NACHTSCHWIMMEN

Freiheit
Ich schicke gerne
Ich würde gerne schicken
Eine Träne auf Reise
Getragen auf Lachflügeln meiner Lächeln
Idealerweise
Und dann schauen
Ob sie Dir Dein Lächeln entlockt
Oder ob eine Träne Deinen Atem stockt
Denn beide sind Gesichter meiner Glücksmünze –
Ich werfe sie in Deine Seele sachte
Idealerweise
Und wünsche uns allen leise
Alles Gute –

Freiheit…
Gerne würde ich mich öffnen
Ich habe es versucht
Doch meine Augen, die sind trocken
Nur die Nacht versteht es
Mir zu entlocken
Schmerz und Sehnsucht.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

Advertisements

SEX OHNE BEZUG

Geblendet nicht erleuchtet
Wollten sie sein
Geschändet und befeuchtet
Rein, raus, rein
So muß das sein. Nein
Ich lag lange danach wach
Genau so schnell zack zack zack!
War meine Ruhe völlig weg
Noch nie schmeckte der Sex
Ohne Bezug so gut wie es
Die Versuchung versprach.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

FLUGGAST

Wenn mit ebengleicher Leichtigkeit
Wie es meine Gedanken tun
Ich, befreit,
Ruhn

Könnte oben auf den scheuen Winden
Getragen von verbrannten Träumen
Die ich zu empfinden
Nicht versäumen

Möchte, würdest Du mir intim begegnen
Auf der Ebene, von wo wortlose Tat
Aufs Geschehen zu regnen
Ihren Anfang hat?

Dann wären wir einander geistig Gast
Auf gemeinsamem Freiflug –
Schräge Ideen hast
Auch Du genug.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

DER SIEBTE SIEBTE MICH

Der Siebte siebte
Mich unerbittlich
Auf den Grund
Bis alles Getrübte
Von mir wich und
Ich verliebte mich
Unersättlich ins Leben und
Es liebte mich zurück
Und besiegte mich
Mit einer Liebe, die verrückt
Macht fast
Und alles Ehrliche erfasst
Und umfasst, was
Mensch zum Mensch macht
Egal ob es ihm schmeckt
Oder er sich versteckt –
Schmerzlich Mensch werden
Ist das Los eines jeden
Der der ungetrübte
Siebte siebte.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

TROTZ ENTTÄUSCHUNG WEITERLEBEN

Am Tag nach seinem Tode
Wachte auf im Jenseits die Seele
Blickte auf seinen alten Körper
Und den daneben trauernden Bruder

Am Tage nach seines Bruders Unfall
Wachte der Hinterbliebene im Leichensaal
Blickte auf seines Bruders Leiche
Und ahnte nicht die daneben trauernde Seele
Die neben ihm wachte
Und ihn mit Schmerzen im Herzen beobachtete

Und beide sannen
Über alles, was sie noch gemeinsam
Vorgehabt hatten…
Jetzt vorbei

Und beide empfanden im Geiste
Die Wucht ihrer starken Liebe
Zu einander…
Ungeschwächt

Und beide erinnerten sich
Schmerzlich
An den Moment, den Fehler, den Unfall
Der zu dem Tod geführt hat
Und wenn sie es nur könnten, egal
Wie, würden sie alles rückgängig
Machen – leider unmöglich

Nun blickten beide auf den leblosen Körper
Wie auf eine Schwelle, eine Grenze,
Ein geschlossenes Tor in eine verpasste
Und verlorene Möglichkeit…
Eine Chance vertan.

Dann fassten sie Mut
Ertrugen den Schmerz
Drehten sich um
Herz ewig verbunden mit Herz
Und mit Liebe als ewiger Leiter
Gingen sie voller Hoffnung und Sorgen
Jeder mit seinem Leben weiter,
Weiser geworden.
Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

VERSCHWEIGEN

Schweigen
Ein Gefäß, versprochen
Ohne Zeugen
Ungelesen, ungebrochen

Manche forschen
In alten Schriften
Manche in Pyramiden
In Ägypten

Abhörgeräte
Überall
In allen unseren Geräten
Auch im Weltall

Doch intimstes Wissen
Wurde nie niedergeschrieben
Tiefste Geheimnisse
Persönlich verblieben

Nur kurz aufgewühlt
Geschwind runtergekühlt
Und dann in Schweigen
Ewig eingehüllt.

Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

AUCH MONTAGS LÄUTEN DIE GLOCKEN

Guten Morgen Menschenblume
Die Sonne, die ist dreierlei
Eine gedeiht im Weltall drüben
Täglich wiederholte Malerei
Die zweite, die Wichtigste
Die göttliche, Unsichtbare
Dem Verstand am Schwierigsten
Zu fassen, die Unmessbare –
Schönen Morgen Menschenbume
Wo ist Deine dritte Sonne heute?
Die Freude in Deinem Geiste
Wie helles Glockengeläute.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

PS 😊 –
Ich werde häufig gefragt, wie ich es schaffe, jeden Tag neue Zeilen zu dichten und dann den Text mir auch noch zu merken und für meine täglichen Videoaufnahmen auswendig zu lernen. Naja, heute kann ich beweisen: Ich bin tatsächlich doch nur ein Mensch. Ich habe mich 2x versprochen. 😊
Nicht so schlimm. Hauptsache: Täglich läuten die Glocken 🔔 🔔 🔔 . Auch montags. 😊

GESCHEHEN LASSEN

Heute bin ich Topf
Eintopf
Herz voll und viel und weich
Gedeckelt vom Kopf
Köchelnd umrahmt statt mit Haaren
Mit einem dichten Ideenschopf
In unsichtbaren Schichten
Angekettet an Impulsen geflochten
Zu einem Zopf, an dem jemand zieht
Ich weiß nicht wer, ich kann mich nicht umdrehen
Ohne daß sich meine Gedanken
Nicht gerinnen zu einem Pfropf –
Deshalb, heute, Knopf auf,
Gedanken atmen lassen
Mitmenschen grüßen in den Straßen
Und Empfindungen einfallen lassen
Tropf für Tropf.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung