DESHALB GEDICHTE

Mir gehen die leeren Seiten aus,
auf die ich meine unzähligen Geschichten
schreiben muß, denn mein Licht geht aus.
Deshalb verdichte ich sie in Gedichten.

Mir werden die Erinnerungen mehr,
die Zeit weniger um sie nieder zu schreiben.
Irgendwann habe ich keine Zeit mehr
für Geschichten, von denen keine zurück bleiben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

STÜRMISCH

Leidenschaftlich stürzt der Himmel sich
auf die dunklen Berge - plötzlich
ist es überall nass - und sie sind sehr laut.
Diese Sehnsucht hat sich lang gestaut.

Es blitzt wie ein helles Lachen
Es donnert wie das Erwachen
von etwas, das nur nachts in Bergen wohnt
und nur die Hemmungslosen belohnt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE DISTANZ IN DER NÄHE

Ein guter Gedanke,
wenn er sich auf den Weg macht
in der Welt der Gedanken, kommt er weit?
Oder wird er erdrosselt und totgeschlagen
noch bevor er den nächsten Menschen erreicht?
Die unsichtbare Welt ist ein Friedhof,
wo vieles lautlos stirbt und begraben wird,
bevor es Dir überhaupt einfällt.
Stell Dir ein Zimmer voller Menschen vor
alle dicht nebeneinander stehend
doch weder Worte noch Gedanken schaffen es
die Distanz in der Nähe zwischen uns
zu überwinden
und den Frieden trotz der kriegerischen Gedanken
als den besseren Weg zu empfinden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EIN HAFEN NAMENS ABEND

Dieser See
in dem wir täglich beinahe ertrinken
schwere Umarmung, mit Verzweiflung ringen

Hoffnungslosigkeit
in die wir täglich hinein sinken
uns, selbst und gegenseitig, fast umbringen

Der Abend
sieht uns aus der Ferne verzweifelt winken
flüstert täglich dem Tage zu: gutes Gelingen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEFANGENE UNSERER GEDANKEN

Kam schonmal zu Dir der Gedanke,
daß unsere Gedanken
uns manchmal beobachten,
ähnlich wie wir im Zoo die Tiere beobachten
in ihren Käfigen?

Eben dieser Gedanke
gesellte sich heute zu meinen Gedanken
und fing an, mich zu beobachten.
Ähnlich wie wir im Zoo Tiere beobachten
in ihren Käfigen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ANZIEHUNGSKRAFT

Du bist leicht zu beeinflussen
Deine Seele wahrlich eine kleine See
Ich schaue hoch zum All da draussen
wo ich nur den einen Mond seh…

Du schaust mich an und fließt zu mir
Deine Augen, sind sie… sind sie erregt?
Schau nicht nach oben, mein Vampir
Du bist der Mond, der mich bewegt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VOLL MIT MOND

Vollmond über Torrelles de Llobregat
Der Abend wiegt schwer
und liegt leicht auf meiner Nacht,
wiegt schwer, weil der Mond,
ich beobachtete ihn, und schöpfte Verdacht,
der Mond, der Mond ist schwanger -
Und jeder, der heute Nacht Dichter spielt,
wird zu seinem treuen Handlanger.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung