Ich gehe immer weiter Hoff nicht auf meine Rückkehr Die rückt nicht näher Die kommt, ich komme, nie mehr Ich bin ein Befreiter Eure Fesseln haben mich innerlich befreit Eure Angriffe machten mich vor neuen gefeit Eure Wegelagerer geben mir sichres Geleit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
2024
DEINE SPRACHE
„Komm“ ist keine Sprache, sondern die Art und Weise, wie Du „komm“ sagst, das ist eine Sprache. Deutsch ist keine Sprache, sondern die Art und Weise wie Du Deutsch sprichst, das ist eine Sprache. Deine, persönlichst. Weder Dialekt noch Grammatik kann sie ändern. Du kannst keine neue Sprache über eine App oder in einer Schule lernen - Liebe ist eine Fremdsprache, aber die Art und Weise wie Du liebst, das ist Deine Sprache. Und Deine Liebhaber verstehen sie ohne sie vorher zu erlernen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SELBSTRAUM
Menschen wie Luft Einatmen, ausatmen Verbrannt, verpufft Schreie und Hymnen Zahllos wie die Sterne im All Wie die Sterne nah doch fern und überall Wie die Sterne erst der Urknall Danach entfernen sie sich voneinander kontinuierlich… Welt-, nein, Selbstraum. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GEDULDIG MIT ERLEBEN
Zu einem Menschen ohne Geduld kannst Du nicht sagen Hab Geduld Zu einem Menschen mit Angst oder Wut kannst Du nicht sagen Hab keine Angst oder hab keine Wut Was Du hast, hast Du Was Du nicht hast, hast Du nicht Nur durch Erleben lernst und wächst Du, Durch Worte allein nicht. Lass die Ungeduldigen ihre Ungeduld erleben Lass die Ängstlichen ihre Angst erleben Lass die Wütenden ihre Wut erleben - Ohne Sichselbstsein kein wahres Erleben Erleben und die Rückwirkung wieder erleben Eine Schule ist das Erdenleben Ohne Erleben kein Werden, kein Leben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZUSAMMENFAHREN
Sollen wir zusammenfahren? Der Sitzbezug sieht aus wie ein brennender Wald, rot mit Tigern und Palmen. Keine Distanz ist genug, der Nebel am Zugfenster bleibt unser Limit. Du musst meine, ich Deine, Aussicht sein auf einer Empfindungsreise durch Innenwelten, wo das Wahrsein mehr zählt als der Fahrschein und nur natürliche Schöpfungsgesetze gelten. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GEDANKENSPIELE
Gedanken wandern unter uns wie Geister, suchen neue Sklaven und neue Meister, überfallen uns; Entschuldigung: fallen uns ein. Mein Herz, mein Herz, wie tief Du bist, erkennst jeden Gedanken so wie er ist - Klopf, Klopf. Aber Du lässt nicht jeden herein. Geben und Nehmen und ahnen es nicht, das ist unser Leben hinter unserm Gesicht. Klopf, Klopf. Aber Du lässt nicht jeden herein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
PANORAMAAUGEN
Ihre Augen waren so groß wie Panoramafenster, durch die ich meine ganze große Welt, vor mir ausgebreitet und erhellt, erblickte; einladend, komm herein, erkundige mich, mach mich ganz Dein Heimatland. Lass mich nie wieder allein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GEWICHT
Manchmal spüre ich
das ganze Gewicht des Seins.
Alles Streben, alles Leiden, alles Sehnen
der Welt ist meins.
Alles, was meins ist, ist Deins.
Alles, was wir sind und haben,
stammt von Gott, ist SEINs.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WAFFEN
Todesbringer, als wären sie oberflächliche Grüße an die Gruft, fliegen flippant durch die Luft zu Freund und Feind ohne zurückzukehren. Diese Grüße sind ernst gemeint. Todernst. Waffen teuer verkauft. Menschenleben mit Feuer getauft, billig in Kauf genommen. Schweigen weint. Sterben hat nun mehr Wert als Leben. Marktwert. Der Höchstanbieter des Todes krönt sich zum Lebensgebieter. Wer wird uns dieses Zeitalter vergeben? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KINDER UND BLUMEN
Er gießt täglich die Blumen, geduldig wie Mutter Erde. Die Kleinigkeiten sprechen Volumen über das, was aus jeder einst werde. Das Herz ist ein bunter Garten, die Liebe ist der große Gärtner - Nur hoffen, warten und erwarten können Eltern und Kindergärtner. Es gedeihen, welken, gedeihen ihre Tugenden und Eigenschaften. Fehlzüge, die wir ihnen verzeihen; große Stärken, auch Leidenschaften. Sie gießt täglich die Blumen, geduldig wie Vater Zeit. Kleinigkeiten sprechen Volumen bei dieser liebevollen Arbeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
