40 ALS GRENZE

Wann wirst Du endlich erwachsen?
Mit 14? 16? 18? 21?
Ab 30 ist die Frist fast abgelaufen
Denn das Leben endet mit 40

Willst Du jenseits 40 überleben
Musst Du tapfer neugeboren werden
Sonst ist der Rest Deines Lebens,
Ob lang oder kurz, nur ein Sterben.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

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KALEIDOSKOP MENSCH

Raum nach oben
Traum Bach unter
Kaum wach, törkelnd

Taumelnd, Politik
Baumeld, wild, Kritik
Von sich abgewiesen

Ausgewiesen
Sich ausgewiesen
In sich angekommen

Unter sich bleiben
Für sich ganz richtig
Harmonie bedürftig

Doch Grenzen fallen
Zwischen sich und sich
Was ist das, ein “Ich”?

Eingebürgert
Eingeschüchtert
Allerseits

Viele sind verunsichert
Nur die Mutigen
Lassen sich ändern

Denn sie wissen
Am Ende bleibt jeder
Trotzdem sich selbst.

– Che Chidi Chukwumerije

TUGENDEN

Wo ist Gott?
Und ich suchte in Häusern und fand ihn nicht
Und die Natur sprach von ihm, doch ich verstand sie nicht

Was ist Gott?
Und ich suchte in Religion und fand nicht alles
Und Philosophen sangen von ihm und verfehlten vieles

Wie ist Gott?
Und ich suchte in Gesellschaftsregeln, errang keinen Durchblick
Und Schöpfungsgesetze übertrafen meinen Überblick

Doch dann kamen die Tugenden
Und sie kündeten und künden:
Wir sind seine Eigenschaften
Kannst Du damit was anfangen?
Die Trägheit sucht in der Ferne
Doch die eigentliche Arbeit ist an Dir selbst –
Wenn Du ihn begreifen willst,
Strebe einfach nach Seinen Eigenschaften –
Das ist weitaus schwieriger
Als theatralisch philosophisch überall zu suchen –
Aber nur so findest Du die Verbindung
Zu Ihm.

– Che Chidi Chukwumerije.

TAG UND NACHT

Mein Herz hat
Zwei Seiten – selbst ich
Muß manchmal überlegen
Wer jetzt will: Ich oder Ich

Denn was sie wollen
Unterscheiden sich wie Tag und Nacht
Ich mach’s wie die Natur
Einer schläft ein, wenn der andere erwacht

Abwechslung
Umwandlung
Manche lesen zwei Seiten
Manche ein Herz.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

TRÄGHEIT

Die Schneeflocke, ist sie
träge oder leicht?
Ich trage Dinge in mir
so schwer, ich denke: Es reicht!

Die leeren Dinge wiegen
schwer auf meiner Tragfläche
Die tiefen Dinge liegen
ungern auf meiner Oberfläche

Nein ich sehe mich nicht
Denn ich kritisiere gerade Dein Gesicht
Mein Kopf ist zu schwer – war das meine Absicht?
Ich kann meinen Blick nicht heben, zur Einsicht
Die Trägheit, in der Tat, ist geistig.

Ich muß mich selbst vom Boden aufheben
und tragen mit eigenem Wollen
Diese Trägheit täglich neu überwinden
ist das Höchste, was wir tun sollen

Gefährlicher als das Dunkel in anderen
ist das Dunkel in mir selber
Schwieriger als andere zu besiegen
Ist das Bezwingen meiner eigenen Fehler.

– Che Chidi Chukwumerije

—-

Das Jahr der deutschen Dichtung

ÄLTER WERDEN

Falten machen Menschen schöner
All die Jahren machen Menschen Menschen
Ein Lächeln vertieft sich und
Eine Falte ergibt sich und fängt das Lächeln auf –
Schmerz hat sie erschaffen
Aber sie wird Dein schönstes tiefstes Lächeln einbetten

Einrahmen wie ein Meisterstück
Die Linien führen Dich langsam zu ihm zurück,
Entfaltend wie ein Nachtfalter
Er bleibt immer jung, Alter:
Dein Traum von Glück.

– Che Chidi Chukwumerije

2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
Ganz nebenbei, falls es jemanden interessiert oder einer sich fragt, was ich da so tue: Ich werde dieses Jahr täglich auf Deutsch dichten und auch posten in meinem Blog http://www.chechidi.me und auf Facebook und an anderen Stellen vielleicht auch. Wer will, darf gerne kommentieren, bewerten, sogar Wünsche äußern. Der Grund, warum ich das tue, ist ganz einfach. Es fließt gerade.

ZWEI WEGE

Als wäre ich zwei Menschen
Stehe ich mir selbst im Wege
Und wir halten nicht Händchen

Überlege, Che, überlege
Warum stehst Du wieder am Anfang
Der Kreuzung der selben zwei Wege?

Getrieben von einem alten Hang
Geht man keine neuen Wege
Es sei, man entzieht sich seinem Zwang

Leistet der anderen Stimme Gefolge
Wer Neues will, der werde rege
Verzichtet auf die alten unbefriedigenden Erfolge
Und probiert endlich der ersten der zwei Wege.

– Che Chidi Chukwumerije.

FEHLER

Ich wiederhole Fehler
Wie eine kaputte Schallplatte
Habe heute die selbe gelochte Socke an
Die ich gestern schon an hatte
Ich wurde zum vierten verdammten Mal
An der selben Stelle geblitzt
Und komme jeden zweiten Morgen an
Bei der Arbeit verschwitzt

Ich vergesse die gleichen Namen
Der gleichen Menschen ständig
War oft auf selber Weise unanständig
Trotz Gebet und Amen
Meine Neujahrsvorsätze sind nur Parolen
Ich werde sie wieder brechen
Und Gewissensbisse werden erneut stechen –
Nur DICH werde ich nicht wiederholen.

– Che Chidi Chukwumerije

NEU JA

Denn ich habe
Im Dunkel Licht gesucht
Und habe gefunden
Lichtsehnsucht

Denn ich habe
In der Weite Nähe erforscht
Doch je intimer sie wurde
Desto größer mein Durst

Denn ich hab’ begriffen
Das Alte ist hartnäckig
Wenn die Silvesterglocken verstummen
Wiederholt das alte Jahr sich

Es muß alles neu werden
Aber wie wird das erreicht
Wenn der Verursacher, Mensch,
Unverändert bleibt?

Es muß alles neu werden
Neu ja neu
Gottesname nicht mißbrauchend
Doch seinem Gesetz treu

Ja zur Empfindung
Und ihren leisen Hinweisen
Ja zu guten Absichten
Gültig auch ohne Beweise

Ja zu dem Mut
Den wilden Sprung zu wagen
Aus altem Trott und Schrott
Ins Neue Lebenstage.

– Che Chidi Chukwumerije.