TAG DER EINHEIT

Ist es kindisch
dem, dem ich angeblich
fremd bin, zu zu lächeln
und ehrlich zu beichten:
Wir sind alle Geschwister im Geiste
in meinem Herzen?

Ich träume von dem Tag, einmal im Jahr,
an dem für vierundzwanzig Stunden
jeder jedem sein Herz öffnet
und diese Beichte ehrlich zu läßt:
Wir sind Geschwister im Geiste
in meinem Herzen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MIT DIR EWIG LEBEN

Warum kann das Leben nicht ewig sein?
Das Leben muss ewig sein.
Das Leben ist ewig.
Wenn nicht auf Erden
Denn irgendwo sonst
Und dort will ich Dich treffen
Nach dem wir hier auf Erden fertig sind
Und anderweitig weiter suchen dürfen
Denn ich will mit Dir ewig leben, Ayabona.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ELTERLICHE LIEBE

Was ist der Sinn dieses Lebens,
meine Kinder, und meines Strebens?
War alles Sorgen nicht vergebens?

Ich wünsche, ich könnte Euch mehr geben
Mehr Zukunft, mehr Führung, mehr Leben
Mehr Wissen, mehr Schutz, … Alles eben.

Eltern erkennen irgendwann ihre Machtlosigkeit
Alles, was wir Euch geben können, ist die Vergangenheit
Schöne stärkende Erinnerungen für alle Ewigkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

KEINE LIEBE ZUM HASS

Wer ist glücklicher?
Der seinen Freund kennt
oder der seinen Feind erkennt?

Wer ist unglücklicher?
Der seinen Freund nicht kennt
oder der seinen Feind nicht erkennt?

Der Mensch weiß nicht, was Haß ist
bis er versteht,
daß der für immer besteht,
nie weg geht.

Nur die Liebe kann den Haß bezwingen
aber nicht in dem, daß sie ihn befreundet.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NACHKLINGEN UND AUSKLINGEN

In jeder Lebensphase
trafen sich unsere Flüsse einmal
jedes Mal fragte ich Dich: jetzt..?
jedes Mal, Du: … noch nicht.
Die Flüsse gingen aneinander vorbei.

Ein Narr sei es,
wurde mir einst gesagt, der
jedes Mal dieselbe Frage stellt
jedes Mal eine andere Antwort erwartet –
Ich weiß es gut, ich bin ein Narr.

Doch das Leben hört mit 40 auf –
40 Leben? Lebensphasen? Jahren?
40 Gedanken? 40 Lieben?
Irgendwann fließt die Frage nicht mehr
und die Antwort wird überflüssig.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DU BIST MEINE SONNE

Die Erde ist echt schräg
liegt mal Kopf mal Fuß zur Sonne
und hört nicht immer zu

Es liegt in meiner Natur
nie ganz bei Dir zu sein
Ein Teil von mir bleibt Dir immer fern

Aber damit Du weißt
daß ich Dir immer noch gehöre
liegt das andere Ich Dir um so näher.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AUF SEINEM RÜCKEN

Mir fehlt Schwimmbad
Blau. Der Geruch vom Chlorwasser.
Mir fehlt Kindheit. Kindlichkeit.

Mein Vater schwamm seine Bahnen,
Brust, trug auf seinem Rücken
mal mich, mal meinen Bruder, mal
meine Schwester, obwohl sie Angst hatte.

Mir fehlt das laute Geschrei, das
Lachen und das kindliche Bitten:
Bitte, Daddy, noch einmal.

Ich bin froh, daß er lebte
daß er mich auf die Welt brachte
daß er schwimmen konnte
und daß er mich auf seinem Rücken trug.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MEINE SONNEN

Gute Nacht Papa
rief mit heller Stimme
eine meiner zwei Sonnen
Bauch voller Lachen
Lachen voller Hoffnung
Hoffnung voller Morgen

Morgen voller Sonnen
Ich freue mich schon auf die zweite
sie guckt noch fern
und ist mir so nah
Freude voller Übermorgen
meine Sonnen, sie gehen nie unter.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WECHSELBEZIEHUNGEN

Durch meine Kinder wurde ich als Deutscher neu geboren
Meine Kinder sind als Deutsche meine Eltern

Meine Gedichte sind als Denker meine Lehrer
Meine Freunde sind als Menschen meine Familie

Meine Tage sind als Lebenszeit meine Nächte
Und meine Nächte sind hell, weil ich endlich wach bin.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung