DIE GLOCKEN KOMMEN

Wer genau hinschaut
sieht sie bereits am Ende der Reise
und unter der Haut
fühlst Du die Glocken klingen leise.

Irgendwo in Deinem Geist
wird wach eine uralte Erinnerung –
Wer weiß noch, was das heißt,
diese eigentümliche Empfindung?

Aber nur wer sich müht
innerlich leise zu werden und nachdenklich
erspürt jetzt schon verfrüht
den wahren Weihnachtsgeist tief und ehrlich.

Alle anderen sehen lediglich
das Anbahnen der äußeren Erscheinungsform
einer irdischen Festzeit wie üblich –
laute Leere ist leider geworden zur Norm.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

KOMMUNIKATIVES SCHWEIGEN

Ich höre Schweigen
wie ich Ton höre;
Ich höre das Nichts,
ich höre Lautlosigkeit
als wären sie Chöre;
Alles hat etwas, zu sagen,
nicht mal das Schweigen
schweigt wirklich, ich schwöre.
Deshalb beruhigen manchmal
meine Worte und andermal,
wenn ich schweige, denkst Du,
ich störe.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HINEIN HORCHEN

Wenn niemand mit mir redet,
redet meine Innere Stimme mit mir.
Wenn Dein Herz leise und Dein Kopf laut ist,
schweigt die Innere Stimme in Dir
nicht, aber Du hörst sie vielleicht nicht mehr.

Ein bisschen Schweigen ab und an,
Deiner Lebensqualität wohlgetan;
klarer wirst Du, einfach, glücklich, hehr.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER WACHE GEIST ALS RETTER

Wenn der Menschheit Verstand
gänzlich überholt und übertroffen wurde
durch die eigene künstliche Intelligenz,
bleibt nur der Geist übrig als unüberwindbare Hürde.

Der lebendige Geist wird führen,
Der schlafende Geist lässt sich verführen.
Und Du? Was wirst Du machen?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ZU HAUS

Mit Herz und Hand
Geist führt und Verstand
führt aus.
So fühle ich mich zu Haus.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DEINE EMPFINDUNG

Du hörst auf so viel da draußen –
Wieso hörst Du nicht auch
auf Deine eigene innere Stimme
hier drinnen tief im Bauch?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DAS INNERE

Ich gehe in die Innenwelt hinein
und sie fühlt sich an wie meine Außenwelt;

Ich gehe in die Außenwelt hinaus
und verschanze mich dort in meiner Innenwelt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DU BIST

Ich vertraue Dir
O Herr
In einer Zeit
Wo es nicht mehr
Populär ist
Sich zu Dir zu bekennen
Dich zu suchen
Oder anzuerkennen.

Aber Du bist
Und Du bist anders
Als sie begreifen
Grundanders und besonders.
Denn Du bist
Das was grundsätzlich ist
Für immer und immer
Auch wenn der Mensch das vergisst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FREMDES ENTFREMDEN

Ich nag es
fremde Menschen
und fremde Kulturen
mir vertraut zu machen

Grenzen zu überschreiten
mit einem Lächeln
und mit einem Tanz
Wände zu durchbrechen

Grenzen, die seit
dem Anfang der Menschheit bestehen
Wände, die seit
dem Anfang der Zivilisation starr stehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VERTRAUTES SCHWEIGEN

Schweigen
Ist so laut
Warum ist es
Mir so vertraut?
Als kannten wir uns
Damals schon
Lange bevor der Mensch
Wort oder Ton
Zum ersten Mal
hervorbrachte
Und das Herz allein schlug
Wild doch sachte.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung