TIEFER TAUCHEN

Lass uns tiefer tauchen
als nur knapp unter die Oberfläche –
Let‘s go deeper. Wir brauchen
Mehr als harte oder emotionale Gespräche,
wir brauchen Handlungen,
keine höflichen Verhandlungen,
Dein Leben sagt Deine Wahrheit –
Mein Leben gibt Dir Klarheit –
Also lass uns mit unseren Taten tiefer tauchen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VERZEIHUNG

Verzeihung.
Ich Dir.
Du mir.
Wir uns.
Empfindung
des Tuns.
Verzeihung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

TAG UND NACHT

Mein Herz ist meine Nacht
Mein Kopf ist mein Tag
Ich träume von Dir in der Nacht
Und vergesse Dich am Tag
Denn mein Kopf ist voll mit Überleben
Mit Ablenkung, mit Kampf, mit Streben
Mit dem Versuch Dich zu vergessen - vergebens.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ZWEI GESPRÄCHE

Zwei Gespräche
laufen nebeneinander
auf dem Weg zu Dir

Das eine spricht über Dich
Das andere ignoriert Dich
Beide reden mit mir

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GEGENSEITIG GEBEN

Wir sind alle Menschen -
Sind wir das?
Wo bleibt das Menschliche?
Es ist krass.

Gib mir Dich
Ich geb Dir mich
Voll umfänglich
Tief und menschlich.

Das Wesentliche
Das Eigentliche
Das Kindliche
Das Menschliche.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GESELLSCHAFT

Wir leben nebeneinander
Sehen einander
Unscharf
Reden miteinander
Kaum
Verstehen einander
Nicht.

Wir leben nebeneinander
Manchmal füreinander
Aber niemals miteinander.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VERSTUMMEN

Vertrauen
Eine Blume
Ist sie einst gestorben…
Verstummen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EMPFINDEN

Ich höre so viele Gedanken
Ohne daß irgendwas gesagt wurde;
Ich überspringe und umfahre
Manch eine unsichtbare Hürde,
Als ob ich sie dunkel ahnen würde.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BEWEGUNGSRAUM

Ich höre Autos
Aber sie hören mich nicht

Die Nachbarn sehen mich
Aber ich sehe sie nicht

Ich verstehe die Gesellschaft
Aber sie versteht mich nicht

Nicht alles, was Du siehst,
Sieht Dich.
Nicht alles, was Dich sieht,
Siehst Du.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

STRASSENMENSCHEN

Sie füllen die Straßen
Aber mit ihnen sind die Straßen leerer
Denn sie gehören nicht in diesen Gassen –
Aus welchen Schmerzen kommen sie hierher?

Gebrochene Herzen?
Verlorene Heimen?
Armut und Sucht und Sehnsucht?
Mit allen tun die Straßen sich reimen.

Mit denen, die sie leerer machen,
Und mit denen, die sie voller machen.
Mit denen, die sie schöner machen,
Und mit denen, die sie hässlicher machen.

Auch die, die nicht auf der Straße gehören,
Gehören auf der Straße.
Für jeden hat sie Platz und Ohren, die hören,
Bis er sie wieder verlasse.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung