Es gibt mehr Menschen als es Menschen gibt, denn die meisten Menschen sind abwesend wenn sie anwesend sind und erst in Erscheinung treten wenn Ihr Herz berührt oder verletzt wird. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
der Heilung
SELBSTGAST
Hotelzimmer haben etwas Fremdes und Vertrautes zugleich. Du bist weit weg von Dir und bist in Dir ein Besucher in einem Friedensreich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
REINKARNIERENDE ÄGYPTER
Die Menschen hier sind mir ähnlich Als waren wir einst zusammen in einem Herz Bevor die Haut uns trennten Und fremde Sprachen. Und Fluss und Schmerz. Wie viele Leben leben wir Bevor wir anfangen, wirklich zu leben? Wie viele Tode sterben wir Bevor wir uns dem Gotteswillen geben Und uns gegenseitig vergeben Oder für immer aufhören zu leben? Wie tief muss eine Wunde sein Bevor sie geheilt werden kann? Wie tief müssen wir verbunden sein Bevor jeder dem anderen vergeben kann? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
NACHGEBEN
Der Winter kann irgendwann nicht mehr Hart sein. Er gibt nach, wird mild. Das Herz kann irgendwann nicht mehr Kalt sein. Es gibt nach, wird warm. Die Frau kann irgendwann nicht mehr Zahm sein. Sie gibt nach, wird wild. Der Stolz kann irgendwann nicht mehr Reich sein. Er gibt nach, wird arm. Alles gibt irgendwann nach, Das Vorherrschende wird schwach, Das Schlummernde wird wach, Das Schwierige wird einfach, Und Du darfst Dich neu erfinden, Dich trennen und neu verbinden, Zugleich erscheinen als auch verschwinden, Und Dich selbst überwinden. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
INNERER FRIEDEN
Innerer Frieden Eine verdunkelte Stadt ins Nachtträumen versunken Vier Autos hupen Die anderen schweigen in Müdigkeit verbunden Auch die Müden bewegen sich unermüdlich nach Vorne, Zuhause suchend. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
SCHUTZSCHILDER
Ohne die Vorhänge sähe jeder in meine Wohnung hinein Ohne meine Strenge sähe jeder in mein Innenleben hinein Manches gehört uns Aber manches gehört mir Mir allein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
EMOTIONEN
Die Wellen Hoch und runter Die dunklen, die hellen Sie alle machen mich bunter. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
HERZDRUCK
Die kalte Erde
drückt den Schnee
fest gegen ihre Brust
so fest, es tut ihr weh
Schmerzmittel
Herzkittel
Kälteres Jahresdrittel
und es tut immer noch Weh.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
WIEDER DA
In letzter Zeit höre ich die Stimmen wieder nah und weit die Stimmen und die Lieder der Mitmenschen und der Menschheit denn ich bin wieder da nach Jahrzehnten der Abwesenheit in denen ich nur Dunkelheit sah. Und jetzt höre ich die Stimmen wieder und meine auch - und spüre meine Beine gehen wieder und Lachen in meinem Bauch. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
WAHRHEIT ODER PFLICHT
Manche folgen nur materiellem Erfolg; Wenn solche in Deinem Leben erscheinen, werde wachsam. Silber und Gold ziehen das Niedrige an. Zu den Deinen darfst Du solche niemals zählen. Lasse lieber die herein, die Wahrheit sagen, egal ob sie Dir schmeckt oder nicht; Die Dich lesen ohne darnach zu fragen, die Dir stehen bei Wahrheit und Pflicht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
