NEUE LEBENSFORMEN

Die Erde selbst ist ebenjener Planet
Den wir überall im All suchen
Die Mars-Sonden und der Discovery
Werden niemals so große Erfolge verbuchen
Unter den fernen Sternen da oben
Wie wir kleinen Menschen hier auf Erden
Wenn wir es auf unserem Planeten schaffen
Frei von Plastikmüll und Schädlichem zu werden.

Die neuen unbekannten Lebensformen
Sind nicht dadraußen, wir sind die Träger
In einer neuen Zeit ohne Atommüll und Chemiedreck
Künstlich erzeugte biologische Krankheitserreger
Und die bösen Gedanken, die die Welt vergiften.
Die Erde ist unser Raumschiff
Unser nachhaltiges Flugzeug –
Welcher Astronaut hat es noch im Griff?

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

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WÄRME

Einsamkeit, leise, reist
Schleichend wie ein kalter Geist
Durch das Land, umkreist
Und durchdringt und vereist
Unsere Seelen –

Menschen fehlen:
Der Wärmeaustausch, der beweist,
Wenn die Kälte uns innerlich verspeist,
Daß ich Dir sei, wie Du mir seist
Der Retter, wenn der Zug entgleist.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

EIN WACHES EMPFINDEN

Ich habe Menschen gesehen
Die herb und streng aussehen
Und doch sind sie zart

Ich habe welche getroffen
Die interessiert wirken und betroffen
Und sich entpuppten als hart

Mode ist’s wieder geworden
Daß Kinder sich gut geborgen
Fühlen hinter einem Bart

Wir glauben oft zu kennen
Ohne richtig zu erkennen
Was sich um uns schart

Stacheln schützen oft eine Rose
Und manch eine Herzlose
War anders am Start

Doch manchmal zeigt die Figur
Auch einfach die wahre Natur –
Frag Deinen inneren Torwart

Ob überheblich oder einsam
Sie haben eines gemeinsam
Beide wirken apart

Man braucht ein waches Empfinden
Im Erleben, um herauszufinden
Seine wirkliche Gleichart.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Jahr der deutschen Dichtung.

BERGSPAZIERGANG

Wir liefen wie zwei Kinder
Weit entfernt von der Welt von Tinder
Tauschten unschuldige Gedanken
Und dafür möchte ich mich noch bedanken
Für das gemeinsame Aufsaugen der Natur
Und die Neubelebung der Kindheit
Ohne Uhr, Berge nur, jede Spur Freude pur
Geheilt der Erwachsenenblindheit.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Jahr der deutschen Dichtung

KALEIDOSKOP MENSCH

Raum nach oben
Traum Bach unter
Kaum wach, törkelnd

Taumelnd, Politik
Baumeld, wild, Kritik
Von sich abgewiesen

Ausgewiesen
Sich ausgewiesen
In sich angekommen

Unter sich bleiben
Für sich ganz richtig
Harmonie bedürftig

Doch Grenzen fallen
Zwischen sich und sich
Was ist das, ein “Ich”?

Eingebürgert
Eingeschüchtert
Allerseits

Viele sind verunsichert
Nur die Mutigen
Lassen sich ändern

Denn sie wissen
Am Ende bleibt jeder
Trotzdem sich selbst.

– Che Chidi Chukwumerije

GUTEN MORGEN, ERDE

Guten Morgen, Erde
Alles, was ich heute
Werden werde
Geschieht Dir zur Freude

Wenn ich weine
Und tiefsinniger werde
Denn nur alleine
Wegen Dir, Erde

Wenn ich lache
Und wenn ich liebe
Bei allem, was ich mache
Unter Strom meiner Triebe

Vergesse ich nicht
Du bist gerne die Bühne
Für Tun und Gericht
Und zum Fall und zur Sühne

Darin erfüllst Du treu
Deinen gottgegebenen Auftrag
Schaukelst Dich langsam frei
Tag für Tag.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Mein Jahr der deutschen Dichtung

KEINE NATUR KEINE SEELE

Bäume
Träume der Erde
Atembeschwerden. Atemnot
Der Baum ist ein Griot
Sein Stamm älter wie Deiner und meiner

Verwelkte Blätter
Allwetter, reifen. Begreifen
Würgegriff. Luft! Luft!
Sich krümmend vor Schmerz. Abschied
Ertrunken. Müll. Wüste. Und wir wussten es.

Jetzt erheben Kinder den Schrei
Fahrt linder mit Mutter Erde!
Futter für Wind oder Kampfgeist?
Wer der Natur fühlbar Achtung zollt
Säubert seine eigene Seele unsichtbar.

Che Chidi Chukwumerije.

AM LOKALBAHNHOF

Straßenlieder
Er pennt nicht, er schläft
Neben dem Fahrkartenautomat
Seine sind Augen eines Denkers
Aber er schaut nicht zurück
Nein, die sind Augen eines Nachdenkers
Die blicken nur zurück, nicht mehr
Nach Vorn.

Wie schützt er die Matratze, wenn es regnet?
Er wohnt hier schon seit Monaten –
Wann kauft auch er sich eine neue Fahrkarte
Und steigt wieder ein?

Che Chidi Chukwumerije.

2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

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AN DER OBERFLÄCHE

Ich saß heute und dachte lange nach
Oberflächlichkeit hält mich nachts wach
Sie denken alle, es wäre ein Spiel
Doch wie kann man Weg vom Ziel
Trennen? Wenn Nomen Omen
Ist, und Du stets angekommen
Bist, weil Deine Art Dein Ende
Ist, hohle Seele und wenn Du behende
Bist: Kannst Du Deiner Leere
Entrinnen? Wahre Schönheit umgibt uns
Kostenlos, begegnet uns bei Lassen und Tun;
Und die schönsten Dinge werden tatsächlich
Links liegen gelassen, übersehen, tagtäglich.

Che Chidi Chukwumerije.

2019: Das Jahr der deutschen Dichtung