WAS MAN HAT, HAT MAN

Nichts erwecket den Neid
Mehr wie glücklich sein
Im Moment, wo wir uns freuen
Startet auch unser Leid

Bist Du die Nacht, Menschenherz
Daß Dir das Licht Weh tut?
Glücklicher, sei auf der Hut
Sonst folgt unweigerlich der Schmerz –

Wie ein Klischee bestätigt
Es sich, wiederholt sich ständig
Wie ein billiger Reim elendig
Und dann bist du erledigt.

Erledigt? Wirklich? Nein!
Bist doch Deines Glückes Schmied
Es gibt einen Inneren Fried
Zerstörbar von nur Dir allein.

– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

ADA

Bin müde heute
Ich brauche Leute, die
Mir Kraft geben.
Astrid ringt uns Leben, sie
Hat’s viel schlimmer
Hoffnungsvoll immer; wie
Könnte ich nur helfen?
Welche Naturgesetze gelten? Nie
Vergessen dürfen wir das Eine
Was uns alle vereine
Uns nie alleine läßt
Daran halten wir fest:
Das gemeinsame Streben
Nach dem Leben.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
<a href="http://“>Help Astrid

ANTEILNAHME

Straßengesetzbuch
Artikel 1 – scheint zu sein
Jeder kümmert sich um sein eigenes Gesetz
Bis auf die Einsamkeit uns scheidet
Oder die Attacke, Diskriminierung oder Belästigung
Vor der wir alle den Kopf so weit wegdrehen
Es bricht uns das Genick
Keiner hat Nichts gesehen, Digga

Artikel 2 – oder Ihr bündelt Euch zum Pöbel
Und läßt der Gruppenzwang Euch leiten,
Euch schützen
… vor Artikel 3 und allen weiteren.

Doch es gibt wie immer das wichtigste
Und alle wissen es:
Es sind die Nichthabenden, die aus dem Wenig spenden,
Was sie haben,
Weil sie Verständnis haben –
Die Vielhabenden schauen weg.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

AM LOKALBAHNHOF

Straßenlieder
Er pennt nicht, er schläft
Neben dem Fahrkartenautomat
Seine sind Augen eines Denkers
Aber er schaut nicht zurück
Nein, die sind Augen eines Nachdenkers
Die blicken nur zurück, nicht mehr
Nach Vorn.

Wie schützt er die Matratze, wenn es regnet?
Er wohnt hier schon seit Monaten –
Wann kauft auch er sich eine neue Fahrkarte
Und steigt wieder ein?

Che Chidi Chukwumerije.

2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

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AN DER OBERFLÄCHE

Ich saß heute und dachte lange nach
Oberflächlichkeit hält mich nachts wach
Sie denken alle, es wäre ein Spiel
Doch wie kann man Weg vom Ziel
Trennen? Wenn Nomen Omen
Ist, und Du stets angekommen
Bist, weil Deine Art Dein Ende
Ist, hohle Seele und wenn Du behende
Bist: Kannst Du Deiner Leere
Entrinnen? Wahre Schönheit umgibt uns
Kostenlos, begegnet uns bei Lassen und Tun;
Und die schönsten Dinge werden tatsächlich
Links liegen gelassen, übersehen, tagtäglich.

Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

NEUGEBOREN IST NICHT IMMER NEU

Neubau. Eine neue Siedlung
Sie ziehen ein mit altem Gepäck

Autobahn, frisch geteert
Die selben Huper – Weg! Weg!

Jede Geburt ist Wiedergeburt
Neuer Sitz, alter Gurt
Du landest trotzdem in Frankfurt

Sanft erzogen und doch nicht scheu
Unerzogen und dennoch treu
Neugeboren ist nicht immer neu.

Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung.

MANNSCHAFT

Ich habe Euch nur kurz gekannt
Habe Euch Freunde genannt
Hab mit Euch keine Zukunft geplant
Es wäre vergebens.

Der Job nimmt uns wieder weg
Was es uns einst geschenkt
Aber der gewonnene Einblick ins Menschenherz –
Der bleibt bestehen.

– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

ICH KOMME ZURÜCK

Der Strand ist ruhig
Das Meer nicht
Aus wessen Sehnsucht
Wurde es geboren?

Die Palmen winken
Dem Sonnenlicht
Zu tief getaucht
Ich bin verloren

Ferne am Horizont
Ohne Aussicht
Auf Liebe oder Land
Hast Du dennoch meine Ohren…

Ich höre Deine Einsamkeit
Die der meinen entspricht
Höre, wie Du den Eid wiederholst
Den wir zusammen geschworen.

Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung.

HOFFENTLICH

Die den Tod anderer beweinten, sind mittlerweile auch fort. Wie meine Tante heulte, als vor vielen Jahren mein Bruder Kwame starb; wie mein Vater litt; wie mein bester Freund Dede mit mir schwieg;… wo sind sie alle heute? Auch fort!

Was geschieht dem Schmerz der Trauernden, wenn sie sterben? Nehmen sie ihn mit oder geben sie ihn an den noch Hier-Weilenden weiter? Ich habe sie alle betrauert, dennoch werde auch ich ihnen eines Tages dorthin folgen, ins Jenseits.

Allein meine Gedichte überlasse ich Euch; mögen die bitte immer stärker sein als jeder Schmerz. Wir treffen uns auf der anderen Seite – hoffentlich irgendwo Schönes – oder diesseits wieder an einem anderen Mal – hoffentlich irgendwann Schönes.

– Che Chidi Chukwumerije.

SIEBZEHN

Ich war sehnsuchtsvoll 17 als nun
Tracy Chapman‘s Crossroads Album
Auf die Welt kam
Und in meiner Platz nahm
Ein Teil von mir wurde
Freund, Bruder, Seelsorger, Muse
Manche sind durch Vampire und Werwölfe
Geprägt, ich durch Tracy‘s Crossroadswörter
Durch sie bin ich siebzehn für immer
Vor mir der Zukunft Schimmer
Irgendwann werde ich erwachsen werden
Aber nicht mehr auf dieser Erden.

– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung