TAGE DER ANGST

Wir kamen wie Sterne
fremd und zittrig
aus der Ferne
eifrig und zerbrechlich
kamen wir gerne

Kamen auf die Erde
bedrohlich und mütterlich
Wir wurden zur Herde
selbstbewusst und gefährlich
und selbst zur Beschwerde

Wer wird uns jetzt retten
im Namen der Liebe? Jetzt
wo es Gefahr wurde, die selbe
Luft zu atmen, und uns
gegenseitig die Hände zu geben?

Zusammen sind wir allein
Allein sind wir zusammen
Wer hätte das gedacht?
Wir nennen einander gegenseitig fremd
Doch sind wir die Fremden auf Erden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FLUGS EMPFINDEN

Ich sah aus dem Fenster heraus
Still war der Flügel
Still umrundeten wir die Kugel
Still stand am Rande der Bühne
der unerreichbare Empfindungskreis
am Ende des Tunnels –

und so langsam wie wir flogen, genau
so langsam versank er zurückgezogen
zurück in die Zukunft.
Gedanken, die uns fast einfallen
aber nie ankommen. Empfindungen,
die Empfindungen bleiben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

PARIS

Nicht die Liebe
sondern die Freiheit
atme ich hier ein

und aus.

Und in der Freiheit
wagt sich die Liebe
hier raus und

rein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ENT-TÄUSCHT

Ich sah hinein
in der Welten Herz
und hasste mich ob meiner
Wissbegierde

denn egal wo jetzt
ich gehe oder schaue
egal wie schön, sehe ich nur
Schein und Zierde.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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STATE OF BEING YOU

It’s hard to get excited when you see through everyone and everything.
And also when you’ve seen through your own self to the core, it’s hard to whip up enthusiasm for things you know well are not you or yours. It’s like a kind of boredom.
Only your small simple little things satisfy your life now and you tend to just want to stick to them, whether the world says they’re right or wrong. They’re yours.

– Che Chidi Chukwumerije
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WIE VIELE MEILEN ZUR OASE?

Wie viele Meilen bis zur Oase?
Ich renne und brenne und trenne
mich immer noch nicht von der Wüste.
Wie viele Wellen bis zur Ekstase?
Ich reite und gleite und verbreite
Wonne ungenügend für meine Gelüste.
Wie viele Zeilen bis zur letzten Phrase?
Ich schreibe und treibe und bleibe
auf der Seite, wo ich die Liebe küsste.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AN ZWEITER STELLE

Ist das zweite besser als das erste?
Die zweite Frau? Die zweite Nacht?
Der zweite Versuch? Der zweite beste Freund?
Das zweite Mal? Da haben wie freier gelacht.
Aber haben wir auch freier gedacht?
Überhaupt nachgedacht?

Manch eine Frau an der zweiten Stelle
wusste mehr vom König als die Königin.
Manch ein Mensch braucht eine zweite Chance
um seine wahre erste Natur zu zeigen.
Manch ein Gedanke braucht einen zweiten Kopf
um ganz zu ent-decken den Zauber im Topf.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

PAAR

Abend
Die Ruhe: Vielsagend
Die Zweisamkeit: Wohlhabend
Die Einsamkeit: Hervor-ragend

Und dann…
Hand bewegt sich richtung Hand
Und dann…
Der Zauber wieder, der sie immer verband.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VERKEHRSREGELN

Schnell über rot
schnell war sie tot:
diese junge Beziehung

Das tägliche Brot
wurde zum Verbot:
Liebe zur Verzeihung

Das fünfte Gebot
bringt in Erklärungsnot:
Bindung und Befreiung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GEORGIEN

Georgien
Schwarze Seele
Felsengeist aus gefrorener Träne
Stolzer Schmerz, stolze Freude

Wenn Wurzeln Menschen wären, wären
sie Deine Kinder, sture Kinder
voller unruhiger Träume
von Georgien

Wie Dornröschen wach geküsst
befreite Lust verschönert sich
von Jahr zu Jahr ansteigend vom Meer
zu den Bergen richtung Georgen

Augen voller Fragen, doch die Antworten
wohnen in Dir, uralt, leise fließend
von den Bergen zum Schwarzen Meer
suchend Georgien.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung