KULTUR

Vielleicht liegt die Lösung
gar nicht in der Politik,
sondern in Kunst und Kultur.

Wie sonst bewirken wir
eine innere Veränderung
in der menschlichen Natur?

Wie entsteht jener Mensch
der nicht alte Systeme verpackt
in wechselnd neue Struktur?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MORGENLÄCHELN

Die ersten Tagträumer
tauchen tapfer in den tautrunkenen Tag
Auch so früh am Morgen ist es erstaunlich
wie viele Mitreisenden Dir ein müdes Lächeln
zurück schenken, wenn Du mutig
Dein Herz öffnest und jedem Augenkontakt
mit einem vermutlich ebenso müdes Morgenlächeln
verewigst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHWACH ABER STARK

Du kannst mit einem Menschen
tausendmal streiten

Von einem Menschen unzählige Male
verletzt und enttäuscht sein

Dich von dem Menschen hundertmal
trennen, schwören, Du bist jetzt allein

Dich an diesem Menschen anscheinend
ohne Erfolg ständig arbeiten

Seinetwegen gezwungen sein, Deine
Lebenspläne zu verschieben -

und ihn trotzdem unsterblich lieben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GROSSE BÄUME

Kleine Tiere
pinkeln an große Bäume
Aber große Bäume
pinkeln nicht zurück.

Sie bleiben groß und stark,
anderen Reisenden Geschenke anbietend,
flüsternd: Pflück, pflück…

Große Bäume machen sich nicht klein
Sie wachsen täglich ein Stück -

Keiner kann mir wegnehmen mein Glück.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MEIN WERT

Als ich aufhörte, kostenlos zu sein,
verloren die einen den Appetit nach mir -
In den anderen erwachte der Heißhunger.

Als ich anfing, Weh zu tun,
flohen die einen; die anderen gaben sich hin:
Mir, uns, und unserem gleichartigen Beißhunger.

Als ich aufhörte, ohne Grenzen zu sein,
blieben die einen draußen, die anderen drinnen
schätzten befriedigt meinen Schweiß und Hunger.

Es hat lange gedauert aber ich kenne meinen Wert;
Ich weiß, wie viel ich weiß, kann, wage, schaffe
mit unbändigem Fleiß und unersättlichem Hunger.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ALLE ZEIT DER WELT

Ich habe keine Zeit, die Welt zu sehen
Aber ich habe Zeit, Deine Welt zu sehen
Und Deine Welt ist groß genug
Um meine Tage und Nächte
Und Herz
zu füllen
So lange ich noch Zeit habe
So lange ich noch ich bin, der Dich liebe
So lange ich noch lebe.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DUNKELICHT

Dein Lächeln ist Dein schönstes Teil
Schöner als Deine schmutzigsten Worte.
Dein Lächeln ist Dein schmutzigstes Teil
Schmutziger als Deine schönsten Worte.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NICHT MEHR LANGE

Wie schnell Ihr wachst
Eure Augen sprechen Volumen
Eure Worte navigieren kluge Gedanken
Auf den Weg zu mir
Ich sehe es in Euren denkenden Augen -
Wie lange noch, bis ich Euch nicht mehr
Meine Kinder nenne
Sondern meine Erwachsenen?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HUNGERSPIELE

Nahrungsmittelknappheit
Weil die Pflugscharen zu Schwertern
Zurück gewandelt worden sind
Friedhöfe wachsen wieder aus Feldern.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NICHT NETT

Nett sein
ist nicht nett sein
wenn es als nett sein
nicht verstanden wird
sondern als Schwäche.

Wenn sie Dir sagen
Du bist nett
meinen sie:
Du bist schwach
Dafür bist Du selbst schuld.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung