WAS IM HERZEN BEGINNT

Alles fängt damit an
daß ich einen Gedanken zulasse
über etwas oder jemand
das oder den ich liebe oder hasse

Mein Herz ist immer mit dabei
Es liefert die Grundempfindung
Der Moment geht vorbei
aber bestehen bleibt die Verbindung.

Im Wald brennt es weiter…
Egal ob äußerlich trüb oder heiter
Was das Herz empfunden hat
wird zum Gedanke, zum Wort und zur Tat.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MIT DER ZEIT

Das kalte Wasser wird warm in mir
Die schmerzhafte Erinnerung
an die Endphase der Beziehung mit Dir
empfinde ich nun dankbar als Befreiung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SCHMERZ HEUTE NACHT

Schmerz heute Nacht
Ich weiß nicht warum
Je näher ich den Menschen komme
desto mehr entferne ich mich von ihnen
Je mehr ich über die Menschen weiß
desto weniger verstehe ich sie

Ich will so wenig Zeit wie möglich
mit meinen Gedanken verbringen
Denn in meinen Gedanken heimlich
wohnen die schmerzvollsten Dinge.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WEITER, MEHR

Wie viel von Dir musst Du geben
bis Du alles Wesentliche gegeben hast?
Wie lang musst Du leben
bis Dein geistiger Name zu Dir endlich passt?
Wie weit musst Du gehen?
Wie weit musst Du sehen?
Wie gut musst Du das Leben verstehen,
um sagen zu können ich hab’s endlich erfasst!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ICH WEISS NICHT

Der Abend ist jung und alt
Die Frau ist warm und kalt
Voller Sanftheit und Gewalt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HÜLLENDER LÄRM

Der Lärm ist eine Hülle, die ich
anziehe wie einen Ganzkörperanzug.
Er schützt mich vor dem Lärm
Er schützt mich vor sich selbst
Das darauffolgende Schweigen ist genug.

Manchmal ist es so laut
Ich höre den Lärm nicht mehr
Ich höre nur das Schweigen in mir
Ich spüre nur die Stille in mir.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

IN ZWEI WELTEN

Ich lebe in zwei Welten
und sie treffen sich selten –
Das einzig Verbindende
zwischen ihnen am Ende
war mein kurzes Dasein,
häufig einsam und allein,
auf der Erde.
Licht, Licht, Licht, es werde.
Ohne Klage. Ohne Beschwerde.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

LEBEN WIE

Geben oder nehmen
Lernen und dankbar sein
Oder sich ärgern und sich schämen
Leben oder Schein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIE VERLORENEN

Wie Gespenster
Stolpern sie um her herum
Süchtig nach leeren Drogen
Ohne Heilmittel, ohne Gegenserum.

Das Bewusstsein, das einst war,
Die Persönlichkeit, ist verloren –
Im Bahnhofsviertel ist Bewusstsein gestorben,
Im Bahnhofsviertel ist Bewusstsein geboren.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EINMAL

Wir erstellen viele Erinnerungen
Aber die meisten von ihnen
Vergessen wir wieder.

Wir treffen viele Menschen
Doch die meisten von ihnen
Treffen wir nie wieder.

Einmal und nie wieder –
Wann dieses Wochenende
Kommst Du zu mir?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung