LEISE BEWEISSTÜCKE

Selbst unsichtbare Füße
hinterlassen Abdrücke –
wie merkwürdig

Wichtig ist nicht die Wirkung
sondern die Auswirkung
Es gibt immer eine Rückwirkung

Selbst unausgesprochene Worte
bleiben laut im Gedächtnis
und sind Teil der Geschichte

Sie lauern zwischen den Zeilen
Als Lügen verkleidete Wahrheiten
Als Wahrheit verkaufte Lügen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KURZER REGEN

Die Wolken waren meine Gedanken
die ich von Dir fern hielt
doch wenn ich weine, rühren sie Dich

Aber nur kurz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KOMM ZURÜCK

Immer wenn ich gehen muss
und sehen muß
wie Euer jede Blick flehen muss

baut ihr mir Stück für Stück
aus aller Ferne den Weg zurück
nach Haus und Glück.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FLUGZEIT

Wie tief ist das Loch
in dem wir seit der Geburt fallen?
Und fallen und fallen
und fallen und fallen –
Zwischen dessen grauen Wänden
unsere Träume hallen und nachhallen?
Die Echoes, wenn sie uns erreichen,
siehe, die sind scharfe Krallen!
Und wir fallen und fallen
und fallen und fallen
Bis zum Moment, an dem
wir gegen die Erkenntnis prallen,
daß wir die ganze Zeit Flügel hatten…
kurz bevor wir auf den Boden knallen!!
Oder nicht.
Spannt Eure Schwingen, hebt ab –
Adler. Tauben. Raben. Rallen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEWISSENLOS

Risse in Deinem Gewissen –
Bisse tun Dir nicht mehr Weh.
Wirst Du den Schmerz vermissen?
Oder starb in Dir auch das Heimweh?

Lange lange lange Reise
Nicht nach Afrika oder Asien oder ins All
Lange lange lange Reise
Wie ein Schrei im freier Fall
Unterwegs vom Berg ohne Tal
Ohne Aufprall
Ohne Widerhall.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TAUZIEHEN

Der Winter taut sporadisch
wie ein verrückter Mann im Selbstgespräch mit seinen Träumen
Und weiß nicht, ob vor oder zurück –

Opportunistisch hockt der Frühling
im Hintergrund und wartet …
Atemzug um Atemzug wartet er
auf seine Gelegenheit, zu zu schlagen

Hin und her taumelt die Welt
zwischen Kampf und Versöhnung
zwischen Akzeptanz und Ablehnung
Zwischen Verzweiflung und Hoffnung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ERNSTE GESICHTER

Morgen gehe ich hinein in die Welt –
Jedem, dem ich begegne,
schulde ich ein Lächeln. Ihr werdet
es aber nicht auf meinem Gesicht sehen
denn ich habe gelernt: niemals
bin ich nackter
und ungeschützter
als in dem Moment, an dem
ich Dir das immerwährende Lächeln zeige,
das sich hinter meiner Maske verbirgt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WACHSENDE FREUNDSCHAFT

Freundschaft
Ein Sohn, der zu seinem Vater hoch schaut
und in ihm einen Freund sucht –
Wenn ihm die Zeit eines Tages den Vater klaut
Hinterlässt sie zwischen ihnen die Frucht der Sehnsucht:
Die Männerfreundschaft.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DEINE STIMME IN MEINER WILDNIS

Wenn ich könnte
würde ich Deine Stimme
in meiner Seele aufbewahren –
ein nimmer ausklingender Widerhall.

Denn Du drückst mir immer die Daumen
wenn ich den Weg in meinen Traum verliere
deine Stimme, wie ein Weckruf, ist da –
Du schaffst das! Du schaffst das!

Je wilder, desto vertrauter –
Ich nehme Dich mit in meinen Traum
Du wirst lauter und lauter und lauter
schreien: Ich bin jetzt Dein Echoraum.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LACHEN

Ich träumte heute von einem Gefangenen
der selbst sein Gefängnis war und
gerne daraus brach

denn ich wohne in meinem Trauern
doch mehrmals am Tag entfliehe ich ihm
immer wenn ich lach.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung