MACHT DER MUSIK

Wenn ich traurig bin
macht mich Musik glücklich;

Wenn ich glücklich bin
macht mich Musik traurig.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WIEDERBELEBUNG

Neue Seiten von mir
Kommen wieder zum Leben.

Wieder. Denn sie waren eben
In alten Zeiten bereits hier.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EIN VÖLLIG NORMALER TAG

Ein Tag genügt
um ein Leben zu durchleben
Alles - Liebe und Hass
tauschen, nehmen und geben

Wachsen oder zurückfallen,
verstehen oder vergessen,
stecken bleiben oder weitergehen -
und unterdessen

einen völlig normalen Tag
äußerlich leben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EIN TAG

Ein emotionaler Tag
Ein ruhiger Tag
Ein inniger Tag
Ein schmerzhafter Tag
Ein schöner Tag
Alles zusammen
Genau so wie ich es mag
Ein seelenbereichernder Tag.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

LOS LASSEN

Die Veränderungen kommen manchmal so schnell.
Es ist atemberaubend, wie hell
ein verdunkeltes Herz plötzlich werden kann.
Wenn es loslässt, schreitet es voran.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WEITER GEHEN

Schwamm drüber
Red nicht mehr drüber
Drauf und drüber

Manches muss man nicht verstehen
Einfach sich wegdrehen
Und weitergehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NUR IN ANDEREN MENSCHEN

Du kannst über Häuser und Länder und Menschen fliegen
aber bis Du noch nicht in ein Menschenherz hineingeflogen bist
und dort gelandet, hast Du noch nichts von der Welt gesehen,
weil nur im Menschenherz der Dir ergänzende Geist ist.

Der Geist, der Dir weh tun wird und von Dir vieles fordern wird,
der Dich zwingen wird, zu wachsen und neu zu werden.
Und die Menschen, die so andersartig von Dir sind,
daß sie Dich fördern werden, findest Du nur hier auf Erden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

REINKARNIERENDE ÄGYPTER

Die Menschen hier sind mir ähnlich
Als waren wir einst zusammen in einem Herz
Bevor die Haut uns trennten
Und fremde Sprachen. Und Fluss und Schmerz.

Wie viele Leben leben wir
Bevor wir anfangen, wirklich zu leben?
Wie viele Tode sterben wir
Bevor wir uns dem Gotteswillen geben
Und uns gegenseitig vergeben
Oder für immer aufhören zu leben?

Wie tief muss eine Wunde sein
Bevor sie geheilt werden kann?
Wie tief müssen wir verbunden sein
Bevor jeder dem anderen vergeben kann?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NACHGEBEN

Der Winter kann irgendwann nicht mehr
Hart sein. Er gibt nach, wird mild.
Das Herz kann irgendwann nicht mehr
Kalt sein. Es gibt nach, wird warm.
Die Frau kann irgendwann nicht mehr
Zahm sein. Sie gibt nach, wird wild.
Der Stolz kann irgendwann nicht mehr
Reich sein. Er gibt nach, wird arm.

Alles gibt irgendwann nach,
Das Vorherrschende wird schwach,
Das Schlummernde wird wach,
Das Schwierige wird einfach,
Und Du darfst Dich neu erfinden,
Dich trennen und neu verbinden,
Zugleich erscheinen als auch verschwinden,
Und Dich selbst überwinden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SCHÖNERES

Am Ende des Tages
kommt etwas viel Schöneres
Die Nacht

Am Ende der Nacht
kommt etwas viel Schöneres
Der Tag

Und es gibt kein Ende
zum Enden und neu Beginnen
als neuer Mensch.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung