Immer wenn ich gehen muss
und sehen muß
wie Euer jede Blick flehen muss
baut ihr mir Stück für Stück
aus aller Ferne den Weg zurück
nach Haus und Glück.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Immer wenn ich gehen muss
und sehen muß
wie Euer jede Blick flehen muss
baut ihr mir Stück für Stück
aus aller Ferne den Weg zurück
nach Haus und Glück.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Bevor Du eine Fremdsprache lernst
halte inne und schau ein letztes Mal zurück
auf Dein altes Selbst
– denn nichts ist so lebendig
und so unwiderstehlich als die Macht einer Sprache
Dich unumkehrbar zu verändern –
Bevor Du anfängst, in einer Fremdsprache zu denken,
halte inne und schau ein letztes Mal
auf Deine alten Gedanken
– denn irgendwann ist die neue Sprache nicht mehr fremd
und Du wirst Dein altes Selbst nicht mehr kennen.
Bevor Du anfängst, mit den Worten einer Fremdsprache
Dein Innenleben auszuschreiben,
schreib es zuerst in Deiner jetzigen Sprache nieder –
denn die Fremdsprache wird Fremdes in Dir wecken
und Du wirst es nicht merken
denn die dazugehörige Sprache ist nun auch Deine geworden.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Wie tief ist das Loch
in dem wir seit der Geburt fallen?
Und fallen und fallen
und fallen und fallen –
Zwischen dessen grauen Wänden
unsere Träume hallen und nachhallen?
Die Echoes, wenn sie uns erreichen,
siehe, die sind scharfe Krallen!
Und wir fallen und fallen
und fallen und fallen
Bis zum Moment, an dem
wir gegen die Erkenntnis prallen,
daß wir die ganze Zeit Flügel hatten…
kurz bevor wir auf den Boden knallen!!
Oder nicht.
Spannt Eure Schwingen, hebt ab –
Adler. Tauben. Raben. Rallen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Die Stadt umkreist mich
Stellt mich zur Rede
Enteist mich
Macht mich wieder rege.
Bin ich der kommende Frühling?
Der scheidende Winter?
Der Traum vom Sommer?
Nein, ich war und bleib der gereifte Herbst.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Risse in Deinem Gewissen –
Bisse tun Dir nicht mehr Weh.
Wirst Du den Schmerz vermissen?
Oder starb in Dir auch das Heimweh?
Lange lange lange Reise
Nicht nach Afrika oder Asien oder ins All
Lange lange lange Reise
Wie ein Schrei im freier Fall
Unterwegs vom Berg ohne Tal
Ohne Aufprall
Ohne Widerhall.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Menschen
wie die Seiten eines Buchs
Die Stadt ist das Buch
Ich lese und lese und lese
und brauche kein Wörterbuch
Ein Nachmittag in Niederrad
Eine Stadt ist viele Städte
Ein Mensch ist viele Menschen
Ein Blick ist viele Blicke
Ein Leben ist viele Leben.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Der Winter taut sporadisch
wie ein verrückter Mann im Selbstgespräch mit seinen Träumen
Und weiß nicht, ob vor oder zurück –
Opportunistisch hockt der Frühling
im Hintergrund und wartet …
Atemzug um Atemzug wartet er
auf seine Gelegenheit, zu zu schlagen
Hin und her taumelt die Welt
zwischen Kampf und Versöhnung
zwischen Akzeptanz und Ablehnung
Zwischen Verzweiflung und Hoffnung.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Habt Ihr es gemerkt?
Das Dunkel weckt das Licht
zur Gegenwehr.
Das Böse entlockt dem Guten den Schrei:
Wir sind mehr. Immer mehr.
Rassismus verwandelt seine Opfer
in ein unbesiegbares Heer.
Habt Ihr es gemerkt?
Unsere Feinde haben uns gestärkt.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Schüsse so laut!
Sie gehen der Stadt
unter die Haut!
Mitbürger,
uns vertraut…
Uns von einem Rassisten
in der Nacht geklaut.
Schaut! Schaut! Schaut!
Immer noch keine Polizisten –
Es hat sich leider gestaut
an all ihren Leitungen.
Uns einfachen Zivilisten graut
es davor. Doch rassistische
Strukturen gehören endlich abgebaut!
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich zog meine schwarze Haut aus
und dadrunter war eine weiße
Ich zog meine weiße Haut aus
und dadrunter war eine rote
Ich zog meine rote Haut aus
und dadrunter war eine braune
Ich zog meine braune Haut aus
und dadrunter war eine gelbe
Ich zog meine gelbe Haut aus
und dadrunter war,
wieder,
eine schwarze.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung