HERZDRUCK

Die kalte Erde
drückt den Schnee
fest gegen ihre Brust
so fest, es tut ihr weh

Schmerzmittel
Herzkittel
Kälteres Jahresdrittel
und es tut immer noch Weh.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ARBEITNEHMER

Wir schaffen bis geht nicht mehr
denn es geht nicht mehr
Wir tragen einen Traum
doch trägt der Traum uns? Woher
wolang wohin? Ich weiß es nicht.
Arbeiter und Angestellte tun ihre Pflicht
und blicken auf ihre Hände - leer.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NOCH DA

Nie sind die Menschen noch da,
wo sie einst waren, wenn Du wiederkehrst -
Komme keinem Menschen zu nah,
sonst fühlst Du Dich als ob Du nie da wärst.

Ich will nicht mehr traurig sein
aber glücklich sein macht mich traurig
und traurig sein macht mich glücklich
und unter Menschen fühle ich mich allein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FAST ZU VIEL

Es ist fast zu viel
Es erfüllt meine Brust
Mein Herz ist zum bersten voll
Lust. Frust. Verlust. -
Lust aufs Leben
Frust, Herzbeben
Verlust vergeben
Unbewusst
Und dennoch selbstbewusst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ZU SCHMERZVOLL

Stimmen im Hintergrund
Erinnerungen im Vordergrund -
Freunde spielen und lachen
und merken dein Schweigen nicht -
Du erinnerst Dich an Sachen
zu schmerzvoll für jedes Gedicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung 

WAHRHEIT ODER PFLICHT

Manche folgen nur materiellem Erfolg;
Wenn solche in Deinem Leben erscheinen,
werde wachsam. Silber und Gold
ziehen das Niedrige an. Zu den Deinen
darfst Du solche niemals zählen.
Lasse lieber die herein, die Wahrheit sagen,
egal ob sie Dir schmeckt oder nicht;
Die Dich lesen ohne darnach zu fragen,
die Dir stehen bei Wahrheit und Pflicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER SCHNEE KAM ZU BESUCH

Der Schnee kam zu Besuch
Ummantelt von einem weichen Tuch
weißhaarig beim Tagesanbruch
ohne Geräusch und ohne Geruch
liegt die Erde da wie ein Buch
daß ich lesend durchfahre im Zug
und kriege von ihm nicht genug.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WINTERWACHSTUM

Die Nacht ist still
Der Schnee hat viel zu sagen
Stattdessen hat er viel verschwiegen
Der Mensch kann viel ertragen
Ohne zu brechen oder sich zu verbiegen
Wenn er wachsen will.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

LÜFTEN

Und sollen wir atmen?
Denn das Grab futtert Blumen
Und das Herz einst eine Gruft
Öffnet sich - und das spricht Volumen -
zum Lüften.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SINN

Danke für das vergangene Jahr,
Für die Freude und für den Schmerz.
Ich habe verloren um ein Haar
Meinen Verstand und mein Herz.

Danke für das neue Jahr,
Für Hoffnung und Neubeginn.
Ich bin die selbe Person zwar,
Doch hat das Leben neuen Sinn.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung