NICHT VERÄNDERBAR

Die Erde dreht sich
Der Mensch ändert sich
Das ist das einzige,
Was unverändert bleibt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

STRASSENMENSCHEN

Sie füllen die Straßen
Aber mit ihnen sind die Straßen leerer
Denn sie gehören nicht in diesen Gassen –
Aus welchen Schmerzen kommen sie hierher?

Gebrochene Herzen?
Verlorene Heimen?
Armut und Sucht und Sehnsucht?
Mit allen tun die Straßen sich reimen.

Mit denen, die sie leerer machen,
Und mit denen, die sie voller machen.
Mit denen, die sie schöner machen,
Und mit denen, die sie hässlicher machen.

Auch die, die nicht auf der Straße gehören,
Gehören auf der Straße.
Für jeden hat sie Platz und Ohren, die hören,
Bis er sie wieder verlasse.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

REISEABSCHNITTE

Manche reisen alleine zu zweit
Andere reisen zu zweit allein
Ein Flugzeug erzählt viele Geschichten
Fliegen ist ein versammeltes einsam-Sein
Der eine schaut zurück auf die Vergangenheit
Die andere blickt nach Vorne in die Zukunft
Jemand schläft und jemand guckt Fernsehen
Alle warten auf die Ankunft.

Aber selten kommt man an, wenn man ankommt -
Die Reise geht meistens weiter…
Ich war nur der Flug-, nicht der Lebens-, Begleiter.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EIN VÖLLIG NORMALER TAG

Ein Tag genügt
um ein Leben zu durchleben
Alles - Liebe und Hass
tauschen, nehmen und geben

Wachsen oder zurückfallen,
verstehen oder vergessen,
stecken bleiben oder weitergehen -
und unterdessen

einen völlig normalen Tag
äußerlich leben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WILLENSKRAFT WIR

Wollen wir „wir“ wollen?
Wollen wir? Wir wollen!
Ja, wollen wir!
Wollen ist unser Wir
Handeln ist unser Wir
Denken ist unser Wir
Empfinden ist unser Wir
Wollen wir? Ja, wollen wir!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EIN TAG

Ein emotionaler Tag
Ein ruhiger Tag
Ein inniger Tag
Ein schmerzhafter Tag
Ein schöner Tag
Alles zusammen
Genau so wie ich es mag
Ein seelenbereichernder Tag.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SCHUTZSCHILDER

Ohne die Vorhänge
sähe jeder in meine Wohnung hinein
Ohne meine Strenge
sähe jeder in mein Innenleben hinein

Manches gehört uns
Aber manches gehört mir
Mir allein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WAS FÜR EINE WELT

Eine Welt
Eine Menschheit
Billionenfache Welt
Billionenartige Menschheit
Wir sind alle gleich
Wir sind alle ungleich
Ähnlich bis zur Unkenntlichkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ARBEITNEHMER

Wir schaffen bis geht nicht mehr
denn es geht nicht mehr
Wir tragen einen Traum
doch trägt der Traum uns? Woher
wolang wohin? Ich weiß es nicht.
Arbeiter und Angestellte tun ihre Pflicht
und blicken auf ihre Hände - leer.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WAHRHEIT ODER PFLICHT

Manche folgen nur materiellem Erfolg;
Wenn solche in Deinem Leben erscheinen,
werde wachsam. Silber und Gold
ziehen das Niedrige an. Zu den Deinen
darfst Du solche niemals zählen.
Lasse lieber die herein, die Wahrheit sagen,
egal ob sie Dir schmeckt oder nicht;
Die Dich lesen ohne darnach zu fragen,
die Dir stehen bei Wahrheit und Pflicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung