Keiner ist vollkommen - Die, die Dir am nächsten sind, werden es Dir belegen. Weil sie Dir am nächsten sind. Suchst Du die Frommen, suche nicht unter Deinen Freunden. Nur die neben Dir einst gelegen, können Dich verleumden. Aber angenommen Du verzeihst nicht, wenn sie bitten, wirst Du den erhofften Segen auch draußen nicht finden bei Dritten. Denn keiner ist vollkommen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
2024
TIEFER
Ich brauche Tiefe. Hast Du sie? Willst Du zu mir, bring sie mit. Den innigen Blick, den tiefen und tiefer gehenden Schnitt. Ich habe Tiefe. Brauchst Du sie? Willst Du zu mir, werde grenzenlos. Wo ich stehe, und täglich tiefer hinein gehe, ist bodenlos. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MEIN VIELFÄLTIGES HERZ
Klopf Klopf! Wer ist da? Ich klopfe nicht, Conga, ich trommele Ich bin keine Conga, bin Dein Herz Wieso wohnen so viele Lieder in Dir denn? Das sind keine Lieder - Sondern?… Das sind Geschichten und Empfindungen Wessen? Wo kommen sie her? Sie sind Deine Aber sie sind so viele und so merkwürdig Ja, das ist Dein Herz. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ALLES POESIE
Poesie ist Leben. Ist Streben und dabei weben. Ist Geben, alles geben. Und ist Loslassen und vergeben. Poesie ist Lieben. Ist in einander schieben Getrieben Und sich gegenseitig sieben. Poesie ist Leiden. Ist Oberflächlichkeit vermeiden. Schwerter in Scheiden oder Seiden verkleidet sind unruhig in beiden. Poesie ist vieles, alles fast. Alles, was Du einst erlebt hast, verdichtet, in einem Satz erfasst, und es fällt von Dir ab wie eine Last. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SCHWEIGEN, EINE SPRACHE
Schweigen, eine Sprache, Weltsprache, oft schwieriger zu lernen als Englisch oder Swahili, schwieriger zu lesen als Russisch, Chinesisch oder Arabisch, schwierig zu verstehen, zu deuten, und am schwierigsten eloquent zu sprechen. Eine Innenweltsprache. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
AUS DER TIEFE
Ich bin aus der Tiefe aufgetaucht um auf der Oberfläche zu leben Aber jetzt fehlt mir die Tiefe wieder, das innere Weilen im ruhigen Erleben wo ich niemandem gefallen mußte außer meiner inneren Stimme eben. Die Sonnenuntergänge waren anders Die Gespräche inniger und wahrhaftiger Die Alleinsamkeiten waren nicht einsam Die Bindungen waren unabhängiger Klarheit, Sicht und Einsicht waren einerlei und flüstern jetzt: werde wieder lebendiger Denn die Oberfläche ist oberflächlicher geworden - und die Tiefe noch tiefer. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HAUTNAH
Ich spüre Euch so nah und dennoch so weit Eure Haut, so nah, trennt uns Euer Geist, so fern, kennt und erkennt die Gleichheit, die unerklärliche Gleichart, in uns - so weit und doch so nah. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER NEUE ANFANG
Als aus alten Ländern die neuen kamen mit alten Zügen und neuen Namen fragten sich manche, in Gruppen und allein, was bedeutet es, deutsch zu sein? Andere fragten sich, was haben wir gemein?, was bedeutet es, Mensch zu sein? Wir standen wieder an einem Anfang einer neuen Gleichart, die uns zwang, zusammen zu ziehen an einem Strang. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MOND
Eine Wölfin - Warum streift sie allein durch den Wald? Weiß sie nicht, ich komme bald? Hörst Du sie heulen, redend mit sich Tröste sie nicht, das mache ich Berühre sie nicht, sonst beißt sie Dich. Die Wölfin in Deinem Wald Sie heult für mich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MANCHMAL
Einmal ist manchmal wie tausendmal auf einmal. Zweimal wäre einmal zu viel Dreimal wäre so viel Wert wie keinmal. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
