REINKARNATIONSGRUND

Die Anzahl an verschiedenartigen Dingen,
die an einem Tag geschehen können;
Du kannst den Tag damit verbringen,
Dich für ein Hundert Leben zu versöhnen.
Denn trotz allem will Gott Dich schonen.

Es reimt sich nicht ganz genau,
ist aber nah genug, um zu funktionieren;
In der Wirkung stimmt es haargenau.
Du musst Dich an alles nicht erinnern,
Du musst nur richtig reagieren.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DEIN HERZ IST EIN FERNGLAS

Dein Herz ist ein Fernglas.
Wenig trifft Dich, was
es nicht vorher versucht hat,
Dir zu zeigen. Jede Tat,
Sichtbares, Fühlbares, Hörbares,
war schon lange fein Wahrnehmbares -
aber wer hört denn gerne zu,
wenn das Herz empfehlt, daß Du
einen Wunsch aufgibst, oder noch
schwerer, einen Charakterzug doch
überwindest, den Du lieb hast
aber der Dir eines Tages zur Last
werden wird. Diesen zukünftigen Schmerz
sieht heute bereits Dein Herz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MIT MENSCHLICHKEIT BEGABT

Wir verwechseln Kunst mit Spiritualität,
genauer: mit geistigem Streben,
obwohl nichts im Geistigen höher steht,
als mit gutem reinem Wollen zu leben -
das einfachste und das schwierigste.

So viele Menschen dünken sich
talentfrei, leer und unbegabt -
aber sie denken dies irrtümlich.
Manche sind mit Menschlichkeit begabt,
das einfachste und das schwierigste.

Täglich, ehrlich, mit anonymster Stabilität
hohe Werte zu verkörpern und zu geben:
Das allein ist die ernste Spiritualität;
das ist das aufbauendste geistige Leben,
das einfachste und das schwierigste.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UMRISSE

Als wärest Du aus dem Feinstoff
der Schöpfung Erinnerung herausgerissen,
schiesst Du - zersplittert - schroff -
über die Leinwand in meinem Gewissen,
und ich hoff, ich hoff, ich hoff!:
Ich ersticke nicht beim Dich Vermissen,
Du meine Luft, Du mein Sauerstoff!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER RISS

Realität blinkt, rauscht, flackert.
Elektronischer Bildschirm leuchtet stabil.
Wahrheit, uneben, wird zusammengetackert.
Lügen pflegen ein glattes Profil.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS ENDE

Der merkwürdigste, sonderbarste Teil
eines Gedichts ist jedes Mal sein Ende.
Eine Empfindung, die wie ein leiser Pfeil
mich ruhig durchdringt wie jene Abende,
an denen sinnend sitzend am Fenster daheim
ich dem Schweigen lausche - es spricht Bände
und wird meinem Herzen den schönsten Reim.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UNWISSEN IST OHNMACHT

Unwissen ist Ohnmacht
Unwissen ist ohne Macht beschwerlich
Unwissen ist mit Macht gefährlich
Unwissend seines Unwissens unwissentlich
Oder doch wissentlich?
Aber ob mit oder ohne Macht
Vor Unwissen hab Acht!
Keine Wut ist mächtiger als die Ohnmacht
Keine Macht ist wütender, wissentlich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WISSEN VON UNWISSEN

Wissen ist Macht
Wissen ist machen
Wissen macht
Oder besser noch:
Wissen schafft!
Und doch
kommt die Veränderung stets anders
als man denkt und hofft.
Denn die Eigenschaft
von Wissen ist,
daß es die Krönung ist
von Unwissen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WO DER BODEN NICHT BEREIT IST

Helfende Worte helfen nicht immer,
wo der Boden nicht vorbereitet ist,
Hilfe anzunehmen. Es wird schlimmer
noch, treffen sie auf einen Narzisst.
Der Helfenwollende berührt eine Wunde.
Der Hilfeablehnende, in seinem Abgrunde
gefangen, fühlt sich erwischt, ist angepisst!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UNNÖTIGE BRÜCKEN

Weil jeder Gedanke zurück kehrt,
schick nur Deine besten von Dir fort.
Weil Dein Wort Dich ehrt oder entehrt,
spürst Du in Deiner Empfindung sofort,
wenn Du es falsch verwenden hast
oder wenn es das Beste in Dir erfasst.

Ich sage nichts mehr,
was ich nicht unbedingt sagen muss.
Wüsste ich dies nur eher,
bliebe manch eine Begegnung beim Gruß
gefolgt von einem klaren Abschied
und, ungestört, meinem inneren Fried.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung