DEIN FLUGBEGLEITER

Sollen wir fliegen?
Fliegen wohin?
Da, wo wir uns nicht verbiegen,
dahin.
Ich fliege mit,
Dein Flugbegleiter -
erklimmen zusammen Schritt für Schritt
die Himmelsleiter.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ES IST SCHWER

Der Mensch und seine Gedanken
wie alle Monde und deren Erden
gegenseitig gefangen und tanzen
in ihren jeweiligen Gravitationsfeldern
Sie steigen und sinken zusammen.

Es ist schwer, anders zu denken, als Du bist.

Der Mensch und seine Empfindungen
wie alle Erden und ihre Sonnen
an einander gekettet in festen Bindungen
in ihren gegenseitigen Gravitationsbahnen
Sie steigen und sinken zusammen.

Es ist schwer, anders zu empfinden, als Du bist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MUTTER LOS

Du warst so weit weg
Die Milchstraße selbst war näher
Du warst so weit weg
So weit der Weg, so weit das Meer,
Kein Strand, kein Landungssteg
Keine Hand, kein Trost mehr

Wir schwammen schwammen schwammen
Durch Qualen Ängste Krisen Dramen
Grübelten über ein unerklärliches Karma
Beteten: Mama Mama Mama -
Wo bist Du?… Wo ist sie? Amen.
Wann sind wir alle wieder zusammen?

Du warst so weit weg
Dann kamst Du plötzlich wieder näher
Wir waren schon so lange unterwegs
Ich erkannte Dich nicht mehr.
Ankunft. So fremd dieser Landungssteg -
Ich bleibe innerlich leer.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GESCHEHEN-GEBUNDEN

Der Zug rollt ab, wie ein Geschehen,
aus dem Du nicht mehr aussteigen kannst.
Durchs Fenster wirst Du vieles sehen,
an dem Du Dich nicht beteiligen kannst.
Du kannst weder stoppen noch umdrehen;
die Fahrt erleben ist alles, was Du kannst.
Es bringt nichts, zu bitten oder zu flehen,
Du bist Geschehen-gebunden. Du kannst
im Zug sitzen bleiben oder aufstehen,
rumlaufen, mit anderen reden. Du kannst
Freunde finden, die den selben Weg gehen
wie Du, mit denen Du Wärme teilen kannst.
Enge Verbündete wie in Familien, oder Ehen,
oder im Krieg, oder im Knast. Werte kannst
Du schöpfen, Bunde formen, die nicht vergehen
werden, wenn Du endlich umsteigen kannst
an der nächsten Station in Deines Lebens Geschehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UNSICHTBARE FÄDEN

Manche sind Dir nah, aber Ihr
werdet Euch niemals begegnen…
Manch andere sind fern von Dir,
doch so sicher wie es regnen
wird, so sicher wie die Gezeiten
hinaus und wieder herein gleiten,
ebenso sicher werden sie vom Weiten
immer wieder zu Dir zurück reiten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HEIMAT DES HERZENS

Was Du sagst, macht manchmal keinen Sinn,
Dennoch empfindet mein Herz seine Heimat dadrin.
Es macht für den Verstand oftmals keinen Sinn;
Doch wo es Empfindung spürt, da will das Herz hin.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FREUNDE GEWESEN

Ich höre ihn nicht
obwohl er spricht
Ich höre nur den Wind

Ich sehe sie nicht
sehe nur ihr Gesicht
Und ich bin nicht blind

Wir lachen zusammen
bis tief in den Abend
weil wir Freunde gewesen sind

Doch keiner sieht die anderen
und keiner hört die anderen
mehr. Nur Gesichter und Wind

Verschlafen in jedem ist das innere Kind.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TREFFEN OHNE ZU TREFFEN

Das, was wir am Häufigsten tun:
Uns miteinander treffen.
Das, was wir am Häufigsten tun:
Uns gegenseitig verfehlen.

Tausend Begegnungen mit Worten
die auf „Treffen“ nicht zutreffen.
Tausend Erzählungen in Worten
die Vieles sagen aber nicht zählen.

Tausend Gelegenheiten verpassen
uns wirklich innig zu verbinden
Tausendmal anfassen ohne zu erfassen
die Fäden, die uns innerlich binden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VERSUCH ES NOCHMAL

Akzeptiere Deine Niederlagen
Aber lass sie Dich nicht davon zurückhalten
Morgen erneut mutig zu wagen
Du sollst mehr als nur Altes vorsichtig verwalten
Du musst auch das Neue jagen.

Irgendwo da draussen, nein da drinnen, im Wald

Verpasst Du ständig ein Geheimnis und es verschwindet bald -

Versuch es nochmal, versuch es schnell; ich verschwinde bald.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHLICHT UND WAHR

Die Wahrheit ist weder jung noch alt,
Die Wahrheit ist die Wahrheit;
Sie ist weder männlich noch weiblich,
Sie ist die Richtigkeit, mit Klarheit;
Hat weder schwarz noch weiß als Inhalt,
Nur die unparteiische Ehrlichkeit;
Wahrnehmbar geistig, seelisch, leiblich,
In der Redlichkeit liegt die Herrlichkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung