WERTLOS

Ich erlitt einen dieser schlimmen Momente
In denen ich mich wertlos fühlte
Dichten ist angeblich eins meiner Talente
Wenn die Welt nur mitfühlte.

Ich schreibe die falschen Worte zu den falschen Menschen
In der falschen Sprache zur falschen Zeit
Mich tröstet nur das Lied meiner Seelenschmerzen:
Deine Gedichte sind für die Ewigkeit.

Das Gefühl zu haben, dem Zeitgeist nicht zu entsprechen
Nicht cool, nicht in, sondern komisch, anders
Ein Kuriosum, ich kann es nicht verstecken
Wie ein verirrter Wanderer.

Nur die kleinen Dinge rühren mich
Ein gütiges Wort, eine selbstlose Tat
Ein ehrliches Sich-zeigen aus dem inneren ‘Ich’
Sind das Wertvollste, was das Leben zu geben hat.

– Che Chidi Chukwumerije
„Das Jahr der deutschen Dichtung“

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KEINE ZAUBERZAHL

Zerrissen, zwei Welten
Verliebt in drei Herzen
Gefangen, Optionen zu viert

Wahlheimat, schwer zu wählen
Sechs Grade der Trennung
Fünf zu viel

Doch ich rede von Dir
Von Mensch zu Mensch
Und der Übereinstimmung von Pech

Von Wunschlisten
Von Kommunikationslücken
Von unerfüllbarer, wahrer Liebe.

– Che Chidi Chukwumerije

WANDELN

Wie landet man
Wie strandet frau
Auf der Straße?

Ich sah ihr zu
Ihre Bahnen ziehend
Tauben füttern

Brot beißen, Saft schlürfen
Im Kreis hin und her schaukelnd
Geparkten Fahrrädern die Lenker nach Vorne richten
Sie sieht ernst aus und ist beschäftigt

Einst war sie im Kindergarten
Saß zu Frühstück
Am Elterntisch

War froh, ahnungslos froh
Machte sich keine Sorgen
Über die Zukunft
Lange her

Jetzt brennt sie eine Zigarette nieder
Eingemummt am Straßenrand
Redet mit Tauben –

Wie landet frau
Wie strandet man
Auf der Straße?

Denkt irgendwo
Irgendwer
Noch ab und zu an sie?
Und weiß nicht, wo sie – oder ihr Geist – ist?

Alles, woran wir glauben
Alles, an dem wir uns festhalten
Unsre Weltsicht, unsre Orientierung
Alles versandet in den Strand der Geschehen
Die wellengleich uns alle einholen –
Alles fällt ab, wir wandeln weiter…

Als ureigene Empfindungen begannen wir
Als ureigene Empfindungen enden wir.

– Che Chidi Chukwumerije.