SIRENEN

Polizeisirenen
Alle paar Minuten
Wie plötzliche Empfindungen
Die in mir durchblitzen
Mein Herz springt auf und
Auf zuckt mein Denken
Rennt der Sirene hinterher
Fragt sich, was hat diesen Einsatz ausgelöst?
Doch die Empfindung antwortet selten
Und der Kopf hört nicht auf, zu denken
Lange nach dem es um mich
Und in mir
Wieder still geworden ist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VIRUSMENSCH

Die Bäume heulen
Es regnet grau
Sie träumen wie ich von Blau

Die Erde hat ihren Mund und ihre Nase
Mit einer grauen Schutzmaske bedeckt
Sie hat sich vor Virus Mensch versteckt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

TRAUM VON GRÜN

Ein Grün ist wie mein Lächeln
Ein Grün ist wie mein Grübeln
Ein Grün ist wie mein Trauern
Und, wenn es regnet, mein Weinen

Ein Grün ist meine Müdigkeit
Ein Grün ist meine Kindheit
Ein Grün ist die Nachdenklichkeit
Des Autofahrers in mir

Ein Grün ist kein Grün mehr
Ein Grün ist ein grünes Meer
Ein Grün ist ein dunkles Heer
Lauernd im Wald

Grün grün grün sind alle meine Welten
Grün grün grün ist alles, was ich trau
Darum lieb ich alles, was so grün ist
Weil mein Traum eine grüne Erde ist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VOR DEM ABENDGEBET

Bevor mein Tag zu Ende geht
Möge er endlich beginnen
Dem Leben gibt es kein Entrinnen
Gegen den Tod allein ist zu gewinnen
Des Wesentlichen, der Liebe, besinnen
Der Zuversicht, der Freude im Innen
Sollst Du Dich, mein Ich, mein Morgengebet.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ERGÄNZENDE GLEICHART

Wer bin ich? Woher komme ich?
Wem gehöre ich?
Wo kommt der Regen her?
Vom See und Fluss oder von den Wolken?
Von der Sonne?
Oder vom Kreislauf der Natur?

Gehörst Du einer Nation oder einer Rasse?
Einem Geschlecht? Einer Neigung?
Oder einer Charakterart?
Wer kann Dir Deine Einsamkeit nehmen,
Dich begreifen, Dir entsprechen?
Dich spüren lassen, Du bist jetzt Zuhause.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

UND NOCH EINMAL

Wenn Du weiter leben willst
Musst Du noch einmal atmen.

Es reicht nicht
Nur einmal zu atmen
Es reicht nicht
Nur einmal zu lieben
Es reicht nicht
Nur einmal zu sterben
Es reicht nicht
Nur einmal zu reinkarnieren

Wenn Du weiter leben willst
Musst Du noch einmal atmen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIE MACHT DER WIEDERHOLUNG

Unser Vater hat uns beigebracht
Dinge zu wiederholen
Langweilige Dinge
Täglich zu wiederholen
Auch wenn sie langweilig sind
Trotzdem wiederholen
Wichtige Dinge sind oft langweilig
Deshalb wiederholen
Weil die Natur so ist
Sie tut sich nur wiederholen
Weil das Herz davon lebt
Seine Schläge zu wiederholen
Wenn Du etwas erreichen willst
Ließ er nie nach zu wiederholen
Mußt Du lernen diszipliniert
Dich täglich zu wiederholen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WENN FRIEDEN IMMER WÄRE

Ich träumte heute von Frieden
Nicht von Frieden morgen
Sondern von Frieden gestern…

Ich träumte, daß keine Atombombe
Gebaut wurde, weil keine Kriege
Geführt wurden. Ich träumte

Daß keine Grenzen verletzt wurden
Weil nur natürliche Grenzen bestanden
Verstanden innerlich von allen Menschen

Und der gestrige Frieden meines Traums
War so stark, so tief, so echt, so lebendig
Es brauchte keiner mehr von Frieden zu träumen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EINSAME FREUNDE

So viele Menschen
So wenige Freunde
So viel Wasser
Überall Durst

So viele Worte
In so vielen Sprachen
So viel Schweigen
Und Einsamkeit

So viele Chats
So viele Gespräche
Alle verschweigen ihr Schweigen
Und neigen alle zur Einsamkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

RASSISMUS 2.0

Wer unterdrückt werden sollte
Darf nicht laut schreien dürfen
Lautlos soll er erwürgt werden

Wenn sie Rassismus beklagen
Klagen wir sie dafür an!
Unser Gericht wird uns sicher Recht geben

Diskriminierung 2.0
Rassismus 2.0
Wir bringen es Euch schon bei

Polizei und Politik und Justiz
Wir lassen unser Volk niemals im Stich
Wir haben die Mittel, die Medien

Ihre Stimmen totschlagen
Totschweigend
Wir führen wieder das Wort laut!

Das Imperium schlägt zurück
Gegenteiliges soll wieder unterdrückt
Heil zum Unheil, Glück zum Unglück.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung