DAS VERTRAUTE WIR

Das vertraute Wir
kam plötzlich aus dem Nichts
Die Botschaft jedes Gesichts:
Wir sind hier
und unser Wir ist auch Hier.

Aus Schmerz wird Stärke
Aus Schwäche wird Zusammenschluss
Aus Spaltung eine neue Zusammensetzung
Aus Vielfalt eine neue Nation
aus alten Tugenden und neuem Mut!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ZEITGEISTER

M: Wir reden übermorgen

H: Was wollen wir über morgen reden? Laß uns doch lieber über heute reden?

G: Ne, laß uns über gestern reden. Dann wissen wir Bescheid über heute und morgen. Denn vor gestern gab es keine Geschichte. Alles fing immer gestern an.

M: Alles gut. Doch laß uns das erst übermorgen machen. Denn heute will ich erst über morgen reden.

H: … und morgen erst über heute?

M: Ja!

G: Aber das wäre dann gestern… endlich!

H (*kopfschüttelnd): Was soll ich täglich mit diesen Selbstgesprächen? Gestern und Morgen gibt es nicht. Eines gab es, eines wird es geben. Täglich. Heute bin ich ein Einzelkind. Wie immer.

SCHWEIGEN.

Che Chidi Chukwumerije (08.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HEUTE VERÄNDERN

Es gibt nie wirklich einen Morgen
Das Leben verändert sich immer
Denk an all Deine Träume von Morgen
Von ihnen hat keinen blassen Schimmer
Heute – Gestern‘s wahrer Morgen.

Die Art und Weise, wie sich Heute wiederholt
immer wieder im Kern und immer wieder
raubt mir den Atem wiederholt. Wieder erholt
hole ich wieder aus, stimme Morgens Lieder
doch Morgen hat mich Heute wieder eingeholt.

Morgen kannst Du nie aufholen
denn Heute läßt sich nie überholen

nur verändern.

Che Chidi Chukwumerije (04.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

CHANGING

That feeling
That it is the end of an era
And your life is about to change
Every song you play
Is like a lullaby of life’s evening
With morning on the mountain-range
Once distant
Now descending like dawn‘s mist
The way it will constantly re-arrange
It‘s shape before you
And around you and within you
And make you feel new, open and strange.

– Che Chidi Chukwumerije

LIEBE UND LASSE DEN MOMENT

Gestern, wie unsichrer Boden,
wurde mir so schnell unter den Füßen
weggezogen. Das Leben gestattete
es mir nicht einmal, mein eigenes Gedicht
zweimal zu lesen und so war’s gewesen
Als wär’s nie gewesen. Das nächste steht
verschwindend schon vor der Tür.

Wen ich heute liebe, liebe mich heute zurück.
Morgen reimt nichts mehr mit gestrigem Glück.

Che Chidi Chukwumerije (24.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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DIE SUCHE NACH DER ENDGÜLTIGKEIT

Jedem neuen Partner
verriet sie alle Geheimnisse
aller vorherigen, selbst die,
die sie versprochen hatte, niemals
zu verraten.

Jedem neuen Partner
war der letzte, hier würde sie
sicher mit allen ihren Geheimnissen
geborgen für immer wohnen.

Jedem neuen Partner verriet sie
sich, ganz, und hoffnungsvoll
und dankbar und endgültig.

Jedem neuen. Immer und immer
wieder ließ sie sich fallen.

Ergab und vergab sich ganz.

Doch das Leben wie eine Blume
Wechselt sein Kleid Blatt um Blatt
Ist mit Wechseln nimmer satt
Wechselt seinen Eid Blatt um Blatt
Und betrachtet das nicht als Verrat.

Che Chidi Chukwumerije (21.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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ODEM

Als ich im Dunkeln
Dem Atmen meines Sohnes lauschte
Dachte ich an meinen Vater
Der nachts gerne wach lag
Vielleicht saß er auch so neben mir
Und lauschte
Und ich denke an meinen Sohn
Und frage mich, ob er eines Tages
Auch genau so sitzen wird
Dem Atmen seines Kindes in der Nacht
Lauschend und sich dabei wundernd
Ob sein Vater einst auch seinem Atmen
Lauschte in der Nacht.

Che Chidi Chukwumerije (15.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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AUS GUTEM HAUSE

Du bist schwarz und sie ist weiß
Sie liebte Dich im streng Geheimen
Neugierig, glücklich, süchtig, heiß
Mit viel Lachen und viel Weinen

Du bist schwarz und sie ist weiß
Jetzt ist sie wohl verheiratet
Ihr ist‘s wichtig, daß er nie weiß
Du warst (bist?) in ihr tief beheimatet

Du bist schwarz und sie ist weiß
Hat jetzt hochpolitische Ambitionen
Es käme nicht gut an in ihrem Kreis
Alte Passionen sind neue Sensationen

Du bist schwarz und sie ist weiß
Erinnerungen sind alles, was Du noch hast
Nichts anderes bleibt zurück als Beweis
Wenn Vergangenheit nicht zur Zukunft passt.

Che Chidi Chukwumerije (13.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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DIE RÜCKKEHR INS PARADIES

Er kehrte nicht mehr zurück
Nicht weil
Er den Weg ins Glück
Suchte und nicht mehr fand
Sondern weil
Er an nichts mehr über das Land
Des Glücks sich erinnerte.

Er glaubte nicht mehr daran
Weil
Ohne Ziel kein Reiseplan.
Ohne Sehnsucht keine Erinnerung
Weil
Ohne Sehnsucht keine Aufdämmerung
Dessen, was schlummerte.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

KURZ VOR ENDE

Es war Weihnachten
Wir liebten uns und lachten
Über uns und dachten
Unter uns, was wir machten
Zwischen uns und vollbrachten
War die hohe Kunst
Des Liebens und Lebens

Vergebens.
Es war Weihnachten
Es vertiefte uns, während wir lachten.
Veränderte uns mehr als wir dachten.
Alles, was wir im Endeffekt machten:
Naiv und ahnungslos verbrachten
Wir die letzte Nacht unseres Liebeslebens.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung