ÜBER LEBENDE

Sie erleben den Schmerz,
Er belebt ihr Herz.
Das aufgerüttelte Innenleben
Möchte sich ausleben.

Ob sie leben, ob sie sterben,
Über Blumen gehen oder Scherben,
Hören sie nie auf, für die Liebe zu werben.

Ich wollte schreiben über Leidende
Und jetzt schreibe ich über Lebende.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KOMMUNIKATIONSEBENEN

Deine Augen
Schwarze Augite
Lesen zu viel Kontext
Machen zu tief Kontakt
Sorgen für Kontrast
Zwischen Reden und Schauen und Anfassen
Drei Botschaften auf drei Ebenen
Auf welcher sollen wir uns treffen?

Stell Dir vor:
Wir verbringen ein ganzes Leben
Auf der falschen Kommunikationsebene,
Sagen alles, was auf dieser Ebene
Zu sagen ist…
Und dennoch verstehen wir uns nie.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UNSERE WÄLDER

Am Schönsten ist nicht immer am Tiefsten.
Vorsicht: Wen nennst Du da Deinen liebsten?
Ein schönes Gefängnis ist ein Gefängnis;
Freiheit ist die schönere Schönheit,
Alleinsein ist besser als Einsamkeit,
Ein goldener Käfig ist ein Käfig.

Wenn der Wald in mir anfängt zu reden,
Versteht der Wald in Dir? Oder ist Dein Eden
Hort eines anderen Baums der Erkenntnis?
Eine andere Eva, eine andere Schlange,
Ein anderer Adam. Eine andere Wange
Spürt Deine Tränen, mit mehr Verständnis.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE MENGE MACHT‘S

Die Bäume sind der Wald,
Nicht jeder für sich allein,
Sondern alle im Zusammenhalt,
Groß und klein.

Die Menschen sind die Menschheit,
Nicht jeder für sich allein -
Sondern wir alle als Gesamtheit.
Einer allein ist noch kein Verein.

Die Gefühle sind die Gesellschaft -
Die um Hilfe flehende Misskommunikation,
Die Sehnsucht nach Freundschaft,
Das Gesetz der Reciprocation.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KEINE ANGST

Keine Angst
Dein Mut ist Deine stärkste Waffe
Hab keine Angst vor Deinem Mut

Sie fürchten Deinen Mut
Um Dich besiegen zu können
brauchen sie Deine Angst

Dein Mut ist Deine stärkste Waffe
Je mehr Drohungen sie ausspucken
desto mutiger werde Du!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WO DU UNZUFRIEDEN BIST

Unruhe!
Der Tag ist ein Tausend Glasstücke
ein Hundert Fenster, ein Boden voller Türen
Ich finde meine Ruhe nicht. Keine Lücke
keine Brücke, keinen Weg hinaus
aus der Ruhelosigkeit. Unterdrücke
mich nicht!, lacht der Bewegungsdrang -
Wo Du unzufrieden bist, da geht‘s manchmal lang!
Also: Ruhe!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HALTE MICH EIN ZWEITES MAL

Halte mich ein zweites Mal
bevor wir uns trennen
Wir werden uns nie wieder sehen
so wie wir uns jetzt kennen
Die Fäden der Veränderung
werden ihre Wege weiter rennen
Wir öffnen ständig neue Bahnen
mit allem, wofür wir sonst brennen
Mit tiefster Intimität also nun
sollten wir uns gegenseitig scannen
Ein letztes Mal voll treffend
uns die Kosenamen gegenseitig nennen
Die ganze Nacht wach bleiben
unseren Traum nicht verpennen
Wir überleben die Trennung eh nicht
lass uns heute uns aneinander verbrennen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ES KOMMT AUF DAS INNENLEBEN AN

Wer lang genug lebt,
hat genug Sommer erlebt
und genug Winter,
um zu wissen, wie ähnlich sie sind,
nur mal kälter mal wärmer der Wind,
doch nicht das Wesen dahinter.

Das Herz wird frieren,
wenn wir Liebe und Hoffnung verlieren
in jeder Jahreszeit.
Und wärmer wird das Herz,
überwindend Einsamkeit, Verlust und Schmerz,
strebt es allezeit
nach Wahrheit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KAPAZITÄT ZUR EINSAMKEIT

Er sitzt, überwiegend allein,
in seinem Internetcafé.
Er grüßt, lächelt, kommt rein!,
nippt an seinem Kaffee.
Er grüßt, lächelnd, Auf Wiedersehen!,
und ist wieder allein.
Die Stunden, die täglich vorbeigehen,
markieren in Einsamkeit sein Sein.

Selbst ist der Gesprächspartner
Sich selbst der einzige Berater
Sein Internetcafé sein Lebenstheater.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINFACH WEITER SCHREIBEN

Das Gedicht endete so schnell,
So plötzlich, brauchte keinen Reim,
Ein Leben, intensiv und hell,
Bald ist der Geist wieder Daheim.

Meine allergrößte Schwäche
Ist die lebenslange Unfähigkeit,
Zuzugeben meine größte Schwäche:
Die unheilbare Einsamkeit.

Kein Fremdland kann einsetzen,
Was in der Heimat fehlt -
Kein Fremdgang kann ersetzen,
Was Dir die Ehe stehlt.

Und währenddessen endet
Das Gedicht insgeheim.
Dein Schmerz hat Dir geblendet -
Es hatte doch seinen Reim.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung