Hellseher sehen Geister - immerhin. Sie sind keine Wahnsinnigen, die Illusionen überzeugt wahrnehmen - Ähnlich wie die Durchschnittsmenschen, die Dinge und Menschen schräg sehen, oder das erahnen, was es gar nicht gibt. Denn sie blicken nur Bilder und Annahmen in ihrem eigenen Kopf, gekippt. Meine Vorstellung von Dir ist es demnach, die mir fest und nebulös vorschwebt, ist häufig alles, was ich sehe und denke, wenn ich Dich ansehe, und Dich noch nicht erlebt habe; oder wenn ich Dich ignoriere und von Dir wegschaue - kein Teil von uns. Dich kenn ich ja, DICH sehe ich nicht. Zu viele Filter liegen zwischen uns. Und jedes Mal, wenn ich DICH doch sehe, bin ich äußerst schockiert! Verwirrt. Wer ist dieser fremde Mensch? Das bist Du doch nicht. Kann mich nicht geirrt haben. Und so geht es weiter. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
2022
TEL AVIV
Palmen wehen wedeln winken im Wind tauchen in der Ferne auf Psalmen singen ringen klingen in meinem Herzen drin tauchen aus einer Erinnerung aus an die ich mich nicht erinnern kann. Ich suche mein Gedächtnis gründlich ab wandle wie in einer Wüste mit Wanderstab von einem zum nächsten leeren Grab… Der Geist wanderte aus ihnen schon lange aus; kehrt er zurück, angezogen, dann als neuer Mann. Die Straßen Tel Avivs sehen aus wie die Straßen von Hunderten von Großstädten der Welt, voller menschelnden Menschen in der Art von Hier und Jetzt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung




EREIGNISHORIZONT
Manche ziehen die Masken schon runter Andere haben sie noch an Beide zeigen ihr wahres Gesicht Maskenträger gibt es keine mehr Faktenchecker noch weniger Wahrhaftige und Fake sind beide echt. Nur die eigene Wahrheit fällt nun ins Gewicht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BIG AND SMALL
In this world
You have to be small
To be big.
Big people
Are made small
By the world’s smallness.
If you are too big
You are too big
To be seen.
If you are small
You are big enough
For the small.
Che Chidi Chukwumerije
IM ANFANG WAR DAS ENDE
Ich warte auf das Ende und das Ende wartet auf mich Und während wir beide auf einander warten überholt der Anfang das Ende und mich. Konsequenter als das Ende ist der Anfang aller Dinge - Er wartet auf nichts und niemand, hebt an zu singen bevor ich ausklinge. Am Anfang hielt ich stets Ausschau jedes Mal nach dem Ende - Doch jetzt am Ende weiß ich: Der Anfang bringt die Wende, nicht das Ende. Selbst am Anfang achtet aufmerksam nicht auf das Ende, sondern auf den neuen Anfang. Denn das ist der wirkliche Ausgang Und das wahre Ende. Der Anfang ist das Ende. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
INNERER FRIEDEN, TIEFER ALS GEDANKEN
Schwerbeladen sank und hing der Kopf, vollgestopft und beschäftigt mit des Tages Zoff, ein brodelnder, köchelnder, zugedeckter Topf. Die Seele, aus leichterem, feinerem Stoff, ignorierte ihn, trank von alledem keinen Tropf, weder von Gedanken schräg noch Gefühlen schroff. Sondern sie suchte den Geist, zart - klopf klopf: In der Empfindung wohnt alles, was ich mir erhoff - Öffne Dein Inneres Ge-Wand. Dein Herz ist ein Knopf. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GLEICHNIS
Mehr Menschen werden arm werden Weniger werden reich Die Armut breitet sich aus auf Erden Und macht am Ende alle gleich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DANKBARKEIT DEN ÜBERSEHENEN
Ich liege im Hotelzimmer und sehe alles außer der Lichtquelle in dessen Lichtschimmer ich alles sehe an Ort und Stelle - Eine einfache Tischlampe an der Bettseite. Manch einer verschafft uns Freizeit, doch die teilen wir lieber mit anderen - Manch einer macht uns bereit; damit arbeiten wir aber lieber bei ‚Besseren‘ - Der erste am Ende ist häufig der zweite. Dankbar möchte ich denen sein, die immer und selbstlos in Liebe geben… und Dem ohne dessen Da-Sein wir niemals hätten Bewusstsein und Leben noch das Ahnen deren wahrer Tragweite. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
TÄGLICH DICHTEN
Täglich dichten hat mir beigebracht, egal wie schön der Tag war oder die Nacht, mich zwingen zu können, Gestern zu beenden, mich der Rätsel widmen von Heute ausgedacht, den Empfindungen, die heute in mir trenden. Gestern verlassen fällt mir täglich heute schwer, bringt mir doch der Tag jeden Tag immer Mehr, mehr von mir, und mehr von Weniger von mir, häufig war ich zum Tagesende völlig leer des Alten, und voll mit neuem Lebenselixier. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
AN MEINE SCHWARZEN KINDER – (1)

Meine Kinder, Ihr seid mehr, weit mehr, als Ihr denkt. Seid nicht entmutigt, wenn Eure Gesellschaft hin und her schwenkt, unsicher darüber, was sie gemeinsam und einzeln von Euch hält, und in welche Schublade Euch zu stecken ihr am bequemsten gefällt. Ihr seid meine Kinder - Das ist mehr, als Ihr jetzt begreift. Eure Wurzeln sind tiefer, als jede Farbe, die über Euch streift. Sie verankern Euch in dem Anfang unserer Menschenwelt und werden Euch halten, egal was die Welt Euch in den Weg stellt. Nicht leben ist wichtig, sondern würdig leben und stolz sterben. Leistet ewig Widerstand, wenn versucht wird, Euch zu enterben unseres höchsten Guts und ältesten Guts als Menschheit: Euer tiefes Selbstvertrauen, Euer Geistes Wissen der eigenen Fähigkeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
