WOZU DIE BILLIONEN WAFFEN

Wozu die Billionen Waffen? Sind wir
so viele, daß wir es leisten können
alle umzubringen und es gäbe
noch Menschen genug übrig? Entmenschlicht. Primitiv ohne Ende.
Oder besteht die Welt nur aus Feinden?

Wozu die Billionen Regeln? Werden
so viele gesteuert Roboter gebraucht,
um die Menschen in Schach zu halten?
Die Menschen, die selbst die Roboter
einst ausdachten, aus sich gebaren
und sich mit ihnen endlich ersetzten.

Wozu die Billionen Grenzen? Sind wir
einander so gegenseitig fremd? Wir
leben mit Fremden und die Fremden sind
wir. Wir leben mit uns selbst. Ausgegrenzte
Nachbarn, eingekesseltes Innenleben,
Mobilität beschränkt auf die Angstgrenze.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE INNERE GENERATION

Eine Generation wird es hinkriegen,
sich loszulösen von Menschenkriegen.

Eine Generation wird es schaffen,
wie Menschengeister in Frieden zu schaffen.

Und wenn Du tief in Deine Seele hinein blickst
und diese Sehnsucht drinnen wachsen erblickst,

weißt Du, daß Du Teil dieser Generation bist,
egal wo, egal wann, egal wer wie was Du bist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GLAUBE AN DEN WEG

Ich lebe für die Zeit nach meinem Leben,
für gewöhnlich die Zeit nach meinem Tod genannt;
So habe ich das jetzige Leben irgendwann vorbereitet
und es aus meinem Gedächtnis wohl gebannt.

Denn irgendwas in mir kennt den Weg.

Du wirst tausend Gründe hören,
warum es Armut und Leid und Krieg geben muss –
und warum keiner irgendwas dagegen tun kann –
schenk ihnen keinen Glauben, hebe Deinen Fuß

und folge der Liebe stur auf ihrem Weg.

Es ist der Weg der Solidarität,
der Weg der Nächstenliebe, der Menschlichkeit;
Machen wir die Erde licht, werden unsere Zukunftskinder
der gleichen Art sein wie ihre Vergangenheit.

Das und kein anderer ist der Weg.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ABGELENKT

Endlich haben wir die Möglichkeit
täglich, stündlich, sekündlich
unsere Gedanken mit allen zu teilen
– doch ich bin abgelenkt.

Seit Stunden scrolle ich hochundrunter
wie schnüffelnd ein Hund im Wald
auf der Suche nach – und weiß trotzdem
immer noch nicht – was Ihr denkt.

Mediensozialisierung
Sinnesüberflutung

Die Suche lenkt mich vom Suchen ab
Das Gefundene lenkt mich vom Finden ab
Eure Gedanken lenken mich vom Denken ab
– Aufmerksamkeit Euch geschenkt
– meine Lebenszeit verschenkt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MITTE

Irgendjemand geht immer leer aus
Manche gehen unter die Brücke
Manche gehen nach Haus
Es wohnt eine Lücke
in unserer Mitte.
Fehlende Sitte.
Eine Bitte.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EIN MONATSGEHALT

Sie stand vor dem Laden
Die Distanz zwischen ihm und ihr
war genau ein Monatsgehalt

Nachdenklich lief sie weiter
Ein Paar Straßen später machte sie
vor einem anderen Gebäude halt.

Sie stand vor der Tafel
Die Distanz zwischen ihr und ihr
war genau ein Monatsgehalt.

Wenn Du schonmal oben warst
und schonmal unten warst
findest Du nur im Inneren Deinen Halt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SALZIG

Salzige Worte
schmecken am besten
breitbeinig
fester Stand im Leben
einstecken ohne einzugehen
Schweigen zeugt von Intensität
Belohnungsaufschub
verdoppelte Befriedigung
Reife und Erfahrung verstehen die Zeit:
Gipfel sind kurze Momente
sei es Schmerz oder Freude
sie kommen, hart
und sie gehen wieder
alles geht immer wieder weiter
selbst Süßwasser fließt irgendwann
sehnsüchtig und gerne
in das salzige Meer…

Immer und immer wieder.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GLEICHBERECHTIGUNG

Es wird langsam Zeit
zu gehen nicht mehr allein
sondern zusammen, zu zweit,
Dein linkes ist mein rechtes Bein.

Es ist soweit
zu schlagen nicht mehr getrennt
sondern zu mehrt in Tapferkeit
weil Euer Herz in meinem brennt.

Wer ist bereit
zu vertrauen und Liebe zu wagen?
Ich gebe Dir treu Begleit;
öffne Dich, trete hervor; nicht zagen.

Die Welt liegt im Streit
mit dem Ringen selbst nach Freiheit.
Gute Geister, schreit Frieden, schreit!
Wir haben keine Angst vor Gleichheit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SOLIDARITÄT MIT ALLEN SCHWÄCHEREN

Wir sollen nun kalt duschen –
Das ist bereits eine kalte Dusche,
denn nicht alle werden kalt duschen.

Im Osten führen die Russen
Krieg gegen die Ukrainer.
Aus Solidarität führen im Westen
die Reichen Krieg gegen die Armen.

Hauptsache am Ende des Krieges
sind die Mächtigen mächtiger,
die Schwachen schwächer, die Reichen
reicher und die Armen ärmer. Überall.

Wir sollen nun kalt duschen –
Das ist bereits eine kalte Dusche,
denn nicht alle werden kalt duschen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MACHT ARMUT UNSICHTBAR?

Es ist erstaunlich
wie viele Menschen
täglich an Armut vorbei gehen
ohne sie zu sehen –

Wie schafft die Armut das nur?
Mitten im reichen Land zu leben
unsichtbar in der Luft schweben

Immer größer werdend und kleiner,
verharmlost, täglich allgemeiner

Jedermann, Jedefrau, niemand.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung