IM HINTERGRUND

Die einen schreiben unsre Gedanken nieder
Die anderen geben unsere Worte wieder
Noch andere singen unserer Empfindungen Lieder
Aber sie sind uns unsichtbar,
Uns ungreifbar, von uns unvernichtbar,
Im Karmakreislauf unverzichtbar.
Unsere Welt lebt und webt in zwei Welten.

Manch ein Dejavu, manch ein Un-fall,
Schicksalhafte Begegnungen per Zu-fall,
Erstaunliche Erkenntnisse durch Ein-fall:
Uns traf es vielleicht unvorbereitet
Aber jemand oder etwas hat es vorbereitet,
Mit unsren Taten als Zutaten es uns zubereitet.
Zwei Welten, und wir merken es selten. 

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MORGEN SIND HERZEN

Die Wolken kletterten den grauen Himmel hoch,
Wie die Gedanken einer grübelnden Erde;
Aber eines machten sie auch noch:
Ebenselber trüben Welt wurden sie zur Zierde,
Während dieser Gedanke in mich einkroch:
Schimmel sind sie, himmlische Pferde;
Boten einer versteckten Sonne - und doch,
Spiegler ihres Lächelns auch und unsrer Neugierde,
Mittels deren wir uns befreien von des Grauen Joch -
Herzen sind Morgen, sind Erze, sind Herde.
Die Wolken spalten sich, ich sehe ein Sehloch:
Das Licht es werde, daß Licht es werde.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIR SIND ERNEUERBAR

Wenn nicht Sonnenblumenöl
Dann Rapsöl eben
Raps wächst in Deutschland

Wenn nicht Erdöl
Dann Erdwärme halt
Tief unter uns ist es warm
In uns brennt ein unbändiges Herz

Wenn nicht Steinkohle
Dann Wasser, Wind und Sonne
Die haben wir auch -
Das, was uns ausbremsen soll,
erneuert uns, stoßt uns nach Vorne.

Mut zum Zusammenhalt
Ideen für Veränderung
Alles haben wir, nur keine Angst.
Die Gegenwart ruft: Nutzt die Chance,
Haftet Euch nicht an der Vergangenheit;
Passt Euch der Zukunft an.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE IDEE DES LEBENS

Wenn unsere Ideen uns Mörder nennen würden,
weil wir sie nach Belieben formen und zerstören,
schaffen und lebendig begraben,
hätten sie Recht?

Oder sterben die Ideen gerne
im Dienst einer höheren Idee?:
Die Idee, daß Menschen Ideen wie Stufen nutzen -
so werden aus Ideen die Leiter,
die zur Verwirklichung der höchsten Idee führt:

Leben des Lebens wegen;
Lieben der Liebe wegen;
Streben des Strebens wegen;
Entwicklung der Entwicklung wegen;
Schönheit der Schönheit wegen.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VOM AUSSTERBEN BEDROHT

Vom Aussterben bedroht,
merken sie es selbst überhaupt?
Das Sterben, habe ich gehört,
tut an sich nicht weh.
Ist schmerzlos auch das Aussterben?

Wenn Du es nicht merkst.
Du merkst nur, daß keiner mehr
Deine Sprache spricht.
Du bist allein mit Deinen Gedanken
und mit Deinem Gedicht.

Das letzt gebliebene Gesicht
Deiner Geschichte. Es gibt keine,
mit denen Du reden kannst.
Dennoch, oder deshalb, tönt umso lauter
Deine innere Stimme in Dir.

Dein innerer Stumme in Dir.
Viele sind gekommen und gegangen -
Viele Arten, viele Orte, viele Wörter,
viele Gruppen und viele stille Augen.
Nur die Natur, verschwiegen, bleibt.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
https://www.wwf.de/themen-projekte/biodiversitaet/rote-liste-gefaehrdeter-arten
     
https://www.wwf.de/themen-projekte/biodiversitaet/rote-liste-gefaehrdeter-arten

KRIEG DER LEBENSEINSTELLUNGEN

Das Recht des Stärkeren,
das Recht des oft Echteren
zu ächten, den Schwächeren
zu brechen -
primitiv doch irgendwie ehrlich bei Tieren,
bei Menschen eigensinnig, ein Verbrechen.

Jeder kann nicht reich sein,
Chef oder Chefin sein, Champion sein -
aber leben kann jeder
und lebendig sein. Wie können wir
dieses selbstsüchtige Recht
des Mächtigeren heute unterbrechen?

Kann Macht sich selbst aufgeben?
Macht, sagt man, muss genommen sein.
Der Mächtige wird entmachtet,
wenn ein Mächtigerer aufsteigt. Und da
haben wir es wieder: in Liebe und im Krieg;
Die Macht des Stärkeren wird alles durchbrechen.

Welcher Gedanke war der stärkere?
Ausbeutung/Ausnutzen oder Kooperation/Schützen?
Welcher Drang ist der stärkere?
Zur Selbstsucht oder zum Gemeinwohl?
Denn der stärkere wird dominieren
und alles andere schwächen.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KLEINE TRENNUNGEN

„Vater, Du brauchst zu lang -
Kann ich wieder alleine hin?“
Ich spüre seinen Freiheitsdrang.

Er muss zum Hort
Ich zur S-Bahn und zur Arbeit
Für jeden Menschen ein anderer Ort

„Wir müssen in die selbe Richtung.
Lasst uns doch zusammen
bis zur zweiten Kreuzung.“

Wir laufen los
Er marschiert zielstrebig nach vorne,
beachtet mich nicht groß.

Für diese Strecke auf jeden Fall
braucht er mich nicht mehr,
auf einmal.

So reisen wir ein Stück miteinander,
Vater und Sohn,
dann gehen unsere Wege auseinander.

Ich bleibe stehen,
sehe ihn selbstbewusst weiter laufen
und dann um die Ecke gehen.

Kleine Wendungen
können genau so tief bewegen
wie große Trennungen.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DEINE LEBENSZEIT

Das Erdenleben,
egal wie lang, ist immer kurz.
Wohl dem,
der es zum Leben benutzt.

Du nennst einen Kriminell
doch sein Herz ist auf dem rechten Fleck -
Eine Prostituierte ist voller Güte
doch Du bezeichnest sie als Dreck.

Ein Drogenabhängiger sucht etwas -
Hast Du Dich schonmal gefragt, was?
Ein psychisch Verstörter fand etwas,
unklar, verstörend, durch Nebel und Glas.

Armut ist keine Charaktereigenschaft,
Du kannst dennoch wie ein Stern leuchten.
Flüchtlinge brauchen in unserem Land,
was wir in ihrem Land bräuchten.

Was empfindet der Obdachlose
am ersten Tag seiner Obdachlosigkeit?
Nicht viel trennt Menschen voneinander,
mittels der Mittellosigkeit.

Einsamkeit, Lügen und Gewalt
oder Mitgefühl, Mut und Freiheit -
Alle weinen im Geheimen. Leb auf, Kind:
Deine Lebenszeit, das ist Deine Zeit.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZEIT ZUM KENNENLERNEN

Wir werden älter
ohne älter zu werden
als wäre unser Körper
süchtiger auf Sterben
als wir selbst.

Plötzlich ist mein Körper
nicht mehr meiner
sondern ein kalter Fremder.
Sein Weg ist seiner -
und er verwelkt.

Laß uns deshalb schnell
die Zeit nutzen -
uns finden, kennenlernen,
lieben, unterstützen
bevor er wegfällt.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIEDERAUFERSTEHUNGSTAG

Wiederauferstehung
von Lachen
von Hoffnung
von Lieben
von Vergebung
von Geben
von Verteilung
von Wagen
von Erinnerung
von Wissen
von Berührung
und Wahrhaftigkeit und Menschlichkeit
und Ordnung und Gerechtigkeit
und Naturverbundenheit
und Verantwortung
und Leben.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung