DER DRANG NACH ENTWICKELUNG

Irgendetwas will,
es will raus -
In mir tobt April
wie ein Kind Zuhaus.

Lass mich hinaus
als Kind in die Welt -
ich komm zurück nach Haus
fertig und entwickelt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

OSTERNACHKLANG

Mein Blut blüht auf,
eine Blume in April -
Der Ostern ruft: „Lauf!“
Ich erwache! Ja, ich will!

Wo kommst Du denn her,
einsamer Glockenklang?,
singend, „Näher!, komm näher,
Ich bin erst der Empfang.

Da, wo wir herkommen,
klingt es tausendfach schöner.“
Da, wo WIR herstammen?
„Ja, da ist‘s wunderschöner.

Ich bin aus Deiner Heimat
und läute Dir den Weg zurück,
o Menschenblatt,
im Lebensbuch ins ewige Glück!.“

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AN GOTT DENKEN

Sonnenstrahlen gehen leise spazieren
morgens tief im leeren Laubenwald,
heben die Köpfe, die zitternd frieren,
und schieben sie in jeden dunklen Spalt
zwischen Wurzel, Äste und Zweige hinein,
grüne Blätter gibt es hier nicht mehr
oder noch nicht, die Januarluft ist rein,
ich sitze allein im Bus, allein ungefähr,
drei Mitfahrende sind auch hier drinnen,
meine Aufmerksamkeit gilt nur dem Wald,
sonnengestreichelt, und mein Sinnen
gilt Gottes allumfassendem zarten Gewalt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EIN JAHR MIT FESTEM ZIEL

Ein Jahr mit festem Ziel
wünsche ich allen:
Erwachsene Arbeit, kindliches Spiel -
Ins Alte kein Zurückfallen,
und Wahrhaftigkeit viel.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ALLES BLEIBT GLEICH

Ich konnte nicht länger warten,
Ich musste gehen.
Bald kannst Du was Neues starten,
Dein Schicksal drehen.

Ich bin das alte Jahr, Aufwiedersehen
sagt man mir vergeblich;
Ich komme nicht wieder, verstehen
wirst Du mich nachträglich.

Der letzte Tag des Jahres, nachdenklich
nimmt er seinen Abschied -
Die Menschen, unglücklich und glücklich,
stimmen ein ins Abschiedslied.

Was vorbei ist, ist vorbei, vorübergehend,
Liebesgeschichten, Freundschaften,
Pläne. Sie werden wiederauferstehend
weitermachen, des neuen Jahres Leidenschaften.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE LETZTEN TAGE DES JAHRES

Fünf Tage sind viel
Denk nicht, daß es schon vorbei ist
Zeit ist nur ein Bei-spiel
Abgelaufen ist noch nicht die Frist

Dein Jahr könnte noch urplötzlich
eine neue Wendung erhalten.
Letzte Momente tun bekanntlich
Überraschungen enthalten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SELBSTLOSIGKEIT

Wir lachen an Weihnachten, doch ist es ernst;
Es geht um die selbstlose, die wahre, Liebe.
Wenn Du alle Selbstsucht von Dir entfernst
und weiter schaust als Familie, Geld oder Triebe.

Wenn Du Gott gedenkst und Gott suchst, 
und versuchst zu begreifen, was Gott ist.
Wenn Du die Eitelkeit genau untersuchst,
und erkennst an, daß sie im Kern Schrott ist.

Es war kein Kind, das gekommen ist,
es war die Liebe selbst in ihrer Göttlichkeit.
Und wenn sie ehrlich aufgenommen ist, 
bemächtigt sie uns zur Selbstlosigkeit. 

Und kein Mensch hat je daran verloren,
daß er in sich Dunkel und Dünkel bekriegt hat. 
Er hat gewonnen, wurde neu geboren, 
weil seine ehrliche Mühe in Liebe gesiegt hat. 

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DEMUT UND EINFACHHEIT

Die Demut, der höchste Mut -
Ein Mut, der inspiriert und gut tut.
Der Mut, normal zu sein und gut.
Ein König, der in einer Krippe ruht
unter Menschen mit einfachem Blut.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MÖGEN MEHR SUCHENDE ERWACHEN

Mögen mehr Suchende erwachen,
zeitig und geistig ihre sieben Sachen
packen und sich auf den Weg machen
auf der Suche nach der Wahrheit.

Der Strahlende Stern will sie wecken,
die Fragen, die sie in sich verstecken,
um ein neues Bewusstsein aufzudecken -
das ist der Sinn der Weihnachtszeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

RICHTUNG WEIHNACHTEN

Es kommt erneut zum Jahresende jene schwierige Zeit,
wo innerlich empfundene, nachdenkliche, Tiefe
gestört wird durch laute kommerzielle Heiterkeit.

Bitte, schick mir keine Memes, schreib mir echte Briefe,
teile mit mir ein inniges Stück Deiner Ernsthaftigkeit.
Es rutscht schnell vorbei, diese Zeit, wie auf einer Schiefe.

Rede mit mir über eine Liebe, die wirklich verzeiht.
Verpasse dem Jahr einen Schlussstrich fein wie eine Serife,
mit einem Ernst, der die heilige Nacht wieder weiht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung