Wenn jedes Gedicht ein Schritt ist, welchem Gedanken nähere ich mich? Wenn jeder Gruß ein Abschnitt ist der menschlichen Reise ins Friedensreich, wenn ich da ankomme, sehe ich Dich? Wenn jede Trennung ein Tritt ist in den Hintern, weil Du weiter gehen musst, weiter suchen musst, hast Du noch Lust? Wenn jeder Tag ein Zeitlimit ist, erfüllst Du täglich alles in Deiner Brust? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Dichtung
ECHO DER UNSTERBLICHKEIT
Wenn ich wie das Herz wäre, würde ich 100.000 Mal pro Tag meine Liebe, die grobe und die hehre, hinaus senden, einen Heiratsantrag, an das Leben, dessen endlose Fragen uns umgeben, dessen Geheimnisse in uns hervor ragen als Gewissensbisse, als Empfindungsschübe, die uns plagen, wenn wir uns seinem Drängen widersetzen. Das Leben, dessen magische Kräfte als Freude und Zuversicht uns besetzen. Du bist‘s, dem ich mich anhefte, herzklopfend 100.000 Mal am Tag, sterbliches Echo der Unsterblichkeit. Und was meine ich mit jedem Herzschlag? Immer wieder nur: Dankbarkeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GESTERN VERSCHWAND
Gestern verschwand so schnell und wird es täglich wieder tun. Heute ist gestern’s flüchtiger Appell an uns, nicht träge uns auszuruhen. Denn heute ist das fixe Gesicht von gestern einmalig im Entstehen. Wir schreiben vor Mitternacht das Gedicht und so wird es die Welt für immer sehen. Was für ein Moment der Moment ist, was für eine Macht seine Macht hat - den Wachen macht er zum Opportunist, dem Schlafenden bleibt er ein leeres Blatt: Bitte nicht wenden ohne zu verwenden. Ungeschrieben. Ungenau und unbeschrieben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EINFACH WEITER SCHREIBEN
Das Gedicht endete so schnell, So plötzlich, brauchte keinen Reim, Ein Leben, intensiv und hell, Bald ist der Geist wieder Daheim. Meine allergrößte Schwäche Ist die lebenslange Unfähigkeit, Zuzugeben meine größte Schwäche: Die unheilbare Einsamkeit. Kein Fremdland kann einsetzen, Was in der Heimat fehlt - Kein Fremdgang kann ersetzen, Was Dir die Ehe stehlt. Und währenddessen endet Das Gedicht insgeheim. Dein Schmerz hat Dir geblendet - Es hatte doch seinen Reim. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EINSAM IST DAS DICHTEN
Einsam ist die Dichterin, der Dichter, Ein Mensch unter tausend Gedanken. Und Du, seine Richterin oder Richter, denk doch zuerst an dieses Innengeflüster, bevor Du anfängst, mit ihr oder ihm zu zanken. Wir sind mehr als Rasse oder Farbe, mehr als Geschlecht oder Gender, mehr als Kultur oder Klasse oder Behinderung, Orientierung, Bildung, mehr als politisches Agenda. Wir sind die Nacht, wir bergen Geheimnisse, von denen sogar wir noch nichts wissen, bis sie raus schlüpfen, namens Gedichte. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WAS ICH AN DIR MAG
Danke, Tag, Ich mag Deine Art Wie sie zart mich annahm Aber zahm warst Du nicht Wie ein Gedicht vielschichtig Wer unvorsichtig Dich aufmacht Spürt die Macht Deiner Willkür Nur eine Tür - Feinfühligkeit - Sichert Deine Gefügigkeit. Das Ist das, was ich an Dir mag. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER FRÜHLING UND DER SPÄTLING
Der Frühling und der Spätling, so wird ihnen oft berichtet, sehen und fühlen sich ähnlich - einer singt, was der andere dichtet. Wo unterscheidet sich Gestalt vom Inhalt? Der eine spiegelt, was der andere malt. Das Herz bleibt gleich, ob jung oder alt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE MACHT DER WORTE
Unser ganzes Leben ist ein Versuch, unseren Körper, diese schwere Fleischlast, unseren Gedanken und Empfindungen hinterher zu schmeißen. Doch alle Flugzeuge der Welt, alle Autos, alle Züge, Fahrräder und selbst die flinkesten Beine schaffen es nicht, Schritt zu halten mit dem Zug unseres Innenlebens. Nur diese Dinge - Mund, Zunge und die Hände - haben die Macht, annähernd den Gedanken und Empfindungen zu entsprechen… und zwar dann, wenn sie Worte formen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
UNSRE KLEINE NACHTMUSIK
Wenn wir wollen, können wir, sollen wir stöhnend in Mollen Liebe machen. Schlafen und aufwachen und weitermachen und lachen, in unsrer Nachtmusik verschollen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
LIEBE IST WIE EIN GEDICHT
Liebe ist wie ein Gedicht
Du kannst sie nicht zwingen
Sie wird Dir gelingen
Wenn sie Dein Herz offen bricht.
Und während Du wartest
Auf das, was Du erwartest,
Vollendet sich Dein Gedicht.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
