DES LEBENS GEDICHT

Alles, aber auch nur alles
Alles, was Du Dir nur vorstellen kannst –
Alles, aber wirklich alles
Alles, was Du weißt und denkst und ahnst
Und denkst, daß Du kannst,
Unscheinbares und Monumentales
Alles, was Dir je einfallen könnte,
In tausend Jahren noch einfallen wird,
Auf Deinen Wissensberg sich noch thrönte,
Mit neuen Erkenntnissen Dich krönte,
Alles, was Dir Weisheit beschert
Und Dich Neues immer wieder aufs Neue belehrt,
Alles, was Du Dir gönntest und mehr
Alles, was Du einst hattest und findest aber nimmermehr
Jede Grenze, jeder Gipfel, jeder Endpunkt
Jeder Traum, der schimmert und prunkt
Und näher rückt, ewig näher und näher,
Jede ewige Idee, die noch funkt,
Alles Streben und alles Erreichen
Und alles Ankommen und weiter hoffen –
Entrungenes aller ent-inkarnierten Leichen
Und deren Zeiten, einst; alle Möglichkeiten noch offen,
Alles kann und wird übertroffen.

Der Du heute bist
Wirst Du nimmer wieder werden
Auf dieser reisenden Erden –
Kurz ist die große Frist
Denn es gibt immer Höheres im Lebensgetriebe
Übertroffen wird alles, nur eines nicht
Und das ist die einfache wahre Liebe,
Des Lebens ewiges Gedicht.

– Che Chidi Chukwumerije.

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DIE LICHTSEHNSUCHT

Der Erdenkörper ist ein Betäubungsmittel
Wir sind blind und taub
Und zum Teil auch gelähmt

Das weitaus größere Teil von dem
Was es wahrzunehmen gibt
Bemerken wir nicht

Wir sehen es nicht, hören es nicht, fühlen es nicht
Wohl weil wir fleischlich eingemummt sind

Allein die Lichtsehnsucht kann uns befreien
Von aller Stofflichkeit.

– Che Chidi Chukwumerije.

INNERLICH WEITER LEBEN

Erst kamen die Blumen
Lächelnde Glocken, spielende Kinder
Mädchen blühen auf
Jungen gehen die Augen auf
Das hier, ist das das Leben?

Dann kam eine stürmische Nacht
Wild tobte es hinter Fenstern
Träumend schwebte es in auftauenden Herzen
Ein gebrochenes Herz sinnt vor sich hin
Das hier, ist das das Lieben?

Dann thronte sich die Sonne, krönte sich der Verstand
Stählerne Augen
Stein entwachsen keine Blumen
Ruhiger Erwachsene, sicher, verschlossen
Das hier, das Leiden!

Enttäuschung – Verstand trifft Empfindung
Nachdenken – Langsam, wie der Abend
Fallen die Nachwirkungen der Schicksalsschläge
Irgendwann fällt mal Wahrheit auf
Das da, das war das Lernen…

Zuletzt nimmt zu der Mond, nicht ab…
Ferne Fragen funkeln wie rufende Geheimnisse, schwache Erinnerungen
Vorstufe einer Rückkehr, sehnende Wiederkehr zu Dir
Nimmt jetzt die Runde wieder ab?
Wie geht es weiter? Immer weiter.

– Che Chidi Chukwumerije.

DEKO

Der Fluß
Der anspruchsvolle Baum
Erinnerung oder Ahnung
Gefangen im Büro, ein Aussteiger
Das Fenster. Autos wie Ameisen
Hinter einander vorbei kriechend
Wo ist der Schmetterling?
1000 Emails, Inhalt ohne Inhalt, die innere Stimme schweigt
Corporate-Tier, Meister des Dschungels
Des Sich Verstellens
Nimm hin Deinen Lohn
Im Club heute Nacht,1000 Watt Dunkel, im Bett
Wird gelacht und geweint und ein Stück tiefer
Und oberflächlicher geworden
Wo ist der Schmetterling?

Ich mag es
Wenn Du mich in Deine Arme nimmst
Und mir alles gibst – ich taue auf
Ein weiches Buch, Du liest in meiner Seele
Meine inhaltsreichen Empfindungen
Dort, tief in meiner Seele
Blüht ein Garten… Licht grün bunt
Lächelnd spielend ein Schmetterling
War das ein Traum?
Heute gestalte ich mein Büro um
Neben dem Monitor, ganz klein, für Euch nur Deko
Ein Schmetterling
Mir Verankerungspunkt äußerlich
Meines Innengartens. Besinne Dich
Deines Schmetterlings –

– Che Chidi Chukwumerije.

VORBEI

Vorbei ist
Der letzte Augenblick
Vorbei ist
Noch nicht mein Geschick
Vorbei ist
Jede halbherzige Freundschaft
Vorbei ist
Noch nicht unsere Bekanntschaft

Dafür ist unser Bekanntschaftsgrad viel zu hoch
Tief sind wir zusammen gefangen in einem Loch

Vorbei ist
Der mich bisher führende Traum
Vorbei ist
Noch nicht sein gezeugter Baum
Vorbei ist
Der Regen samt allem Getümmel
Vorbei ist
Noch nicht der erzeugende Wolkenhimmel

Alles hat ein Ende, aber manchmal eben zwei
Denn Zu Ende heißt nicht immer gleich Vorbei

Vorbei ist
Noch nichts, dessen Anfang noch besteht
Vorbei ist
Noch nichts, dessen Ausgang noch aussteht
Vorbei ist,
Was seinen Kreis geschlossen hat
Vorbei ist
Was geschlossen wurde mit einer guten Tat.

– Che Chidi Chukwumerije.

WENN MITTEN AUF EINEM WEITEN FELD

Wenn mitten auf einem weiten Feld
Einsam ein Baum steht
Bleibt der Blick einen Augenblick lang
Auf ihn hängen in Ruhe
Denn kurz gleicht er unserer Seele
Darin verloren der Geist während
Im Kopfkino auf der Autobahn unbeherrschte Gedanken
Vorbei rasen – Aber bald verschwindet
Die Lichtung samt Feld und Baum
Schnell vergessen im Rückspiegel, das nächste Lied
Ertönt aus der CD; Bild folgt auf Bild;
Der Navi steuert dem ihm vorgegebenen Ziele stur zu.

– che chidi chukwumerije.

HEUTE MORGEN

Heute morgen
Frucht meiner Sorgen
Bewegung ohne Worte beschrieben
Die jene Innenorte einst umschrieben
Wohnort meiner wahrsten Freude
Winkendes Gebäude.

Immer wieder lösen sich die Wolken, die Wellen
Die sich in mir zusammenballen, schwellen
Der Regen hält inne, dieser schwüle
Regen meiner Gedanken und Gefühle
Eine Sonne erhellt kurz diese Nacht
Ich sehe einen Lichtstrahl, der sinnend lacht.

Manchmal wirkt es wie eine Erinnerung
Manchmal wie eine erste Begegnung
Manchmal wie eine nie gebrochene Verbindung
Ich erlebe wieder das Land von Heute
Wohnort meiner wahrsten Freude
Winkendes Gebäude.

– che chidi chukwumerije.

GRALS-GEHEIMNIS

Das Wort steigt empor
Übersteigt die Grenze aller Wortspielerei
Eine neue Erneuerung, wir stehen ihr bevor
Und wieder tiefste Anbetung; bei manchen, Träumerei

Die Welt nun voll von Herzen
Die sich sehnen, einfach nur sehnen
Die Welt voll auch von Schmerzen
Und salzigen Tränen

Nun warum weinst du, mein Herz?
Spürst du’s nicht, wonach du dich sehnst?
Warum weinst du so, Menschenherz?
Erträgst du’s nicht, wenn du dich ausdehnst?

Das Licht soll in die Erde einbrechen
Aus dem Gefäß bricht’s: Brot, Wasser und Wein
Das Licht soll dann über die Welt brechen
Und dazu sollst du auch ein Mittler sein.

– che chidi chukwumerije.

DURCHZUG

Ich habe oft den Eindruck
Der Zug redet zu mir
Von Station zu Station
Was murmelt er?

Er summt, er grollt
Er gähnt und flüstert
Mahnt und schimpft
Neckt und tröstet

Erzählt von Vergangnem
Erkläret Aktuelles
Ein Prophet ist er auch
Er kündet alles –

Vom Mensch und von Technik
Von Einsamkeit
Gruppenseelen, Einzelgängern
Ungeteiltem Leid

Von Angst und Neugier
Und jeder Art von Menschenwesen
Von Fremdsein und Fremdschämen
Und Fremd- und Fremdes-lesen

Davon, daß die Reise
Ein Ausruhen ist
Von dem, was Du tust
Wenn Du bei Dir bist

Vom Klassenunterschied
Gesellschaftsleben
Alles hat einen Preis
Daneben.

Je mehr ich zu höre
Desto weniger versteh ich
Im Kopf
Doch seelisch, geistig

Wachse ich
Auf Erden leben ist nur Dichtung
Ausstieg, ob links ob rechts
In Fahrtrichtung.

– che chidi chukwumerije.