARZEN KINDER

Meine Kinder,
Ihr seid mehr, weit mehr, als Ihr denkt.
Seid nicht entmutigt,
wenn Eure Gesellschaft hin und her schwenkt,
unsicher darüber,
was sie gemeinsam und einzeln von Euch hält,
und in welche Schublade
Euch zu stecken ihr am bequemsten gefällt.

Ihr seid meine Kinder -
Das ist mehr, als Ihr jetzt begreift.
Eure Wurzeln sind tiefer,
als jede Farbe, die über Euch streift.
Sie verankern Euch
in dem Anfang unserer Menschenwelt
und werden Euch halten,
egal was die Welt Euch in den Weg stellt.

Nicht leben ist wichtig,
sondern würdig leben und stolz sterben.
Leistet ewig Widerstand,
wenn versucht wird, Euch zu enterben
unseres höchsten Guts
und ältesten Guts als Menschheit:
Euer tiefes Selbstvertrauen,
Euer Geistes Wissen der eigenen Fähigkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MENSCHEN STATT HELDEN

Ich bleibe gern meinen Helden fern,
oft sind sie groß nur aus der Ferne -
Wir feiern einen fernen Stein als Mond,
weil Distanz halten sich immer lohnt.
Der Menschenstern, der da oben thront…
Ist doch ein kleiner Mitmensch im Kern,
den ich bei Begegnung kennen lerne.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LIEBEN

Wessen Herz habe ich noch nicht gesehen?
Ich schaue zurück und sehe sie alle. Erneut.
Unvollkommene Beziehungen und ich muss gestehen:
Die Bindungen und die Trennungen haben mich erfreut.

Ich hatte nie Angst, sie alle zu lieben,
denn Lieben hat mich Loslassen gelehrt.
Und nun ist die eine Richtige geblieben,
denn Loslassen hat mich Lieben gelehrt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS EIGENTLICHE

Alles bleibt für immer,
was für immer im Herzen bleibt.
Alles stirbt für immer,
was einmal im Herzen stirbt.
Wie weit kann die Ewigkeit sein,
wenn sie andauernd in uns lebt?
Wie nah kann der Moment sein,
wenn er uns jeden Moment neu entschwebt?

Wir tun alles mögliche,
um die Erde zurecht zu richten -
dennoch ist es das Paradies,
das wir dabei sehnlichst sichten.
Wir tun alles machbare,
um es stofflich bequem zu haben -
dennoch ist es das Geistige,
nach dem wir sehnend laben.

Ironie aller Ironien,
wir suchen Morgen in Heute -
Alles Vergängliche wahrlich
ist ein Gleichnis. Mensch, deute.
Wichtig ist die Tat selbst,
nicht die Menge oder die Form -
Große Taten sind oft endlich klein,
kleine Taten unendlich enorm.

Che Chidi Chukwumerije 
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SMALL TALK

Wie angeordnet und vorgegeben
sinnlos los babbeln - alles klein reden.
Der Trick ist, nicht groß zu denken.
Hauptsache nicht durch Schweigen
die Aufmerksamkeit auf Deine wahren
Gedanken lenken.
Auf Deine großen Gedanken. Lenke lieber
mit Worten ab. Mit kleinen Worten
wie Luft verpackt in großen Geschenken.

Nicht der Dauerschwätzer stört heutzutage
sondern der Schweigsame.
Schweigen ist zu tief, zu schwer. Smalltalk
erleichtert uns doch das Gemeinsame.
Geht‘s Dir nicht gut? Fragen ihn alle, eine Plage.
Lasst mich!, schreit der Einfühlsame,
innerlich. Fragt sich, ich und der Kleinredner -
wer ist hier wirklich der Einsame?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

JENSEITS IST DIESSEITS

Ich träumte, ich drehte mich um und sah Dich um mich trauernd, mich vermissend. So fiel es mir ein, oder auf, daß ich Dir wohl irdisch verstorben war und längst beerdigt. Ich mußte es zwischenzeitlich vergessen haben, den Tod und die Beisetzung, denke ich, denn alles, was ich weiß, ist, daß ich hinüber und weiter gegangen bin. Ich, unverändert, und immer noch am Leben. Und lebend sein fühlte sich, wie auf der Erde, so normal an.

Du warst dennoch so weit weg. Doch sah ich Deine Trauer wie eine Kerze im Nachbarhaus auf der anderen Straßenseite unter der Brücke. Und Du warst selbst die stete brennende Kerze. Oh, wie ich Dich trösten wollte… Aber Du hörtest und sahst mich nicht wie früher. Das war‘s, was weh tat.

So entschloss ich mich, Dir ein letztes Gedicht zu schreiben, denn Du warst immer die erste, die meine Gedichte lass, und hast sie immer tief empfunden. Sicherlich würdest Du diese auch empfangen und empfinden, wenn ich sie Dir aus dem Dir Jenseits mir Diesseits sende … oder leise vorlese…, dachte ich, hoffte ich. . Es war mir selbstverständlich aber wissen wusste ich es ehrlich gesagt nicht. Mehr konnte ich aber nicht mehr tun.

Also fing ich an, dieses Gedicht zu schreiben:

Auch wenn Du denkst, ich bin gestorben,
bin ich Dir viel näher, als Du denkst…
Gleichzeitig näher und weiter als Deine Gedanken,
ganz egal, wie wo Du sie hin lenkst…

Ich will aber, daß Du Dich umdrehst
und Dich Deinem Erdenleben voll widmest;
Dein Weg empor in unser Ziel liegt wie Stufen
in jedem Moment, in dem Du irdisch noch atmest.

Und dann wachte ich aus dem Schlaf auf und siehe da, es war ein Traum. Und das Leben fühlt sich, wie immer, normal an, egal in welcher Zeit und in welchem Raum.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung