BEDARF

Mein Bedarf deckt sich mit Deinem Bedarf
wie zwei Hände zum Händeschütteln
sich gegenseitig drücken, fest, heftig, scharf
wie zwei Lächeln sich gegenseitig aufrütteln
aus der Umarmung drückender Einsamkeit
sich gegenseitig aufmunternd zur Heiterkeit
denn lieben und geliebt werden ist ein Bedarf.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIE ANDERE HÄLFTE DER KOMMUNIKATION

Eloquent streiten
mit allen unseren Seiten
ordentlich fighten
denn wir wollen uns gegenseitig
besser kennenlernen, nicht einseitig.

Höflichkeit ist die Hälfte der Harmonie
die Trägerin von Masken, der Ausdruck
von Desinteresse, das Herz als Galerie -
Wie wäre es mit echtem Druck?
Und dem Allerschönsten: Gegendruck.

Denn wir wollen uns gegenseitig
besser kennenlernen, nicht einseitig.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WUT

Wut! Wie Du in einem Augenblick
alles zunichte machen kannst,
ein ganzes Leben, ein ganzes Geschick!
Wie Du dem Untergang den Weg bannst
mit einer Handlung - Tat oder Wort -
mit deren Auswirkung Du mehr umspannst
als Du, blind, bemerken wirst sofort.

Der Pfad, der führte einst zum Glück,
wird langsam umgeleitet Stück für Stück -
Das Zerstörte kehrt nimmermehr zurück.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

TAUSEND TAGE

Mach aus jedem Tag
hundert, tausend Tage,
Neue Dinge, wag!
Inneres - hinaus… trage.
Deine Schicksalsfäden
sind mehr als Du weißt.
Befreie Dich von trägen
Gefühlen. Du bist Geist!
Die große Erde ist dicht,
ist langsam, ist klein;
Folgst Du dem Licht,
musst Du schneller sein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NACHT MIT LIEBE

Du duftest dunkel wie die Nacht
Wenn Dein Busen bebend lacht
Voll mit Liebe, aufgewacht

Umarme mich ganz wie die Nacht
Sei mein Bett, groß, fest und sacht
Und voll mit Liebe zart vollbracht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung 

SELBSTBEHERRSCHUNG

Einfach nur weil es da ist,
bedeutet nicht,
daß Du es nehmen musst.

Selbstbeherrschung frisst,
langsam, bricht
die Macht unbeherrschter Lust.

Wer sich aber kurz vergisst,
erlebt das Gewicht
unerfüllbarer Lust mit Frust.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

LIEBE IN MASSEN

Wenn Du liebst, dann lieber in Maßen,
denn die Liebe kann verrückt machen.
Lerne in der Liebe in Liebe los zu lassen,
Deinen Weg aus der Nacht herauszulachen.
Dein verwirrter Verstand kann nicht fassen,
welche Mächte diese Brände im Herzen entfachen;
Schlimmer noch, wenn die Seelen sich verpassen,
Ungleiche Erwartungen - jetzt wird‘s krachen!
Aus Lieben, verletzt, wird am Ende Hassen,
denn lieben kann Wahnsinn verursachen.

Wenn Du liebst, dann lieber in Maßen,
denn die Liebe kann verrückt machen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung 

AUS MANGEL AN TATMUT

Während sie lächelten
Während ihre Gefühle köchelten
Während sie Möglichkeiten einfädelten

Während sie tändelten
Während sie an Tatmut mangelten
Während sie nicht handelten

Kamen andere Menschen in ihr Leben -
Doch schau, wie sie aneinander noch kleben
unfähig, sich gegenseitig je zu vergeben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UMFANG DES DRANGES

Ein schnelles Rein und Raus,
oder auch langsam und lang -
Die Welt ist mein Haus,
immer bereit zum Empfang
des uferlosen Umfanges
des unersättlichen Dranges
des heimsuchenden Hanges.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

DAS UNVERÄNDERTE ZIEL

Aus welchem Grund auch immer
der Hass entsteht, ist der Boden
immer dasselbe. Ob schlimmer,
unverändert oder netter die Methoden
seiner Austragung bleibt das Ziel
das Besitzergreifen vom Vollrecht
zum Leben. Ein hinterhältiges Spiel -
wer menschlich spielt, wird geschwächt.

Die Intoleranz in den Augen-blicken
ist noch gar nichts im Vergleich
zu dem Würgen und Ersticken
tief im Herzen, gültig und gleich -
Aber im Internet kommt alles heraus,
Haß, Herrscherfantasie, Hässlichkeit;
Feigheit wird zu Mut in jeder Maus,
Menschen toben in Unmenschlichkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung