FREMDES ENTFREMDEN

Ich nag es
fremde Menschen
und fremde Kulturen
mir vertraut zu machen

Grenzen zu überschreiten
mit einem Lächeln
und mit einem Tanz
Wände zu durchbrechen

Grenzen, die seit
dem Anfang der Menschheit bestehen
Wände, die seit
dem Anfang der Zivilisation starr stehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VERTRAUTES SCHWEIGEN

Schweigen
Ist so laut
Warum ist es
Mir so vertraut?
Als kannten wir uns
Damals schon
Lange bevor der Mensch
Wort oder Ton
Zum ersten Mal
hervorbrachte
Und das Herz allein schlug
Wild doch sachte.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GEDANKENGÄNGE

Ich war ein Wanderer
auf einem Gedankenfeld –
Ich war ein anderer
Mensch, Bösewicht und Held.

Mehrmals traf ich Dich
Manchmal liebte ich Dich
Manchmal ignorierte ich Dich
Und manchmal tötete ich Dich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SCHWEIGEN SPRICHT

Sieben Menschen schwiegen gezielt
in meiner Nähe und ich schwöre
jeder hat etwas ganz anderes mir erzählt
mit seinem Schweigen. Ich höre
nicht hell aber ich höre mit meiner Empfindung
die innere Stimme der Herzen Chöre
und fange sie täglich mit meiner Dichtung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BLUMENBRIEF

Die Blume war plötzlich da
Sie war Dein Nein und Dein Ja
Sie war Dein Liebesbrief
Zart und stark, kitschig und tief.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

LEBEN WIE

Geben oder nehmen
Lernen und dankbar sein
Oder sich ärgern und sich schämen
Leben oder Schein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ÜBERTRETUNGEN

Meine Gedanken
überholen meine Schritte
überqueren die Straßenseite
von Ordnung, Moral, Sitte
während ich ruhig weiterlaufe.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ZWISCHEN UNS

Unter uns
Zwischen uns
Über uns
Neben uns
Vor uns
Nach uns
Hinter uns
Um uns
Wegen uns
Trotz uns
In uns
Auf uns
lastet der Druck des Unwissens
und des Wissens des Unwissens
der Ursache der Distanz
in der Nähe ohne Distanz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AHNEN

Ich dachte ich denke
Aber ich dachte nicht
Ich ahnte ohne Bedenken
Und erlangte Einsicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ZEIT JETZT

Zeit ist für mich
wie ein schmaler Pfad
auf eines Messers Schneide
mit nur der Ernsthaftigkeit mir zum Geleite.

Keine Zeit für mehr Zeit
Keine Zeit für weniger Zeit
Keine Zeit zum Reisen
Keine Zeit zum Bleiben
Keine Zeit zum Leben
Keine Zeit zum Sterben
Keine Zeit für nichts
Keine Zeit für alles

Zeit gibt es nur für jetzt
Hier und jetzt
Unversetzt
Ungehetzt
Geschätzt
Verschätzt
Zu allererst und zu allerletzt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung