NEBELVORHANG

Es ist etwas da
Wir sehen es nicht
Wir wissen nicht, daß es da ist,
geschweige denn es zu begreifen,
also zu verstehen und erkennen,
oder einfach nur irgendwie wahrzunehmen
Aber es ist da.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEBÄRMUTTER ICH

Gebärmutter Ich
schwanger wieder ich
formend wachsend neuerlich
in meinem Ich ein neues Ich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WELTEN HINTER WELTEN

Die Welt ist so viel mehr
als Dein,als mein, als jedes Land,
als unsere einzelnen Gesellschaften,
kleine Realitäten und Welten –
Jede abgeschlossene Sozialisierung
ist eine Binde, ist eine Wand;
mehr, ist ein Horizont, der suggeriert,
dahinter gibt‘s keine weiteren Welten.

Es ist fast beängstigend, zu erleben,
wie viel unentdecktes ungeahntes Leben
andere Welten und Geister beleben
jenseits der Welt in der wir überzeugt leben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MENSCHELN ÜBERALL

Wo auf Erden hast Du noch nie
die Menschheit getroffen?
Nirgendwo. Wir menscheln überall,
träumen, zweifeln und hoffen,
lieben, hassen, lachen, neiden und lassen,
und treffen reinkarniert immer wieder mal
Dinge, die wir längst vergaßen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

PORTAL ALS MENSCH

Sie sehen Dein Lächeln
Ich sehe eine Pforte
Sie spüren Dein Herz
Ich spüre eine Türklinke
Sie hören Deine Stimme
Ich höre ein Tor sich öffnen

Auch ein Portal,
will es die Erde besuchen,
muß sich als Mensch verkleiden;
es begegnet uns frontal,
während wir einen Ausweg suchen
und es mißachten, belächeln, vermeiden.

Eines Tages verschließt es sich wieder,
ein Herz verschweigt seine schönsten Lieder.

Che Chidi Chukwumerije 
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HINTERLASSENE GEDANKEN AM MEER

Bevor die Menschen kamen
wohnte das Schweigen hier
verschönert durch den Vogelsang
und das blaugrüne Meer…
- der Strand war nicht leer

denn ich traf Gedanken hier
die Andere schon vorher dachten
die vor mir auf dieser Bank saßen
und weinten und lachten…
- sie wollten die See beobachten

doch blickten sie in die eigene Seele
und sahen dadrinnen viel Meer
viel Leichtes, viel Schweres
und hinterließen starke Emotionen hier..
die auf Andere wirken werden immermehr.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

AN EINEM BAHNSTEIG ZU STEHEN

An einem Bahnsteig zu stehen,
allen Wartenden ins Gesicht zu sehen -
Wo wollen wir alle einzeln hingehen?

Züge kommen, im Handumdrehen
scheiden wir uns, wie viele Ehen,
steigen um ins nächste Geschehen
und werden uns alle nie wiedersehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VERTRAUENSFLÜGEL

Vertrauen
hat die Flügel eines Traums
Zurückschauen
in die Leere eines Zeitraums
der verschwunden ist,
bringt nichts…
Vertrauen, einmal unterbrochen,
wie ein Traum, - ist weg.

Che Chidi Chukwumerije 
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

EINE ANDERE MENSCHHEIT

Eine zweite, nein, erste, Menschheit
wohnt tief unter der Oberfläche
der scheinbar herrschenden Menschheit 
wie eine unsichtbare Tragfläche -

Sie besteht aus denjenigen,
deren Geist Gottes Naturgesetze 
schweigend versteht als die alleinigen
Verwalter unser aller Schicksalsnetze. 

Diese Menschen beteiligen sich auch
an Politik, Wirtschaft, Gesellschaft,
an Akademie, Kunst, Sitte und Brauch,
aber sie machen alles gewissen-haft. 

Keiner Nation, Kultur oder Religion
gebührt mehr Treue als Deinem Gewissen.
Die Zukunft braucht neue Vision
und ein in Liebe verwurzeltes Wissen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

STREIT

Ich lasse los
wenn der Zwist
viel zu groß
geworden ist
Ballon voller heißer Luft,
wie eine formgewordene Kluft,
steigt empor und verpufft.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung