Verzeihung - Ich bitte nicht um sie Ich biete sie Dir an Verzeihung. Rache nie. Auch wenn es weh tut Vor allem wenn es weh tut Denn wenn es nicht weh tut Braucht es keine Verzeihung Ist es keine Verzeihung Fühlt es sich leer an. Verzeihung Weil es weh tut Verzeihung. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
der Emotionen und Gefühle
WENN DU DEN WEG NICHT SIEHST
Wenn Du den Weg nicht siehst, nicht kennst, nicht spürst, bleib stehen und lebe, erlebe, den Ort. Dein Geist ist tiefer als Dein Verstand, schöpfe, schöpfe, schöpfe, zieh kräftig aus Deinem innersten Hort. Gib nie auf. Die Nacht ist endlich. Der See hat einen Boden. Das Licht hat das erste und das letzte Wort. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
NACHTSEHNEN
Ab und zu fährt ein Auto vorbei Ein Rauschen außerhalb des Fensters Eins, Schweigen, zwei, Schweigen, drei… Unterbrechungen der Nacht Flüsterregisters. Zwischen den Autos ist es ganz still Ich höre selbst das Schweigen schreien Und zwischendurch ist alles, was ich will, mein gefesseltes Herz endlich befreien. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
FÜR ZWEI
Mein Herz schlägt für zwei Zwei Länder, zwei Kulturen Zwei Namen, zwei Frisuren Zwei Wege, zwei Sachen Zwei Reisen, zwei Sprachen Zwei Menschen, zwei Leben Das Herz hat zwei Kammern eben Aber niemals wirklich drei. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
EINMAL BERÜHREN
Einmal schnell den Himmel berühren und zurück… Einmal tief die Seele berühren bringt Glück… Einmal lindernd die Wunde berühren heilt sie ein Stück. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
HOFFNUNGSHERZEN
Höher Immer höher Steigt mein Verlangen Größer Immer größer Die Tränen auf meinen Wangen Freudentränen Herzen, die sich sehnen Zu einander schreien wie Sirenen Lauter Immer lauter Herzen, die schreien und bangen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
ICH SPÜRE DEINEN SCHMERZ
Ich spüre Deinen Schmerz, Sohn; Ein Teil von mir will ihn Dir wegnehmen. Die schluchzende Brust Deiner Emotion ist normal, dafür musst Du Dich nicht schämen. Ein Teil von mir will ihn Dir aber lassen, denn jeder muss einmal durch den Schmerz zum Reifen gebracht werden. Fassen kann‘s nur später, viel später, Dein Herz. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
NICHT AUSTEILEN
Egal wie viel Schmerz ich in mir hüte, würde es mich mehr schmerzen, den Schmerz weiter zu geben an Dritte - Ich behalte ihn in meinem Herzen. Leid geteilt wird nicht immer weniger - Ausgeteilt wird er nur noch heftiger. Richtig eingeteilt macht es einen inniger. Er lässt sich nicht aufteilen oder verteilen; Nur im ihn Austragen wird er Dich heilen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
MIKRORASSISMEN
Es ermüdet, täglich auf der Hut zu sein. zu bangen; Feindseligkeit statt Freundlichkeit aus viel zu vielen fremden Blicken zu empfangen, Angriffe aus dem Nichts. Hinterhältigkeit. Es enttäuscht, nicht vertrauen zu können; den nächsten Dolchstoß ständig zu erwarten; Wenige zu kennen, die Dir Gutes gönnen; begriffen zu haben, Du gehörst zu “Fremdarten”. Es macht Dich stark und schwach zugleich; Du darfst zart sein aber niemals weich; wirst Armut überleben aber wirst nie reich. Zwischen Euch liegt ein unsichtbarer Teich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
HEIMFLÜGE
Und wenn ich weg fliege,
schmiege ich mich um so intensiver
an Dich, meine Liebe. Ich kriege
mit, wie immer sensibler und sensitiver
Dein Verlangen nach mir wächst
Flügeln wächst und mir nach fliegt
dorthin, wo ich nicht bin – es ist verhext –
denn Dein Herz ist wo mein Herz liegt.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
