UNBEHAGEN

Behagen
Sah ich schlendernd
An allem vorbeigehen
Es roch nach Komfort
Und hinterließ
Uns Unbehagen

Denn seine Augen
Waren fett wie Matratzen
Global ausgeweitete Pupillen
In jedem lag eine Lüge
Verbreitet
Es geht uns gut
Schaut mich nur an

Ein Gedanke für dich
Ein Gedanke für mich…

– Che Chidi Chukwumerije.

MORGEN

Wieder ein neuer Tag
Die Reifen rollen, ich sitze
Sitze fest und ruhig
Das Frühstück war anders heute
Die ersten Minuten sind gut überstanden
Ich bin mein neuer Tag
Geworden.
Tag im Tag.
Ich fahr durch meine Gedanken
Unterwegs zum Büro
Hauptstadt ist eine Urempfindung
Straßen befinden sich im Bau
Immer
Immer wieder
Wieder verstehe ich nur die Bäume
Sie sind, was sie sind
Wie viele sind wir im Bus?
Das einzig Verbindende ist nicht mal ein Gruß.

– Che Chidi Chukwumerije.

DAS DAUERHAFTE GEDICHT

Es fängt manchmal mit dem Gefühl,
Besser noch der Empfinden
An,
Manchmal mit dem richtigen Wort –
Manchmal wächst es, langsam, wie die Harmattan-Jahreszeit
Uns anwächst
Oder die zögernden Regen –
Es fällt manchmal aber mit dem Blick erst auf,
Nicht unbedingt dem ersten Blick,
Oder aber ihm auch doch –
Ein Mensch, der wirklich Mensch ist,
Der lebt unter dem Gewicht der Gegenmeinungen
Der Gesellschaft,
Wie eine Blume in der Wüste setzt er sich aber durch –

Das ist das dauerhafte Gedicht.

Das unsichtbare Gesicht, das bleibt doch das einzige Sichtbare…
Es tut weh, lohnt sich aber,
Der verbrannte Finger hat das leckere Essen gekocht,
Die Erdnuss überlebt das Feuer,
das Kind überlebt sein nächtliches Ungeheuer –
Was Wert hat, ist teuer –
Das Wasser ist teuer, das Wasser und das ewige Feuer…
Am Ende schmilzt alles
in sich zusammen ein –
Rauh ist fein, groß ist klein
Farbig ist farblos

Der afrikanische Urwald
Ein europäisches Grünhaus
Ein asiatischer Garten
Jedes sieht wie das andere aus

Das Menschenauge vertieft sich
Vereinfacht hat sich die Welt
Wir schauen um. Laufen von Zelt zu Zelt,
verirren uns nie.

Die Verbindungen sind so
gründlich –
Aufwiedersehen, ein Wiedertreffen, stündlich –
Ein Lied, ununterbrochen, wie eine Schienenbahn
Das Herz trommelt, das Atem pfeift, das Blut rollt entlang
Du kannst reden, was Du willst, von Rassismus
Von Unterschieden, von Babel, von Kommunikationslücken
Es geht tiefer, Bruder.
Wie auch immer, ich verstehe dich immer.

– Che Chidi Chukwumerije.

MENSCHHEIT

Ich strauchelte denn
Der Weg war deine Sehnsucht
Und immer wenn der Drang
Die Gänge überflutete

Gab es Krieg und wir stritten uns
Über Geld, Politik und Religion, Haben und Sein
Über KulturRasseGeschlechtKlassen und Familie
Und hielten Vortrag über Empfindung

Und feierten Gott und Gottlosigkeiten
Bis dein Drang anders gestillt war
Als ehrlich Schwäche zuzulassen
Und zu lieben statt zu hassen.

– Che Chidi Chukwumerije.

GRÜNES MOOS

Grünes Moos
Was ist los?
Sag nicht bloß
Es wär ein Verstoß
Gegen Gesetz, Liebe, Natur
Daß Sonne und Luft
Lust, Farbe und Duft
Regung, Erregung und Aufregung pur
Mal austrocknen müssen
Nur weil dein sanftes Kissen
Bühne so vieler sanfter Küssen
Langausgezogener gefühlsvoller Tschüßen
Lieber Auf Wiedersehen und Vergehen müssen
Verhärtet ist heute

Gesetz, Liebe, Natur
Sind wie jene leute
Die wir lieben und verstehen nicht
Derentwegen unser Herz bricht
Und sich verspricht
Nie wieder zu genießen
Was wir wieder genießen müssen
Und bestimmt auf Erden
Wieder genießen werden
Im grünen Moos
Der Erde Schoß.

– Che Chidi Chukwumerije

WARM

Warm und vertraut war es einst zwischen ihnen gewesen
Und vor allem menschlich, bodenständig, genugsam
Dann trennten sich ihre Wege und, wie es so häufig ist,
Ihre Wesen und Charakter auch, ohne daß sie es merkten
Denn sie blieben in Kontakt. Als sie sich nach Jahren wieder trafen
Hörte die eine entfremdet und verwirrt zu, wie die andere
Von Materialismus gefüllt, erfüllt und getrieben
Nur noch von Haben und Besitz und Vergleichen sprach
Und erst als sie fragte, wo denn ihre alte Freundin geblieben sei
Lösten sich Schmerztränen, doch sie wurden sich nie wieder warm.

– Che Chidi Chukwumerije.

Dieses Gedicht habe ich als Teil eines Interviews geschrieben, das in Sabine’s Lifestyle-Kolumne veröffentlicht wurde. Das Interview kann man hier lesen.

WEIHNACHTSSTERN

Ich fand einen Stern
In meiner Seelennacht
Einen fernen Stern
Der über mich wacht –
Und immer, wenn mein Stern lacht
Lach ich mit auch gern
So führt er mich
Wie ein Seemannstern
Innerlich
Durch meine Seelennacht.

Kinderlein, lachet
Denn die Freude ist eure Macht
Menschen, erwachet
Es ist Weihe Nacht.

– Che Chidi Chukwumerije

MENSCHLICHKEIT

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Guter Rat ist teuer
Gütige Tat noch scheuer
Als ein scheues Reh
Die Welt, sie tut weh

Wessen Selbst ist selbstlos?
So klein und doch eben so groß
Geben ohne verlangen
Sagt man, ist empfangen

Spürt man irgendwie aber auch
Unerklärliches Wissen im Bauch
Haben ist ein Gewicht
Es sei, man habe Licht

Und dann so ein Tag
Wie heute, über dem es lag
Durch Hoffnung befreit
Der Drang nach Menschlichkeit.

– Che Chidi Chukwumerije.