Zeig mir Sonne, wenn ich schlafe Die Nacht ist zu dunkel für meine Träume Hundert Monde reichen nicht aus als Waffe gegen meine düsteren Erkenntnisbäume Denn ich sehe aufsteigend wieder den Hass der auf sein Herrenmenschentum besteht Die Nacht ist finster, der Traum wird blass Wo ist die Sonne, die nie untergeht? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
2024
TAGESAUSKLANG
Der letzte Sonnenstrahl wurde bleich und weich und fahl und, als wäre mein Gedächtnis ein Tal, be-, nein, er-leuchtete er ein letztes Mal mich mit Sonnenlied samt Nachhall, wie eine Erinnerung an den Gral, es war einmal. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ERST EMPFINDEN, DANN DENKEN
Ich denke, denke ich - Aber denke ich wirklich? Oder denke ich gar nicht, sondern empfinde ich schlicht? Ich denke, empfinde ich; Aber ich empfinde, denke ich nicht - Denn mein Denken kann schließlich nach dem Unerklärlichen greifen und doch mein Empfinden nie begreifen, nur empfangen. Das weiß jedes Gedicht: Ein Teil des Denkens ist langen, der seltsame Teil aber ist empfangen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
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Eine ausführliche Behandlung der Begriffe „denken“ und „empfinden“, in Bezug auf sowohl den Unterschied zwischen ihnen als auch ihren Bezug zu einander, unternimmt Abd-ru-shin in seinem Werk „Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft“. Für mich, stets zum Empfehlen.
LIEBE ALS RATTENFÄNGER
Ich habe von Menschen gehört, die ahnen, daß es nicht funktionieren wird, dennoch gehen sie wie getrieben der Liebe Bahnen entlang, hoffend es wird funktionieren doch - und verenden gefangen in einem Loch. Was ist diese Macht, die uns dazu zwingt zu tanzen, obwohl die Liebe nicht singt und nur die Musik des Rattenfängers klingt? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ICH SAGE NICHTS MEHR
Ich sage nichts mehr, sage ich und habe somit unendlich mehr gesagt als ich sagen sollte. Hätte ich lieber schweigen sollen, als ich gefragt wurde, was ich dazu sagen würde - Jede Äußerung ist eine schwere Bürde für jeden, der eine zu formulieren wagt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER TAG, GEISTIG GESEHEN
Nimm ernst einen jeden neuen Tag Er ist tiefer, merkwürdiger, wichtiger als jeder Mensch zu ahnen vermag und er ist vielleicht für Dich ein letzter Morgen ohne Abend oder ein letzter Abend ohne Morgen. Du entscheidest, welcher. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ABSICHT UND ABSTAND
Mit welcher Absicht wird gelächelt? Mit welcher wird Wahrheit gesagt oder wird gelogen? Mit welcher wird Gesicht gezeigt oder wird geheuchelt? Mit welcher werden Schlüsse (und -striche) gezogen? Absicht gibt Aussicht auf Einsicht. Mit welchem Abstand wird geliebt? Mit welchem Abstand wird umarmt und geküsst? Mit welchem wird Frieden geschlossen oder wird gekriegt? Mit welchem wird Schuld, und Unschuld, gebüßt? Abstand ist Widerstand mit Anstand. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZWEI SEITEN
Mein Herz ist neuerdings eine Blume geworden Mit Wurzeln im Süden und Blüten im Norden Mein Herz ist neuerdings ein Lied geworden Eine Harmonie aus grundverschiedenen Akkorden Mein Herz ist neuerdings vollständig geworden. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GLOCKENUNTERGANG
Die Glocke leuchtet matt und goldig Sie steckt regungslos im Treibsand Aber Du hörst sie dennoch läuten So stark und rege ist Dein Verstand In Deinem Gedächtnis tausend Glocken Deine Fantasie erledigt den Rest Die Sonne, sterbend am Horizont, dreht durch, dreht sich in ihrem Grab, schreit zum Himmel, schreit zum Mond, Du bist alles, was ich noch hab - In unserem Gedächtnis tausend Glocken Und Fantasie erledigt den Rest. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE WELT BRENNT
Die Welt brennt Die Welt pennt Gleichzeitig. Der Glaube an Gewalt nimmt erneut Gestalt wütet gewaltig Du misstraust mir Ich misstraue Dir Gegenseitig Das Miteinander ist weg Streit wird zum Selbstzweck Die Welt wird mehrseitig einseitig und einseitig mehrseitig. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
