WENN EINER STIRBT

Ich denke an Dich
Und weiß nicht, wo Du bist
Wie kann das sein?
Einst der wichtigste Mensch in meinem Leben
Einst der engste Verbündete in meinem Streben
Wir haben uns gegenseitig
Alles gegeben und alles vergeben
Doch lag es irgendwo in unserem Weben
Daß wir so früh getrennt sein sollten
Ich bin hier geblieben
Du bist abgeschieden und bist jetzt irgendwo
In der großen weiten Schöpfung
Und ich weiß nicht wo
Du bist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS UNENTBEHRLICHE IN MIR

Gerissen, zwischen mir und mir
Gewissen, Du bist die Stimme von welchem Ich?
Also wende ich mich ab von Dir
Und ich verliere prompt den einen Mich
Seine Stimme warst Du wohl
Denn das andere Ich fühlt sich jetzt hohl
Schreit laut nach meinem wahren Ich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UNRUHIGER FRIEDEN

Alle warten auf irgendeinen Startschuss
Keiner weiß wann oder genau wozu
Angespannt wartend brennen wir ohne Ruh
Schwankend zwischen Genuss und Verdruss.

Irgend ein Krieg kommt immer näher
Alle spüren es, jeder auf seine Weise
Eine innere Stimme mal laut mal leise
Die Sehnsucht nach Frieden, hehr. Sehr.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BEWEISFÜHRUNG UNSERES ENTWICKLUNGSSTANDES

Die Welt ist noch nicht weit genug
Der Weiße ist immer noch überrascht
vom Anblick eines Schwarzen im Weißen Dorf
Der Schwarze ist immer noch überrascht
vom Anblick eines Weißen im Schwarzen Dorf
Geschweige denn, wenn der eine
die Sprache des anderen spricht
und menschliche Eigenschaften auslebt
über die der andere alleinigen Anspruch erhob
Die Welt überrascht noch zu sehr die Welt
Die Welt kennt immer noch nicht die Welt
Die Welt ist noch nicht weit genug
Die Menschenwelt.
Die Frage ist:
Fehlentwicklung? Oder fehlende Entwicklung?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS WOLKENREICH

Che‘s Cloud Kingdom
Da wo sie sich alleine dünkten
Formten für sich die Wolken ein Reich
Mit schneebedeckten Bergen
Und schattigen Tälern
Und Silberseen
Und sonnenspiegelnden Wüsten
Und Dörfern und Städten und Häusern
In denen die Wolkenmenschen
Ihren Wolkentätigkeiten nachgingen…
Und über ihnen strahlte wonnespendend
Eine verklärte Sonne
Und wir flogen so leise vorbei, wie wir konnten
Und ich hoffte, daß wir die Sonnenmenschen
Nicht störten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WARUM

Warum ich an Deutschland glaube?
Weil das Deutsche etwas in mir weckte
Was sich ewig anfühlt.

Warum ich an Deutschland zweifle?
Weil das Deutsche etwas in mir tötete
Was ich für ewig hielt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LEBENSPHASEN

Ich blätterte alte Fotos durch
Sah in jeder Phase meines Lebens
einen Fremden mit meinem Gesicht

Und meine Frage lautet:
Wo war ich mein ganzes Leben lang
während diese Fremden mein Leben lebten?

Nein, die Frage lautet:
Für welchen zukünftigen Fremden
gebe ich mich heute ahnungslos aus?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ÜBERLEBENSTANZ

Das Netz ist ein Sieb
Die Kleinen fallen namenlos durch
Das Netz ist lieb
Es trägt die Großen fest und weich
Das Netz ist ein Dieb
Es wird Dir die Wahl geben:
Dein Geld oder Dein Leben?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DEUTSCHE AUSLÄNDER

Es gibt so viele Menschen
die Deutsch sein wollen –
Nein, sie leben nicht im Ausland

Sie leben in Deutschland
haben den deutschen Paß
und sprechen die deutsche Sprache

Manche wurden in Deutschland geboren
sind in Deutschland zur Schule gegangen
und wollen jetzt sein, was sie sind

Nur eines sind sie aber nicht
Sie sind nicht Weiß
Mehr nicht

Und wenn sie sich umdrehen
und weggehen
verschwindet ein Stück Deutschland für immer.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MICH LÖSEN

Manchmal muss man sich
von allen lösen
um sich zu finden

Manchmal muß man sich
von sich selbst lösen
um sich mit allen zu verbinden

Was möchte ich?
Mich finden
oder mich verbinden?

Was macht wirklich glücklich?
Mich lösen und mich wirklich finden
Und mich verbinden ohne mich zu verlieren.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung