ES DRÄNGT

Herz schwer beladen mit Drang
Mitteilungs-, Bewegungs-, Geltungsdrang.
Suchen! Suchen! Erlebnisdrang.
Irgendwas Unvollendetes
Irgendwas Unerklärliches
Irgendwas Selbstgetriebenes
regt sich in Dir, macht Dich unruhig.

Keine Beziehung kann Dich beruhigen
Keine Leidenschaft kann Dich befriedigen
Keine Errungenschaft kann Dich besänftigen.
Geistiges, Andersartiges
regt sich in Dir, durstig und unruhig.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MOND

Eine Wölfin -
Warum streift sie allein durch den Wald?
Weiß sie nicht, ich komme bald?
Hörst Du sie heulen, redend mit sich
Tröste sie nicht, das mache ich
Berühre sie nicht, sonst beißt sie Dich.
Die Wölfin in Deinem Wald
Sie heult für mich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KAMPF DER KULTUREN

Die Kulturen
krachen auf einander wie
feste Felsbrocken

wie hartes Metal
gegen hartes Metal,
laute klagevollen Glocken!

Eine Kakophonie.
Kein Innenraum den Fremden -
alle bocken

und hocken

klein in den Zwischenräumen
wie Staubkörner, und
Schneeflocken.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WELLENRITT

Ich bin in der Welle
reite sie heftig
Ich bin in der Kiste
schüttle sie kräftig
Ich bin in der Stimmung
gebe mich ihr hin
Das ist meine Widmung
da ist alles drin.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KEINER KANN MICH AUFHALTEN

Keiner kann mich aufhalten,
der mein Ziel nicht kennt -
Das, was sie dafür halten,
war nie mein Element -
Ich war nur zwiegespalten,
ein blindes Instrument,
bis ich in dem Verwalten
meines Weges als Experiment
alle meine Seiten, die alten
und neuen transparent
durchlebte und könnte entfalten
mit meinem Temperament.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GROSS- UND KLEINREIBUNG

Manchmal bin ich groß
Und Du machst mich klein
Manchmal bin ich klein
Und Du machst mich groß.
Diese Groß- und Kleinreibung
Meiner Sehnsucht und Lust -
Wer hätte es gewusst? -
Wie Medikamente ohne Verschreibung
Fühlen sich irgendwie so an
Als wären sie etwas Verbotenes
Das bewirkt trotzdem was Gutes
Denn ich genese daran.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KEIN TAG OHNE SCHÖNHEIT

Der Zug fährt ab
und fernab der Gegenwart
kommt er im selben Moment an.
Alles ist immer Gegenwart.

Herzen berühren ist schön
Herzen brechen ist schön
Herzen begegnen ist schön
Herzen verlassen ist schön

Nur, mach es in der Gegenwart
Heb es nicht für morgen auf -
Ein Tag ohne Schönheit
ist ein Tag vertan

Ob Schmerz, ob Genuss,
ob Freude, ob Verlust,
es ist alles schön
wenn der Geist daran wächst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WONNENBRAND

Manchmal willst Du ein Gedicht
weiter schreiben,
doch es ist schon zu Ende -
Du warst nur der Kugelschreiber,
niemals selbst der Schreiber.
Du spürst an Dir fremde Hände

doch die Berührung ist intim
und der Griff ist Dir wohlbekannt.
Ohne Vorwand
nimmt er Dich ganz in Besitz
und befreit Deine Sehnsucht
ihres letzten gedanklichen Gewand.

Und jetzt würdest Du so gerne
weiter machen,
doch der Höhepunkt der Wonnenbrände
wurde schon überschritten,
überschrieben.
Dreh Dich sanft um. Seitenwende.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS UNGEWÖHNLICHE

Nimmer endende Geschichte 
Dreitausendsechshundertundfünfzig Gedichte
Und mehr Gedanken, als ich zählen kann,
Ein Innenleben, von dem ich erzählen kann,
daß es ein nimmer endendes Neigen ist
zum Emporsteigen, weil Geist eigen und artig ist
Und weil die Ewigkeit täglich entsteht,
während Dein Leben täglich zuneigen geht.
Wer Zauber ernten will, der säet, der säet…
Ungewöhnliches, weil Eigenartiges.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TÄGLICH ALLES

Wenn jedes Gedicht ein Schritt ist,
welchem Gedanken nähere ich mich?
Wenn jeder Gruß ein Abschnitt ist
der menschlichen Reise ins Friedensreich,
wenn ich da ankomme, sehe ich Dich?

Wenn jede Trennung ein Tritt ist
in den Hintern, weil Du weiter gehen musst,
weiter suchen musst, hast Du noch Lust?
Wenn jeder Tag ein Zeitlimit ist,
erfüllst Du täglich alles in Deiner Brust?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung