Die vielen Menschen in der Stadt, die täglich sich seelisch wappnen gegen die vielen Menschen in der Stadt, treffen in allen Ecken, auf allen ihren Wegen, die vielen Menschen in der Stadt. Dann ignorieren, irritieren, verletzen, erregen die vielen Menschen in der Stadt sich gegenseitig, ohne den Verdacht zu hegen, die vielen Menschen in der Stadt: dieses Sich-aneinander-Reiben ist ein Segen für die vielen Menschen in der Stadt, denn nur so können wir das Miteinander pflegen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Emotionen und Gefühle
ABENDLICHE EMPFINDUNGEN
Wenn der Abend, wie ein Riese, uns mit großen Flügeln umarmt, verdunkelt Straße, Wald, Wiese; wenn Astraios sich unser erbarmt, lässt ahnen die tiefen Paradiese, denn unser Herz hat sich verarmt an unserer Welt unendlicher Krise; Wenn jeder Baum zum Wesen wird, beobachtend den Oktoberabend, still, und Schatten tanzen seltsam und wierd - es fühlt sich an wie ist aber nicht April - die Gedanken, die sich tagsüber herumgeirrt haben, ahnen nun, was die Empfindung will, kehren zu ihr zurück wie Schafe zum Hirt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ÄNDERUNG UND VERÄNDERUNG
Such nie den alten Freund im neuen - Menschen verändern sich von Tag zu Tag, auch Dein Freund, selbst von Moment zu Moment unmerklich wie das Wetter, ziehen gleich den Gezeiten von Mond zu Mond nach einem Herzbeben und wandeln im Geist der Jahreszeiten. Ein Jahr ist eine lange Zeit im Leben eines Menschen. Erwarte nie den selben Menschen heute wie den, der gestern ging - Suche nie den alten Freund in dem alten neu erschienenen halb Freund halb Fremdling - Ihr beide habt Euch verändert. Aber, hat das die Freundschaft geändert? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
RADIO
Ich kann meine innere Stimme nicht hören Das Radio läuft im Uber, Killing Me Softly tötet mich laut. Ich will mich nicht empören Die Musik verführt mich wie sanfte Schorle Fahren ist schön, fahren lassen aber auch Nehmen berauscht, nehmen lassen auch Gesellschaft ist schön, aber Alleinsein auch. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
TIEFER VERSTEHEN
Schmerz, Du tröstest mich, da die Freude zu schwach war um mich zu verstehen wirklich - sie dachte, alles sei wunderbar. Aber Du, Schmerz, bist tiefer, Du kennst, verstehst, mich besser, denn Du warst stets an meiner Seite von Anfang an - und bis zum Ende. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
INNEN LEBEN AUSSEN
Obwohl es Innenleben heißt zeigt es sich in den äußeren Zügen unserer Gesichter. Der Geist drückt, der Körper muss sich fügen. Wie viele Lächeln versuchen vergeblich eine verwelkte Blume zu begraben? So viele Küsse sind einvernehmlich aber die Liebe ist selten leicht zu haben. Ich sehe Dich und umarme Dich ohne Dich anzuschauen oder anzufassen Wir umarmen uns inniglich ohne uns zu lieben oder lieben zu lassen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
LIEBE ALS RATTENFÄNGER
Ich habe von Menschen gehört, die ahnen, daß es nicht funktionieren wird, dennoch gehen sie wie getrieben der Liebe Bahnen entlang, hoffend es wird funktionieren doch - und verenden gefangen in einem Loch. Was ist diese Macht, die uns dazu zwingt zu tanzen, obwohl die Liebe nicht singt und nur die Musik des Rattenfängers klingt? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EMPFINDE DIE ERBSE
Übe und lerne unruhig zu liegen auf weichen sanften bequemen Betten wie die Prinzessin auf der Erbse - Deine Empfindung wird Dich retten im Dunkel ohne Stab, ohne Leiter, ohne Kerze wird ein Hauch des Falschen Tonnen wiegen auf Deinem Gemüt. Du wirst es spüren, eine feine Empfindung ohne große Erklärung - Schichten von Geschichten ersticken sie nicht - Wenn etwas nicht stimmt, fühlst Du die Störung. Und das Empfundene, ob Gericht oder Gedicht, spürt stets die Worte auf, die dorthin führen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE LIEBE BLEIBT
Ich komme und gehe wie der Morgen, wie der Abend wie ein Weltkörper drehe und drehe ich mich andauernd fragend aus einem Bewusstsein ins andere - merkwürdig, wie ich mich ständig verändere. Die Menschen, die innig mit mir in Liebe verbunden sind… die Sehnsucht macht uns wahnsinnig denn die Liebe macht uns blind, deshalb auch wenn wir uns nicht sehen lebenslang bleibt unsere Liebe bestehen. Vieles überlebt alle Veränderungen nicht aber die Liebe bleibt bis zum jüngsten Gericht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HEUTE SCHREITET NOCH EINE WEILE
Ich sehe Euch wie Ihr schnell die Sonne sucht, nach dem Morgen seht, nach der Dämmerung sehnt Gerne würde ich die Arme nach Euch strecken und rufen Halt! - denn Heute schreitet noch eine Weile im Kreise um Euch mit ausgebreiteten Schätzen herum… Doch keine Rufe sind so hell wie die Sonne, keine Arme so stark wie der Morgen. Sie reichen nur zum Auf Wiedersehen Sagen und aus der Ferne Auf Wiedersehen Winken. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
