FRUSTRIERTE HERRSCHSUCHT

Die Empfindlichkeit eines Ballons
Voller heißer Luft
Luft angehalten über Jahre
Jahrzehnte
Der Duft von Scheiße
Wer aus dem vergifteten Bauch redet
Spuckt aus den Augen
Und kommt nie zur Ruhe –
Denn wo soll er sich hinsetzen
Wenn keiner ihm einen Thron reichen will?
Nicht mehr.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MENSCH UND SCHWARZ

Ich bin ein Mensch
Ich brauche keinen anderen Menschen
Der es mir erst zugestehen muß
Bevor ich es verkörpere und auslebe
Ich bin ein Mensch

Anfeindungen wegen meiner schwarzen Hautfarbe
Beweisen nur, daß die Anfeindenden
Krank sind und verbogen
Und Angst vor der eigenen inneren Kleinhieit haben
Sie brauchen jemanden zum Unterdrücken

Nicht mich.
Du kannst mich körperlich töten
Körperlich brechen, finanziell schwächen
Meinen Ruf heimtückisch schaden
Doch Du bleibst ein Narr und ich ein Star

Und immerdar.
Ich bin ein Mensch.
Selbstverständlich. Ungebrochen. Unbeugsam.
Vergiss es. Ich werde Dich besiegen.
Ich bin ein Mensch.

Che Chidi Chukwumerije
30.07.2020 (22:35h)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MASKENPFLICHT

Zum Schutz des Nächsten
Verbirg Dich Deinem Nächsten
Liebe Deinen Nächsten
Meide ihn

Manche Gedanken sind giftig
Ansichten sind ansteckend
Auch wenn sie unsichtbar sind
Mit Absicht

Manche Vorhaben sind erhaben
Zart zerbrechlich schutzsüchtig
Augen treffen sich – kommentarlos –
Maskiert.

Maskenpflicht
Ein Gespräch ist ein Gedicht
Die Worte treffen gedämpft
Die Gedanken nicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MEIN ZUHAUSE

Ich stehe häufig unter einem Baume
In einem inneren Bilde
Vor meinem dritten Auge
Vor einer kleinen niedlichen Holzbrücke
Die über einem Bach gebogen liegt

Auf der anderen Seite des Bachs
Steht ein schönes Haus
Ich sehe es nicht, ich spüre es nur.
Da wohne ich –

Der Bach ist die Dichtung
Die Brücke ist meine Sehnsucht
Der Baum ist der Tag, der Augenblick

Und wenn ich die Brücke überquert habe
Und wenn ich das Gedicht geschrieben habe

Gehe ich nach Haus.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

OFFEN FÜR ANTWORTEN

Die Grenze stand an mir
Und konnte mich nicht überqueren
Denn egal wie sehr sie sich verschloß
Blieb ich offen…

Offen für weniger, offen für mehr
Offen für Antworten, die zu mir heimkehren
Und jede Antwort, die sich mir erschloss
Ließ mich weiter hoffen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ABENDRUHE

Es passte gerade noch
Der Ernst des Abends
Das fast greifbare Gefühl des sich Labens
Am Geräusch des abendlichen Lebens
Die Dankbarkeit aller Teilhaber am Leben
Vom höchsten Berg bis zum dünnsten Grashalm
Das Geschenk eines weiteren Tages
Erleben gedurft zu haben
Und ich… und ich… schweige.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SELBST SCHULD

Die Kamera hat gewackelt
Das Bild war unklar
Dein Mut hat gewackelt
Du warst nicht da
Gib nicht der Kamera die Schuld
Gib nicht dem Mut die Schuld
Alles, was Dir wurde
Tatest Du selbst mit Herz und Hand.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ALTER

Wenn man die Blätter zählt
Die vom Baume gefallen sind
Ist er alt…
Wenn man die Blätter zählt
Die dem Baume am Entsprießen sind
Ist er jung…

Bin ich so alt,
Wie meine Werke hinter mir?
Oder so jung
Wie die Träume in mir?
Was ist die Zeit? Was ist das Alter?
Wann beginnt und endet mein Zeitalter?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ICH BEZOGEN

Am besten würden wir
wenn wir könnten
umgeben von Spiegeln nur
verkleidet und gekrönt
herum laufen –

Wir sähen keine Fremden mehr
keine Andersartigen
keinen mit ner Gegenmeinung –
Nur den uns bekannten Lügner,
dem wir alles gerne abkaufen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GLOCKE

Sprache
Abgekoppelt von Kultur
Geht auf eine Reise um die Welt
Und in die Innenwelten fremder Menschen

Weltenwanderer
Mit was wirst Du zurück kehren?
Als was wirst Du zurück kehren?
Vollbeladen oder ausgeschöpft?

Sprache ohne Geschichte
Reist in die Zukunft hinaus
Und wird zur Sprache, mit der
Geschichte geschrieben wird.

Eine Glocke klingt, singt, spricht
Erweckt in Dir Deine innere Glocke…
In welcher Sprache auch immer sie ausbricht
Bleibt sie ewig die selbe Glocke.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung