Ich verlasse die eine Stadt Wie ein Gedanke ein Gedächtnis verlässt Keiner wird sich an mich erinnern Ich wurde nie verinnerlicht Dieser dumpfe stumpfe Schmerz in meiner Brust Tut nicht einmal weh. Als ich in die nächste Stadt eindringe Wächst der Widerstand am Herzensrand Ich bin ein Einwanderer Aber die Stadt ist ein Eindringling Ich werde sie weiterwandernd wieder verlassen Doch sie wird mich nie wieder los lassen. Dieser dumpfe stumpfe Schmerz in meiner Brust Tut nicht einmal weh. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
2023
SELBSTÄNDIG DENKEN
Und dann, als wären sie selbständige Wesen, Erheben sich meine Flügel und laufen durch die Luft, Umschreiben praktisch hochtönende politischen Thesen, Die zwischen Volk und Gesellschaft liegen wie eine Kluft. Ich laufe mit und fühle mich an Klarheit genesen - Klarheit und Mut - und wer nach meiner Art ruft, Kann sie im Himmel wie Gedichte im Flug lesen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GLÜCKSREIZ
Aufgekratzter Traum Juckgeiz Zuckender Zeigefinger Glücksreiz Ich bin druckreif. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MEINE EINSAMKEIT REICHT WEITER
Ihr fehlt mir Die Nacht ist so gross Die Stadt ist so leer Mein Bedürfnis geht tiefer Meine Einsamkeit reicht weiter Reicht Euch die Hand Wo seid Ihr? Ihr fehlt mir Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DAS MIT DEM HERZ
Wenn sie sagen: Hör mit Deinem Herzen Begreife ich: Das Herz ist ein Ohr Wenn sie sagen: Schaue mit dem Herzen Verstehe ich: Das Herz ist ein Auge Wenn sie sagen: Sag es mit Deinem Herzen Lerne ich: Das Herz ist ein Sprachrohr Wenn Du fragst, warum ich Dich höre Warum ich Dich sehe, warum ich Dich aufsauge Es ist weil ich Dein Herz bin Und Du meins, dem ich Liebe schwor. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ICH HÜTE EINEN TRAUM
Täglich die Welt zu umfassen Täglich die Welt wieder zurück zu lassen Täglich zu sein ein Teil der Massen Ohne zu gehören irgendeiner ihrer Klassen Was bin ich? Ich hüte einen Traum Und suche das Land mit dem passenden Raum Um dort zu pflanzen den Friedensbaum. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GUTE NACHT GESCHICHTE
Ich mag es, abends, zum Einschlafen mein Lieblingsmärchenbuch, Dein Herz, in die Hand zu nehmen und zu öffnen. Meine Finger wandern abwärts Meine Augen dringen einwärts Meine Gedanken schweben aufwärts Und dann schlafe ich friedlich ein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
LICHT AN LICHT AUS
Licht an, Licht aus Adlergeist, Vogelstrauß Dann gehen wir alle zurück nach Haus. Als das Licht noch an war Und Dein Adlergeist wach und klar Wie stellte sich Dir Deine Zukunft dar? Sahst Du uns in diesem Moment: Ein Herz, das rennt; eins, das den Weg kennt, Und einen Schmerz, der die beiden trennt? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GESPRÄCHIG
Wenn ich meine Selbstgespräche dazu zähle, Bin ich gar nicht so schweigsam wie Ihr sagt; Es wohnen mehr Menschen in meiner Seele Als alle Eure Fragen gefragt und ungefragt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WUNDEN BRAUCHEN ZEIT
Ich sah heute einen Mann in Schmerzen Und bei allem Tröstenden, das ich sprach, Nahm er es auch Trost suchend zu Herzen, Ließ sein Leiden trotzdem nicht nach. Wunden, wie alle anderen Lebewesen, Brauchen und wollen ihre Zeit voll haben. Kein Mensch, niemals, kann früher genesen Als die Frist die ihm seine Wunden gaben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
