WAS SUCHEN WIR?

Was suchen wir?
Wir hetzen uns
und werden durch unsere Hetze
selbst weiter gehetzt
und drängen gehetzt
weiter nach Vorne
ohne voran zu kommen
und kommen nie weiter
und kommen nie an
sondern bleiben gehetzt
frustriert und unbefriedigt
bis wir aufhören, mehr sein zu wollen
als die anderen Menschen
und fangen an, einfach zu SEIN.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

KURZ

Kurz vor dem Ende
Kurz vor der Wende
Kurz vor dem Neubeginn
Müde draußen, doch in uns hier drin
Ein neuer Sinn.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HERZKLARHEIT

Herz kann lang
auf passendes Herz warten

Und sollen zehn Herzen vorbei kommen
Und sollen hundert Herzen vorbei kommen
Und sollen tausend Herzen vorbei kommen

sagt Herz trotzdem Nein
und wartet geduldig weiter auf passendes Herz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIE KLEINE NACHTMUSIK

Die Musik der Nacht
ist eine innere Stimme des Nachdenkens;
Gedanken wie Wein,
Die Schöpfung als Meisterin des Nachschenkens;
So viel passiert innerhalb 24 Stunden
Aber wie viele davon sind für den Geist relevant?
Deshalb, Nachempfinden und Nachdenken –
Die Nacht ist Vertraute und Informant.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MEHRDEUTIG

Wenn die Straße mit mir redet,
antworte ich in der Regel nicht sofort,
denn die Straße ist mehrdeutig,
mehrere Welten an einem Ort
gelten gleichzeitig und halbherzig.
Nimm die Sachen nicht so ernst,
Niemand meint es wirklich so ganz,
wie er es von sich gibt. Zuerst
musst Du die Menschen empfinden,
erst dann weißt Du wirklich,
was Du von ihnen denken sollst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NACHTLÄRM

Lärm
Dunkel wie Nacht
Manche sehen nichts
Manche hören nichts
Manche schlafen
Manche sind wach
Aber alle träumen etwas
Auch die, die ihre Träume wieder vergessen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FRUST

Mein Herz ist eine Rose –
Denkst Du an Blumen oder an Stacheln?
Ich denke an Dich und ich blute
Ich denke an Dich und ich blühe auf.
Aber fass mich nicht an –

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MEHR UND ANDERS

Alles, was die Welt hat,
ist zu klein für mein Herz –
Ich spüre etwas in mir
Es ist tiefer als Schmerz,
Leichter als Spaß und Scherz,
Älter als Erde und Erz,
Aus einer fernen fremden Heimat.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SOME WAITS

I’m in a garden full of fruits
But I am not hungry,
And what I crave only
Is buried deep down in the roots.

And I am waiting patiently
For it to sprout again
And no pleasure can dull the pain
Or nourish me substantially.

Some waits last long, longer
Than a lifetime or two;
Reincarnation is the cue
To re-become younger and stronger.

Don’t hurry your wounds,
Let them heal at their own pace;
Life and love are not a race,
Some years have thirteen moons.

Che Chidi Chukwumerije
Poems from the inner river

ZU SEIN

Darf ich dürfen 
was ich können kann?
Werden zu werden
ein guter Mann.

Soll ich sollen
was ich wollen will?
Seiend zu sein
Inmitten des Lärms
hörbar still.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung