Das Geheimnis weiblich Das Geheimnis männlich Und das Rätsel dazwischen Wo sich diverse Fragen befinden. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
2022
RANDNOTIZ
Immer mehr Menschen sitzen nachdenklich am Straßenrand, denken über den Weg nach, der für sie endete hier am Straßenrand Wie wann wo lief es schief mit dem Geldsystem in unserem Sozialland? Das Geld verdampft wie Wasser nach Oben, hinterlässt, unten, ausgetrocknet, das Land. Und wieder überall Dichter und Denker, die versuchen vergebens mit ihrem Verstand zu verstehen, warum die Armut steigt unter Menschen, die arbeiten mit Herz und Hand. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NEU-KLEIDEN
In letzter Zeit habe ich uralte Bäume gefällt, starke Wurzeln und Fäden herausgerissen, Türen abgeschlossen, Schlüssel weggeschmissen, ganz egal, wem es nicht gefällt. Ich habe scharfe Wendungen genommen, neue Wege wie Buchseiten aufgeschlagen, zurückgekehrt zum Gefühl im Magen. Aber das alles hat keiner wahrgenommen. Die haben nur gesehen, daß ich alte Klamotten gestern entsorgte und heute neue - andere - mir besorgte. Sie ahnten nicht das innere Geschehen. Welten enden und Welten beginnen, schließen sich symbolisch ab in Ringen; manchmal in den kleinsten Dingen, die unscheinbar erscheinen unseren Sinnen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WISSEN OHNE ZU WISSEN
All die Geheimnisse, die wir nie wissen werden… All die Geheimnisse, die wir nie verraten werden… Wissen ist Macht Unwissen ist mächtiger… Er läßt sie glücklich sein Sie läßt ihn glücklich sein Glück geteilt ist Glück verdoppelt. Ich kratze Deinen Rücken Du kratzt meinen Rücken Ich sehe Deinen Rücken Du siehst meinen Rücken Ich decke Deinen Rücken Du deckst meinen Rücken. Rücksicht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER GOLDENE TOD DER REGENWÄLDER

Ich sah Ödland, herausgerissene Lungen und Leber, Krater, wo einst gestohlene Herzen schlugen. Vergiftet lag das Land sterbend in der Sonne; Sonne und Land und Sterben ohne Ende, am anderen Ende der Welt, wo traurige, entschlossene, Menschen verenden. Wo ist das Leben des Landes hin? Ferne Länder im Inland und im Ausland haben die Armut anderer zum eigenen Reichtum aufgewertet, weggesperrt. Haben den Reichtum der Erde zum Zeuge unserer glänzenden Armut geschmückt. Ich sah Goldland. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
LICHT-GEWISSHEIT
Auch wenn jetzt die dunkle Wolke unsichtbar und fühlbar auf uns drückt, Licht, ich sehe Dich, näher als je, unentrückt. Auch wenn Wahn, Wut, Ichsucht, Mord losgelöst rumreiten und ihr Unwesen treiben, Ruhe und Frieden, ich spüre Euch, mich einverleiben. Je mehr Menschen das Internet verbindet, desto mehr trennt es. Welch eine Ironie. Lieber mein ernstes Selbst als ein grinsendes Selfie. Denn mein Weg ist weit, mein Ziel ist fern, keine Nacht ist lang genug, meine Sonne lacht. Keine Nacht ist lang genug, meine Sonne lacht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ENDZIEL: CHARACTER
Wissen! Können! Erobern! Besitzen! Sind lieben und leben nicht holdere Aufgaben? Ordnung war immer die höchste Tugend, selbst unter den niedrigsten Schaben. Unsere schönsten eitelsten Erfindungen wird unsere Empfindung mahnend untergraben. Ihr redetet jahrzehntelang vom Frieden, doch der Krieg war, wieder, immer Euer Vorhaben. Was ist Dein Wort überhaupt noch wert? Fließende Lügen stillen keinen Durst beim Laben. Wahrlich, der gute Charakter ist gewichtiger als Wissen, Wollen, Können und Haben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ABLÖSUNGEN
Er schaute alles an,
was ihn einst umhaute
und er staunte darüber,
daß das alte Gefühl ihm
nichts mehr zuraunte
und er spürte nichts.
Gibt es eine andere Welt
die den meisten nicht auffällt
innerhalb des täglichen Treibens
zwischen den Augenblicken einverleiben?
Denn der Alltag verliert täglich
und gewinnt täglich an Bedeutung.
Diese Sehnsucht nach Befreiung –
von Verbindungen.
Diese Sehnsucht nach Erleichterung.
Diese Ruhe, dieser Frieden
Beide sind geblieben
nach diesen tausend befreienden Trennungen.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
LIEBEN IST DIENEN
Wenn alles, was Du hast, Dein Gefühl der Überlegenheit ist, hast Du viel oder hast Du wenig? Bist Du voll oder bist Du leer? Deine Leere war lang meine Last. Du verletzt und dann Du vergisst… mich, und bist überrascht kein wenig, daß Dein Herz schwer wird und leer. Herrschsucht findet nie, was sie sucht. Lieben war stets und bleibt dienen, Die Freundschaft eine sichere ruhige Bucht, immer bereit und fähig zu sühnen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ERINNERUNG UND VERÄNDERUNG
Ein Mann lief wie ein Pfad durch den Wald und verlor an jeder Wendung den Blick zurück in seine Vergangenheit - Geblieben ist lediglich Erinnerung. Denn er verlor Freunde, engste Freunde, ersetzt durch bittersüße Erinnerungen - Manche meinen, Freunde wären wertvoller als bloße Erinnerungen an tote Verbindungen. Doch dieser Mann, er sieht das anders. Menschen, wenn sie bleiben, verändern sich; Sie bleiben gleich, nur wenn sie gehen, verbleiben in der Erinnerung unveränderlich. Keine zwei Menschen, einmal getrennt, trafen sich je wieder. Oder selten. Freunde trennen sich, Fremde finden sich. Erinnerung und Veränderung. Zwei Welten. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
