IST DEIN HERZ GROSS GENUG?

Ist Dein Herz groß genug
für einen Nachmittag mit mir
unter dem Erkenntnisbaum
wo keine Geheimnisse sicher sind
und alle Neigungen berührt werden?

Empfinde, bevor Du mitfühlst
Denk, bevor Du Ja sagst - oder nein
Verabschiede Dich von Deiner Vergangenheit
Bevor Du mich zu Deiner Zukunft machst -
Du brauchst Platz in Deinem Herz für mich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VER-BINDEN

Ich finde
wenn ich linde
Deine Augen binde
mache ich aus Dir keine Blinde

Trau Dich. Überwinde
Deine Angst, wenn ich Dir die Hände zubinde
Empfinde
den Zugang in Dir und verschwinde

Und erwache in der Welt des Sinnes
Bist Du das? Ja, Du spürst es. Ich bin es
Jetzt kannst Du mich besser sehen
Besser fühlen und besser verstehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UNBÄNDIG

Lasst Euch nicht fallen -
Wie die Frühlingsblumen, steht auf
Es wartet eine Welt da draussen
Gestern sucht Morgen. Wir sind der Staffellauf.
Laufen wir also. Steht auf, steht auf!
Schaut! Weit in der Ferne und noch weiter
Das sind keine Sterne, das sind wir
In der Zukunft, unbändige Freudenreiter
Die Freuden kommen, wenn wir reiten
Steht auf! Es warten auf uns neue Zeiten
Aufregend. Sie wollen uns dazu anregen
Sie mit Menschlichkeit zu prägen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ENTLADUNG

Sie schlich wie ein würziger Geschmack
Meine Zunge entlang
Gelang an mein Bauchgefühl
Gefühlt elfmal gekommen in elf Minuten
Krabbelte und kribbelte minutiös
Wohlwissend meine Schwäche war ihre Munition
Mutig und mutlos folgte ich
Mund an Mund, ich war mundtot
Und dann kam wieder der schöne Ausklang
Ich zeichnete Runen ihre Rippen entlang
Entladen, entspannt, befreit von dem Drang.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER DRANG

Wenn ich morgens aufstehe
ist alles, was ich will, der Drang -
der Drang zum MACHEN. Wehe,
wenn der fehlt. Schwanengesang.

Nicht Geld, nicht Frau,
nicht Kinder, nicht Spaß, nicht Arbeit,
nicht mal Lebensziel ungenau -
Allein „Drang“ ist Lebendigkeit.

Drang, frag mich nicht wonach
Der Drang überlässt mir die Wahl -
Er erfüllt und belebt mich einfach,
göttliche Mahlzeit, Rätsel, Gral.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NIMM DREI

Hier ein Kuss
Da ein Biss
Ein Blick als Gruß
Ein Zug, ein Riss
Nun ein Seufzer, nun ein Schrei
Nimm nicht nur zwei, nimm auch drei
Frei. Frei.
Bist Du mit Herz und Seele dabei?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WERDE SACHT

Langsam… langsam…
Komm runter
Verlangsame Dich heute Nacht
Mein Herz -

Einsam… weil seltsam…
Sehnsüchtig mitunter
Beruhige Dich, werde sacht, werde sacht
Mein Schmerz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TÄGLICH REIBEN

An dem Tag, an dem ich nicht schreibe 
Sterbe ich. Nahrung meinem Seelenleibe
Ist das Abschneiden täglich einer Scheibe
Des Unsichtbaren. Ich reibe, ich reibe
An der Lampe an dem Dschinn an dem Weibe
Das Bild, das entsteht; die Geister, die ich vertreibe
Das Ziel, das stets winkt, das ist meine Bleibe.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FRUST

Manche kommen ohne zu gehen
Manche gehen ohne zu kommen

Manche kommen ohne abzugehen
Manche gehen ohne Abkommen

Frust
Lust
Was Du musst
Unterscheidet sich von dem, was Du tust

Sehnen, dehnen
Nehmen, genommen
Fragen, verzagen
Weder gehen noch kommen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DICH DURSTFORSTEN

Es ist interessant, in Dir herumzuforsten

Kann man das so sagen?
Ich werde es wagen,
Du glättest die Wogen.

Manch ein Vogelschrei
Aufgeschreckt und überrascht
Überrascht und erschreckt mich auch

Die plötzlichen Blumen
Die mich in Deinem Wintergarten beobachten
Sind fesselnder als die vielen Tieraugen in Dir

Es macht Sinn, daß Du so viele Tiere bist.

Berg und Tal und Bach und Busch
So fühlt es also sich an, zu dürsten?
Es ist interessant, Dich zu durchforsten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung