LIEBE LEICHT LIEBE SCHWER

Dein Leben ist ein Liebesgedicht;
Deine Art zu lieben ist leben;
Viel Erleben und wenig Verzicht;
Alles nehmen, geben, vergeben;
Lieben als Lebenspflicht.

Dein Wissen ist eine Liebeserklärung,
an die Liebe, ohne Erklärung;
Dein Wesen ist pure Liebesbekenntnis,
verwurzelt in der Erkenntnis:
Lieben ist Lebenslicht.

Große Worte, kalt, starr, schwer, hart.
Das war bis jetzt kein Gedicht.
Dein Gedicht kommt abends, leicht, zart,
der klamme Schmerz auf Deinem Gesicht,
Lieben als Lebensgewicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Danke Christine für die Inspiration.

DER KUNSTGEIST VERBINDET DIE MENSCHHEIT

Der Kunstgeist verbindet die Menschheit.
Wir haben eine Geheimsprache.
Sonderbar, eine uralte Geheimwaffe.
Kommt: Wir üben jetzt damit Rache:

Gegen alle, die uns voneinander trennten,
einfach nur weil unsere Gleichart
tiefer liegt als alles, was sie begreifen konnten –
Wir aktivieren jetzt auch ihren inneren Part.

Wie muß es sich anfühlen,
plötzlich eine Fremdsprache zu verstehen?
Desorientierend? Beruhigend?
Der Kunstgeist will den Zeitgeist umdrehen.

Die Schönheit um der Schönheit willen.
Gemüt. Die Sprache des Menschengeistes.
Innere Stimme über äußerem Gewinnen.
Unsere Verbindung beweist es.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

AUS DER SCHWERE

Wenn es sein soll und richtig ist,
geht es immer schnell –
Mein Frühling läßt nicht lang auf sich warten.
Dein Winter ist Druck, ist Appell.
Denk nicht, daß Schwarz dunkel ist,
mein Herz brennt glühend hell.
Sei Du meine Leinwand heute Nacht,
meine Worte sind Pastell.
Schwere Tinte auf leichtem Blatt
und geboren wird Karamell.
Öffne Dich und fürchte Dich nicht –
dies ist alt, lebendig, rituell.
Dichten ist Lieben unter Druck,
das allerschönste Duell.
Das Gedicht, das stets dabei raus kommt,
ist l(e)icht, ist originell.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

“Aus der Schwere”: ein Titel, zwei Gedichte. Poesie-Kollaboration zwischen Christine Jendrike (Ideenlese) und mir.

ZEITBOMBEN

Ist das Dein Frühling dieses Jahr?
Kriegsvertriebene/r. Renn! Lauf! Fahr!
So schnell so weit wie möglich,
Du und alle unsere Fragen zuzüglich.

Mit den Blumen steigen diesmal Bomben.
Blüten blühen – und bluten.
Zeitbomben lassen sich nicht mehr verplomben.
Kurz vor 12, die letzten Minuten.

Ist das unser Frühling dieses Jahr?
Wut lang aufgestaut ist aufgetaut –
Geht die Menschenliebe unter die Haut?
Eine alte Mär. Ist sie Lüge oder ist sie wahr?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LAKMUSTEST

Menschlichkeit,
die nicht allen Menschen gilt,
ist Unmenschlichkeit.

Ein selektives Gewissen
ist ein schlechtes Gewissen.

Internationale Solidarität
gilt allen Menschenrassen –

sonst birgt sie keine Liebe,
nur Rassismus und Tücke und Lügen
und Hässlichkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KLUFT

Diese schwache Ahnung
Du machst so viel
Wagst so wenig
Wagst so viel
Machst so wenig daraus

Als wäret Du und Dein Leben
ein Ehepaar, das viel bespricht
aber nichts sagt –
viel verschweigt
und alles dabei sagt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LET THEM INTO YOUR HEART 

Kindness to refugees
is salvation for humankind.
Because kindness is the refuge
for our broken humanity,
longing for healing.
Let them in
and into your heart.

Che Chidi Chukwumerije

ZERBRECHEN

Wenn alles am Zerbrechen ist
wie eine Wolke, die Du nicht fassen kannst,
nur zergehen lassen kannst –
Du spürst, Du empfindest, Du ahnst.
Ahnen ist alles, was Du fassen kannst.

Ob Du Dich fallen lassen kannst?
Die neuen Generationen sind geboren
und genau so verloren –
Hauptsache sie lügen mit anderen Worten.
Du spürst etwas, was Du nicht fassen kannst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHWARZSEIN IST MENSCHSEIN

Wer rettet die Menschlichkeit?

Immer wenn die Menschheit enger
zusammen rückt, spüre ich
die Ellenbogen.

Immer wenn die Menschheit aus
einander fällt, sehe ich
die auf mich gerichteten Pfeile.

Lange wollte ich die Menschheit retten, bis
ich begriff, daß ich nicht Teil dessen
bin, was ich retten wollte.

Wenn ich die Menschheit retten will,
muss ich Schwarzsein retten. Denn
die Menschheit wird es nicht tun.

Wer die Menschheit retten will, muss
Schwarz sehen. Angefangen
von Schwarz selbst. Selbstrespekt.

Die Menschheit kann ich nicht retten,
die Menschlichkeit nur in mir selbst,
das Menschsein nur in meinem Schwarzsein.

Nicht wer, sondern was, rettet die Menschlichkeit?
Die Ehrlichkeit rettet unsere Menschlichkeit.
Der Mut rettet unsere Menschlichkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WAS HABEN WIR NOCH ÜBRIG?

Wenn der Krieg jetzt käme,
was hättest Du?
Grundgesetz oder Grundstück?
Welches sichert Dir Ruh?
Wer besitzt Edelmetall oder Mineral?
Wer hortet Waffen?
Unser armes Ergebnis von Jahrtausenden
von evolutionärem Schaffen.

Was haben wir übrig?
Machtgier, Ichsucht, Fremdenfeindlichkeit.
Da Menschen keine Aliens sind,
herrscht hier bloß die Menschenfeindlichkeit.
Die Übermacht des Stärkeren,
des Schwachen Machtlosigkeit.
Erneut die enttäuschte Sehnsucht
nach friedfertiger Menschlichkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung