TEL AVIV

Palmen wehen
wedeln
winken im Wind

tauchen in der Ferne auf

Psalmen singen
ringen
klingen in meinem Herzen drin

tauchen aus einer Erinnerung aus

an die ich mich nicht erinnern kann.

Ich suche mein Gedächtnis gründlich ab
wandle wie in einer Wüste mit Wanderstab
von einem zum nächsten leeren Grab…

Der Geist wanderte aus ihnen schon lange aus;
kehrt er zurück, angezogen, dann als neuer Mann.

Die Straßen Tel Avivs
sehen aus wie die Straßen von
Hunderten von Großstädten der Welt,
voller menschelnden Menschen
in der Art von Hier und Jetzt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Yafo
Yafo
Tel Aviv


			

IM ANFANG WAR DAS ENDE

Ich warte auf das Ende
und das Ende wartet auf mich
Und während wir beide auf einander warten
überholt der Anfang das Ende und mich.

Konsequenter als das Ende
ist der Anfang aller Dinge -
Er wartet auf nichts und niemand,
hebt an zu singen bevor ich ausklinge.

Am Anfang hielt ich stets Ausschau
jedes Mal nach dem Ende -
Doch jetzt am Ende weiß ich:
Der Anfang bringt die Wende,
nicht das Ende.

Selbst am Anfang achtet aufmerksam
nicht auf das Ende, sondern
auf den neuen Anfang.

Denn das ist der wirkliche Ausgang
Und das wahre Ende.

Der Anfang ist das Ende.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

INNERER FRIEDEN, TIEFER ALS GEDANKEN

Schwerbeladen sank und hing der Kopf,
vollgestopft und beschäftigt mit des Tages Zoff,
ein brodelnder, köchelnder, zugedeckter Topf.

Die Seele, aus leichterem, feinerem Stoff,
ignorierte ihn, trank von alledem keinen Tropf,
weder von Gedanken schräg noch Gefühlen schroff.

Sondern sie suchte den Geist, zart - klopf klopf:
In der Empfindung wohnt alles, was ich mir erhoff -
Öffne Dein Inneres Ge-Wand. Dein Herz ist ein Knopf.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DANKBARKEIT DEN ÜBERSEHENEN

Ich liege im Hotelzimmer
und sehe alles außer der Lichtquelle
in dessen Lichtschimmer
ich alles sehe an Ort und Stelle -
Eine einfache Tischlampe an der Bettseite.

Manch einer verschafft uns Freizeit,
doch die teilen wir lieber mit anderen -
Manch einer macht uns bereit;
damit arbeiten wir aber lieber bei ‚Besseren‘ -
Der erste am Ende ist häufig der zweite.

Dankbar möchte ich denen sein,
die immer und selbstlos in Liebe geben…
und Dem ohne dessen Da-Sein
wir niemals hätten Bewusstsein und Leben
noch das Ahnen deren wahrer Tragweite.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TÄGLICH DICHTEN

Täglich dichten hat mir beigebracht,
egal wie schön der Tag war oder die Nacht,
mich zwingen zu können, Gestern zu beenden,
mich der Rätsel widmen von Heute ausgedacht,
den Empfindungen, die heute in mir trenden.

Gestern verlassen fällt mir täglich heute schwer,
bringt mir doch der Tag jeden Tag immer Mehr,
mehr von mir, und mehr von Weniger von mir,
häufig war ich zum Tagesende völlig leer
des Alten, und voll mit neuem Lebenselixier.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

AN MEINE SCHWARZEN KINDER

Meine Kinder,
Ihr seid mehr, weit mehr, als Ihr denkt.
Seid nicht entmutigt,
wenn Eure Gesellschaft hin und her schwenkt,
unsicher darüber,
was sie gemeinsam und einzeln von Euch hält,
und in welche Schublade
Euch zu stecken ihr am bequemsten gefällt.

Ihr seid meine Kinder -
Das ist mehr, als Ihr jetzt begreift.
Eure Wurzeln sind tiefer,
als jede Farbe, die über Euch streift.
Sie verankern Euch
in dem Anfang unserer Menschenwelt
und werden Euch halten,
egal was die Welt Euch in den Weg stellt.

Nicht leben ist wichtig,
sondern würdig leben und stolz sterben.
Leistet ewig Widerstand,
wenn versucht wird, Euch zu enterben
unseres höchsten Guts
und ältesten Guts als Menschheit:
Euer tiefes Selbstvertrauen,
Euer Geistes Wissen der eigenen Fähigkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MENSCHEN STATT HELDEN

Ich bleibe gern meinen Helden fern,
oft sind sie groß nur aus der Ferne -
Wir feiern einen fernen Stein als Mond,
weil Distanz halten sich immer lohnt.
Der Menschenstern, der da oben thront…
Ist doch ein kleiner Mitmensch im Kern,
den ich bei Begegnung kennen lerne.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung