ATEMZÜGE

Ich mag es
Deinem Atem zu lauschen
Und während Du neben mir schlafend liegst
An den langen Weg hinter uns zu denken
Der mir so kurz vorkommt
Und an den unbekannten Weg vor uns
Der mir endlos scheint.
Ich mag es, Deinen Atem zu belauschen
Und mich in Gedanken mit Dir auszutauschen
Während Du neben mir schlafend liegst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

AHNUNG

Irgendwo ist es schöner
Dachte ich mir
Als ich über den schönen Friedhof schritt
Ein Grabmal hübscher als der andere
Neugeschmückt täglich fast mit Blumen
Nein, mit Liebe
Ruhe und Frieden überall
Dennoch spürte ich, tief in mir,
Irgendwo ist es schöner. Viel schöner.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZU VIEL WELT

Viel zu viel Welt inhaliert heute
Ich bin abends voller Leere
Wie ein Urwald ohne Bäume
Zu wenige Menschen, zu viele Leute
Äußerliche Träume ohne Innenräume
Und leere leere leere Meere.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

YVONNE

Wir sind zusammen zu einer Reise aufgebrochen
Haben uns vieles und nichts versprochen
Hatten nur Hoffnung im Gepäck
Kein Zuhause, kein Hafen, kein Versteck

Ich wurde blind und wieder sehend
Ich starb und wurde wieder lebend
Du warst die ganze Zeit da
In aller Selbstverständlichkeit, und nah.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHÄLEN

Im siebten Jahr ihrer Beziehung
War es plötzlich Herbst
Die Gedanken änderten ihre Farben
Die Empfindungen wurden tief, herb, ernst
Die Gefühle, sie fielen langsam zu Boden
Wie die müden Blätter zerlesener Oden.

Abgegriffen der einstige Glücksgriff
Ein Ozean ist zu groß für ein Schiff
Nein, ein Ozean ist nicht groß genug
Für die pochende Sehnsucht…
November nahte sich, sie wurden nackt
Suchten zum ersten Mal zueinander Kontakt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEISTER ÜBERALL

Jetzt verstehe ich Geister
Die sind nur Menschen
Gefangen in ihren Emotionen

Sie verstehen genau so wenig wie ich
Vielleicht sogar weniger manchmal
Was los ist

Auch sie haben irgendetwas zu sehr gewollt
Irgendetwas, das weniger war
Als ihr wahres Selbst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE UHR UND DIE ZEIT

Die Uhr läuft runter
Doch die Zeit bleibt still
Wir werden älter und älter
Doch unverändert, unser Wille.

Che Chidi Chukwumerijee
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KEINE BRÜCKE

Zwei sitzen unter einer Brücke
Der eine fühlt sich übergangen
und zurückgelassen
Der andere fühlt sich überdacht
und untergebracht

Und immer wenn ein Wanderer
die Brücke überquert
Lacht hoffnungsvoll der eine erfreut –
Doch der anderer fühlt sich gestört –
Kannst Du raten, welcher wie reagiert?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

CORONA

Wettrennen um Impfstoff und Heilmittel
Bis dann darf die Welt bitte nicht gesunden
Steigend der Geldfieber
Dem Durchbruch entgegen fiebernd
Fieberhaft
Der Gewinner bekommt alles
Der Verlierer darf seinen Mundschutz abnehmen
Wettrennen um Impfstoff und Heilmittel
Bis dann darf keine Normalität einkehren
Auch wenn wir keine Luft mehr kriegen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VERBORGENE LIEDER

Meine Gitarre
Da sitzt Du in Deinem Schweigen
Gehüllt, als trügest Du nicht die tausend Lieder
In Deinem Herzen.

Meine vertrautesten Freunde schweigen mit mir
Denn sie tragen in ihren Herzen
Alle unsere geteilten Erinnerungen
Von Hoffnung, Leid, Freude, Schmerz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung